Die Goldenen Meilen von Schwabach IV

Alle Jahre wieder geht es nach Schwabach zum „Heimrennen“. Da ich mittlerweile alle Distanzen für die Erwachsenen einmal (und den Bambinilauf mehrmals ;)) gelaufen bin (2017 5k, 2016 HM, 2015 10k) stand ich vor der Frage: welche Distanz darf es denn diesmal sein? Aufgrund der restlichen Tagesplanung fiel die Wahl wie schon beim Seenlandmarathon vor zwei Wochen auf den Halbmarathon – diesmal aber ohne Babyjogger 😉

Auch hier will ich – wieder zwei Tage vor dem Lauf – schreiben was mein Plan und meine Ziele für den Lauf sind. Wie schon vor zwei Wochen geschrieben ist eigentlich alles über der Hobbylauf-Distanz so gar nicht im Fokus. Andererseits ist wenn ich ehrlich bin überhaupt nichts im Fokus. Die Hobbylauf-Distanz kann ich einfach aktuell ohne eine Form des spezifischen Trainings halten, den früh um 5 fällt mir spezifisches Training, vor allem was Intervalle/Tempoläufe angeht einfach enorm schwer. Im Kopf läuft das gerade alles unter Grundlagenausdauer ab – ob es was bringt könnte sich ja eigentlich hier zeigen! Am Brombachsee war ich ja schon sehr positiv überrascht wie lange ich mich wirklich richtig gut gefühlt habe, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob das nicht eher an der zwangsweise entspannten Herangehensweise lag. Wie auch immer – Ziele wollen her!

Ziel C: Unter 1:40h

Ziel B: Pace von 4:25min/km (Entspricht umgefähr 1:33)

Ziel A: Schneller als 2016 (1:30:24) – sagen wir #Sub90, ok? 😀

zur Erklärung: Ziel C ist etwas schneller als vor 2 Wochen mit Jogger. Das sollte – Strecke hin oder her – gut möglich sein. Ziel B ist irgendwie gewürfelt, sollte schon drin sein hoffe ich, mal sehen wie es tatsächlich wird. Ziel A braucht schon einen Sahnetag. Sub90 wäre quasi Bestzeit, die Zeit 2016 kam damals absolut unverhofft zustande – vielleicht lässt sich ja nochmal so ein Lauf raus hauen? Keine Ahnung. Ebensowenig weiß ich ja wie ich die Distanz ohne Jogger rennen kann – viele Fragezeichen, es wird also spannend!

Bleibt noch die Frage: wie gehe ich es an? Tja nun, keine Ahnung 🙂 Die Strecke kenne ich ja ziemlich gut – zumindest bis zur Abzweigung der 10er Runde. Bis dahin ist es klar: Schnell los, piano hoch und dann irgendwie in einem zügigen Tempo eingrooven. Ab da dann laufen lassen und bei den Anstiegen Kraft sparen. Mal sehen was es wird. Wahrscheinlich nehme ich diesmal ausnahmsweise auch Musik mit und schaue, ob ich so einen Kick generieren kann.

Am Samstag hatten wir mit den Jungs ein Fußballspiel. Den Bericht zur 0:16 Niederlage habe ich mit „Positive Dinge in einer krachenden Niederlage sehen“ überschrieben und das könnte ich hier fast wörtlich übernehmen. Aber ich fange mal vorne an…

Am Start waren diesmal die beiden großen Kiddies und ich. Kind 2 durfte mit dem Kindergartenteam an den Start, daher waren wir um 9:30Uhr vor Ort verabredet um die Kinder Startklar zu machen. Der Große ist ja mittlerweile raus aus dem Verein, durfte aber letztmals noch bei den 400m-Bambinis ran, nur eben nicht vom Kindergartenteam aus. Leider gab es keinen Zwergerllauf wie letztes Jahr (200m, für die ganz kleinen), sodass Kind 3 noch nicht rennen durfte. Aber sie wollte eh nicht wirklich, von daher halb so wild.

