Outdoortag Plech – Trailrun

Mythos Trail

Faszination Trail

Trail. Ein „Virus“, eine „Sucht“, die viele Läufer, wenn sie damit in Berührung kommen, nicht mehr los lässt. Es hat mich erwischt.

Ich habe eine Dosis Trail eingeflößt bekommen. Sie war klein, sogar kleiner als geplant. Aber sie war intensiv. Wahnsinnig intensiv!

Ich ertappe mich immer wieder bei Gedanken an die Strecke, mein Körper sendet mir Signale von Stellen, die ich vorher so noch nicht gespürt habe. Gespräche landen immer wieder bei dem Lauf. Sogar im Tiergarten mit der Familie am Tag danach habe ich abseits des Weges gedeutet und gesagt: „so war der ‚Weg‘ gestern auch!“. Ich glaube mit leicht leuchtenden Augen…

Aber was war eigentlich passiert? Vor Wochen flatterte irgendwo durch die Weiten des Internets ein Link zum Outdoortag in Plech. Neben diversen Wanderungen, Mountainbike Touren und Führungen in Höhlen der näheren Umgebung (und wahrscheinlich noch vielem mehr – Impressionen in der Bilderstrecke von nordbayern.de) gab es auch einen Traillauf. Genauer gesagt drei. Einen „Einsteigertrail“ über 7,5km, und die FrankenPfalz Meisterschaft über 16, bzw. 31 Kilometer. Irgendwie geriet der Einsteigertrail in Vergessenheit. Bei einer passenden Gelegenheit machte ich den Termin im Familienkalender fix und meldete mich für die 16km Distanz an 😉

Die Tage vergingen und die Teilnehmerliste wuchs. Nicht. 🙂 Ich versuchte noch die lokalen Twitteristis zu aktivieren, aber leider hatte niemand mehr Zeit, sodass das Starterfeld der beiden „Meisterschaftsläufe“ die 20 Teilnehmer nicht überschritt.

Die Tage vor dem Lauf war das Wetter bescheiden, nur um am Tag direkt vor dem Lauf auf Hochsommer zu wechseln. Startzeit war um 14Uhr, wir erreichten Plech bei 27 Grad und strahlendem Sonnenschein eine Stunde vor Start. Ich war von Anfang an begeistert! Geparkt wurde auf einer Wiese am Ortsrand, neben der Feuerwehr (das war die Event-Location für den Outdoor Tag).

Über die kleine Straße, bzw den letzten Trail der Strecke ging es vom Parkplatz hin.

Dieses Trail-Stück lief ich heute noch öfter 😉

Die Outdoor-Tag-Base ist dann so ziemlich das, was ich mir als „perfekt“ vorstelle. Alles da, was man als Läufer so brauchen könnte (Verpflegung – Pizza!, Umkleiden, Duschen, …), vieles für die Familie (also die Kinder 😉 – Spielplatz, Hüpfburg, Dosenwerfen, Torwandschießen, Kletterwand, … und das alles schön kompakt beieinander. Es gab sogar so einen Kirchweih-Süßigkeiten-Wagen…auch wenn wir den jetzt nicht besuchten :). Im Verpflegungs- und Startunterlagen Zelt war noch eine groß aufgebaute Streckenkarte um sich mit dem Weg vertraut zu machen:

 

 

Nachdem ich meine Startnummer abgeholt und die „Ich mach das auf eigene Gefahr“-Erklärung unterschrieben habe studierte ich die ausgehängte Streckenkarte  und bin dann zurück zum Auto – umziehen. Natürlich wieder über den Trail und nicht die Straße 🙂 Mit dem Outfit war ich leicht „unglücklich“ – erst hatte ich ein kurzes Kompressionsshirt unter dem Singlet…für ungefähr 30 Sekunden, dann wurde es mir zu warm 🙂 Untenrum durfte endlich mal meine Trailhose wirklich auf einen Trail und noch weiter unten steckte ich in Kompressionssocken – diese hätte ich gerne gegen kurze getauscht, hatte aber keine dabei. Mein Schuhwerk waren Hoka Arahi, das „trailtauglichste“ was ich so rumstehen habe (Spoiler: es war kein Problem!).