Los ging’s mit den Mädels. Wir hatten (mal wieder) nicht mitbekommen, dass in Schwabach die Jungs und Mädels getrennt laufen – bei der 400m Wendestrecke ist das absolut sinnvoll – und so habe ich die Jungs gleich in den ersten Startblock geschickt… ups 🙂 Sie wurden aber freundlich zurück gebeten und mussten sich nochmal hinten anstellen. Die Mädels gingen auf die Strecke und sausten wie die wilden den Marktplatz hoch, um den Wendepunkt und wieder zurück. Unter tosendem Applaus der zahlreichen Zuschauer gaben alle alles! Am Ende konnte meine Kleine die Kindergartenkonkurrenz für sich entscheiden 😉

Im Anschluss gingen die Jungs auf die Strecke und ebenso wie bei den Mädels gaben alle Vollgas! Auch hier war unser Großer top dabei! irgendwo vorne im Feld kam er ins Ziel, hat das zuvor ausgerufene Duell mit seinem Fußballkumpel für sich entschieden und fuhr dann direkt mit ihm weiter auf einen Kindergeburtstag 😉

Ich machte mich im Eiltempo ebenfalls startklar, denn als nächste ging der HM auf die Strecke! Im Gegensatz zum Seenlandmarathon stand ich aus Versehen ganz weit vorne und musste mich fast bemühen nicht aus der ersten Reihe zu starten! Mein Plan war ja irgendwie kontrolliert anzugehen und es dann laufen zu lassen. Tja, das funktionierte so semi gut. Gefühlt lies ich es relativ locker angehen, faktisch war es dann doch etwas schnell (4:00 auf dem ersten km, ok der ging einmal etwas steiler bergab). Weiter ging es zum ersten härteren Anstieg hinter dem Krankenhaus. Hier wollte ich ja „gemütlich“ hoch, andererseits lief die Gruppe um mich ein Tempo, dass sich gut anfühlte. Also lief ich da mit, im Nachhinein betrachtet zu schnell. Der Anstieg zieht sich im Endeffekt bis KM 4 – ab da geht es dann erstmals eine Zeit lang eben weiter. Bei Wildenbergen (km 5,5) ging die Strecke erstmal steil runter, nur um dann direkt wieder ebenso steil anzusteigen. Nachdem dieser Anstieg ebenfalls geschafft war (6,5km) hatte ich eine Pace von 4:22. Zu schnell! Sogar viel zu schnell für die bereits absolvierten Höhenmeter. Es kam der erste VP mit Wasser un Iso. Ich nahm einen Becher Wasser, schaffte es nicht ganz ihn so halb zu trinken (der Rest landete überall, nur nicht im Mund) und drückte mir danach mein erstes Energiedingsi (so eine Art Gummibärchen, nur matschiger und wohl mit mehr Zucker 😉 ) rein – alles gut, läuft, weiter gehts.

Die nächsten Kilometer waren dann endlich wirklich flach, vielleicht sogar leicht abschüssig. Bis kurz nach Kilometer 10. Da ging es richtig steil runter. Bergab geht bei mir anscheinend mittlerweile ziemlich gut, denn ich konnte einfach laufen lassen und einiges an Boden zu den anderen gut machen. Im großen und ganzen tat sich übrigens überhaupt nichts an der Reihenfolge. Ich lief irgendwie ziemlich alleine, obwohl andere in der Nähe waren… Man kam sich nicht wirklich in die Quere. Danach ging es weiter durch das nächste Kaff (dessen Name mir gerade nicht angezeigt wird 😉 ) zum dritten großen Anstieg. Bis hierhin waren 10,5km geschafft und ich hatte immernoch einen Schnitt von 4:21… Einen Kilometer später, oben angekommen, war ich einerseits froh hier zu sein und hatte eine offizielle Durchgangszeit von 50:36 (im Ergebnisportal steht 12,5km – schön wär’s! 😉 ).

Von nun an verlief die weitere Strecke fast ausschließlich in der Sonne und das gab mir neben dem hohen Anfangstempo kurz darauf den Rest. Der erste Teil des Rückwegs ging noch ok – es war auch erstmal etwas abschüssig, zumindest flach, aber es wurde schon zäh. Außerdem spürte ich Blasen an meinen Füßen. Ich versuchte zwar halbwegs konstant bleiben, aber es gelang mir gefühlt überhaupt nicht mehr. KM 14 und 15 wurden schon etwas langsamer (4:25, 4:30), danach war aber schlagartig absolut schlapp und sowohl körperlich als auch mental vollkommen durch. So einen Einbruch hatte ich bisher noch nicht. Gedanklich beschäftigte ich mich ernsthaft mit einem DNF, allerdings hätte mir das Aussteigen auch nichts gebracht – wo hätte ich hin sollen um zurück nach Schwabach zu kommen? Also steckte ich mir ein neues Ziel: „Schlau“ laufen, langsam machen und irgendwie ankommen. Das hört sich leichter an als gedacht. Gefühlt schlich ich nur noch voran, „real“ waren es um die 5:00 auf den Kilometer – also eigentlich gar nicht so krass wie es mir vorkam. Auch die anderen hatten teilweise ganz offensichtlich Probleme, konnten sie doch auch nicht wirklich weit weg ziehen. Das war mir in dem Moment aber völlig egal, ich war nur noch mit mir selbst beschäftigt. Ich lief so gut es eben ging, freute mich zurück in Schwabach darüber, dass die letzten 1,5 -2 Kilometer wieder größtenteils im Schatten waren und mir war es vollkommen egal, dass mich jetzt doch noch zwei Läufer überholten. Der letzte vielleicht 400m vor dem Ziel und wenn ich irgendwie noch vom Kopf her in der Lage gewesen wäre hätte ich wohl im Zieleinlauf noch den Platz (auch in der Altersklasse wie sich herausstellte) noch zurück holen können, aber ich konnte und wollte nicht mehr. So zerstört war ich auf allen Ebenen schon sehr lange nicht mehr.

Ins Ziel kam ich absolut erschöpft nach 1h 35 Minuten und 10 Sekunden. Absolut nicht das, was ich mir erwünscht/erhofft hatte. Aber andererseits auch absolut erklärbar:

– Ich ging den Lauf für diese Strecke (viel) zu schnell an; Im Plan erwähnte ich ja die Musik: das zog ich auch durch -> Adam Angst und Marathonmann begleiteten mich. Vielleicht peitschte mich die Musik zu sehr rein. Zumindest bis zum Einbruch, dann ging mir auch die Musik auf die Nerven und ich musste sie aus machen – was mir dann auch wieder im Kopf half runter zu kommen und mich auf das Ziel „überhaupt ankommen“ zu fixieren. Für alles bis 10km würde ich der Beschallung aber nochmal eine Chance geben, danach erst zu einem späteren Zeitpunkt im Lauf.

– Ich bin einfach nicht im Training für Halbmarathons (woher die Zeit mit dem Jogger kam frage ich mich immer noch… Macht das tatsächlich so wenig aus? War die Strecke so viel leichter? Oder war es einfach nur eine viel bessere Tagesform?). Im kompletten Laufjahr 2018 hatte ich grandiose 4 Trainingseinheiten mit 20+ Kilometern, dazu 2 mit 17,5. Der Rest: 15,x oder weniger. Im November laufe ich zwar nochmal einen HM, aber ohne (Best-)Zeitziel. Danach wird der Fokus wieder auf dem 5er liegen. Ich habe mir vor einiger Zeit schon einen Trainingsplan geklickt, der möchte umgesetzt werden. Und ich möchte wissen was (mir) 6 Wochen spezifisches Training bringen. Testwettkampf bei der Winterlaufserie, Zielwettkampf Silvesterlauf – das Jahr ist somit fertig geplant.

– Ich habe das Wetter kollosal unterschätzt! Mir war in der Sonne viel (VIEL!) zu heiß… -> Lieber zu frisch anziehen im Wettkampf!

– Vielleicht hätte ich mehr trinken sollen (das aber eher vor dem Lauf)

– Ich werde endlich die Schuhe im Wettkampf ausrangieren. Ich dachte für den langen HM nehme ich die nochmal. War nicht gut. Bilder der Blasen lasse ich besser raus 🙂

Unterm Strich gehe ich trotz allem – oder vielleicht wegen der vielen Dinge die schief gelaufen sind – positiv aus dem Wettkampf raus. Ich habe viele Dinge gelernt und weiß, wo ich nächstes Mal ansetzen kann und muss um es besser zu machen. Und ich habe es trotz aller Probleme irgendwie bis zum Ende durchgezogen und des mentale Monster niedergerungen!

 

In der Analyse ist der Einbruch auch anschaulich:

 

 

 

 

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