Also: zurück zum Start. Unterwegs habe ich drei mal die Frage ob ich alles habe mit „Jaaahaaaa“ beantwortet, nur um dann, als wir oben waren auf die Frage nach dem Zeittransponder nur ein „oh“ rauszubringen. Also nochmal zum Auto…wo ist das Ding?? *such,such* … in der Hosentasche! Yay, super 🙂 …also wieder hoch. Die letzten Minuten vor dem Start waren wir im „Spielbereich“:

Quelle: http://www.nordbayern.de/

Wie entspannt alles war erkennt man an den folgenden Minuten: Durchsage: „In 5 Minuten kommen bitte alle Helfer nochmal zusammen die gleich an der Strecke sind, die Läufer dann kurz danach.“ Also versammelten wir uns alle an den Biertischen im Zielbereich. Die „Wettkampfbesprechung“ bestand aus: „ausgeschildert ist alles super“ (Spoiler: weiterlesen! ;)) und „wir müssen noch kurz warten bis die Feuerwehr die Straßen gesperrt hat.“ dann kurze Pause: „ich mach jetzt noch nen Countdown von 10, dann geht‘s los! 10, 9, …, 3, 2, 1, los!“

Quelle: http://www.nordbayern.de/ (Im orangenen Singlet der Sieger, links in rot der eigentlich Zweitplatzierte. Ich: rechts im Off ^^)

Auf dem Foto dürfte nahezu das komplette Starterfeld aller(!) Läufe – also 7,5km, 16km und 31km zu sehen sein! Gefühlt schaute erst mal jeder auf den anderen bevor es dann auch tatsächlich los ging 🙂 Kein Gedrängel und Gehetze am Start wie man es von Stadtläufen kennt, alle nahmen Rücksicht. Super!

Warum das auch gar nicht nötig wäre erkennt man hier in Plech als Trailneuling sofort. Der erste Teil der Strecke führte zwar noch durch die Ortschaft, aber von Anfang an ging es entweder hoch oder runter in Richtung Hauptstraße. Die war links und rechts durch ein Feuerwehrauto gesperrt, es ging direkt wieder in eine Seitenstraße und Richtung Ortsausgang. Hier folgte der erste und einer der wenigen flachen Abschnitte der Strecke. Wobei „Abschnitt“ in diesem Fall ungefähr 200m bedeutet…wenn überhaupt.

Hier kam noch der Straßenläufer in mir durch und ich überholte bis hier hin ein paar andere und reihte mich an dritter Stelle des Gesamtfeldes ein. Was folgte war der erste Vorgeschmack was anstiegsmäßig noch auf mich zukommen sollte. Das letzte Stückchen im Ort war ein Anstieg (20HM auf 150m vertikale Strecke), den ich, wäre es später gewesen, garantiert nicht mehr hoch „gerannt“ wäre. Es war auch der letzte, den ich noch gerannt bin 😉

Oben angekommen ging es – ebenfalls typisch für die Strecke – direkt wieder runter. Diesmal wirklich aus dem Ort raus, unter der Autobahn durch und rein in die Natur. Der nächste Kilometer ging relativ flach an einem Waldrand-/Feldweg entlang. Die beiden Läufer vor mir brannten ein Tempo in den Boden das ich wohl nicht mal im Flachen mitgehen hätte können – und das war auch gut so. Ich war alleine mit mir und konnte mich vollkommen auf mich selbst und die Umgebung konzentrieren. Von dem Weg weg ging es links in den Wald. Links und hoch. Steil hoch! Es dauerte kurz bis ich über meine. „Läuferschatten“ springen konnte, aber es machte sowas von keinen Sinn hier hoch zu rennen, also ging ich. Ich versuchte schnell zu gehen…ob das klappte kann ich nicht sagen, ich denke schon 🙂 Danach ging es durch den Wald, noch auf etwas größeren Wegen und auf der anderen Seite wieder raus. Auf einer Straße ging es wieder nach unten und parallel zur Autobahn wieder ab nach oben. Erst langsam, das letzte Stück dann wieder sehr steil. Hier konnte man weit nach vorne sehen und ich hatte zum letzten mal den führenden und etwas länger den zweitplatzierten im Blick. Hier oben angekommen ging es über eine Brücke über die A9. Direkt danach war VP 1 – es gab Iso, Wasser, Bananen, Müsliriegel und Nüsse. Besser als so mancher Volkslauf!

Und es ging wieder abwärts. Man musste eine Straße kreuzen die ebenfalls von der Feuerwehr gesichert war und schwupp ging es wieder rein in den Wald! Rein und… hoch! Gefühlt nochmal krasser , oben angekommen schlängelte man sich noch durch Felsen durch nur um sich im direkt folgenden downhill nach unten zu schlängeln. Ich fühlte mich dabei wie so ein youtube- Trailläufer. Es war so surreal, so fantastisch. Am fuß des downhills war ein Fotograf. Ich hoffe ich finde das Bild irgendwo und es sieht nur halb so spektakulär aus wie in meinem Kopf!

Er meinte noch ich solle eeetwas langsam machen. Meine Antwort „es macht aber so verdammt Spaß“ sagt glaube ich alles 🙂 Ich flog also weiter über die Waldwege, schlich den nächsten Anstieg hoch um direkt danach wieder runter zu ballern. Hier hatte ich erstmals leichte „Orientierungsprobleme“. Die Markierungsfähnchen und -schilder wurden gefühlt etwas sehr spärlich und ich war mir für einen Moment nicht sicher, ob ich noch richtig bin. Ich bog einmal quer über die Wiese, da ich dachte dort ein Fähnchen zu sehen … war aber keins, also bin ich zurück auf den Weg und schoss weiter bergab. Als ich aus dem Wald kam sah ich zum Glück die nächste Markieren, sowie einen Streckenposten – war also richtig. Noch einmal abbiegen und ich war an VP2. Hier machte ich kurz stopp, trank nen Becher Iso und schnappte mir zwei Stück Müsliriegel. Von hier ging es runter auf eine gesperrte Straße. Ich wollte schon gerade aus rennen, fragte aber während ich die Straße betrat mit halb vollem Mund und halb in Zeichensprache „da lang?“ und bekam ein „ne, da hoch und links“ zurück. Ups… „Danke!“ und weiter gings! Direkt links rein. Dieser Streckenabschnitt führte jetzt etwas „gemächlicher“ über Feldwege. Es war nicht direkt eben, aber zumindest ging es für den Moment nur noch leicht auf und ab. Zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl es wäre eine Schneise in die Wiese gemäht worden damit wir da durch laufen können – es war aber als „normaler“ Wanderweg markiert. Einfach toll. Eine Brücke führte über einen Bach und kurz darauf war ich auf einer Waldautobahn. Und irgendwo hier passierte es dann: Ich verpasste eine Abzweigung. Es waren zwei Mountainbiker und drei Wanderer unterwegs, vielleicht war ich im falschen Moment etwas abgelenkt, oder es waren „Scherzbolde“, die die Markierungen „entfernt hatten“- wie nordbayern.de im Artikel zum Outdoortag schrieb. Wie auch immer. Ich lief daher den Weg weiter und hatte schon das Gefühl falsch zu sein, da ich lange keine Markierung mehr sah. Ich dachte mir andererseits aber auch wieder nicht wirklich was dabei, da ich davon ausging, dass einfach keine Markierung nötig war, wenn man auf dem Weg bleiben sollte – war vor VP2 ja auch schon so. An der Bundesstraße angekommen (immernoch ohne Markierung) wusste ich, dass ich falsch war. Ich hatte jetzt zwei Optionen: Umdrehen (berg hoch) und hoffen irgendwo die Abzweigung zu finden, oder wieder versuchen Richtung Plech zu kommen. Ich entschied mich für letzteres, da ich auf der anderen Straßenseite wieder ein Markierungsfähnchen sah. War ich doch richtig? Ich lief rüber. Das Richtungsschild lief ich von hinten an – also war ich falsch gelaufen, aber immerhin wieder auf dem Trail. Der bot nochmal ein wahnsinniges Fest an Eindrücken: Singletrail, Felsen, Steile An- und Abstiege. Wahnsinn. Leider war ich nach dem letzten Downhill direkt am Parkplatz. Blick auf die Uhr: 12km. Scheiße. Ich überlegte was ich tun sollte, überschlug kurz die Zeit und trottete am Parkplatz aus. Ich wollte keinesfalls vor den beiden Erstplatzierten ins Ziel. Die waren vor mir und so sollten sie auch einlaufen, also blieb ich kurz stehen und blickte zurück. Keine 2 Minuten später kam der (meines Wissens nach) Führende aus dem Wald. Ich wartete beim Parkplatz, klatschte ihm zu, beglückwünschte ihn und erklärte kurz, dass ich falsch abgebogen bin. Ziemlich zeitgleich kam der (meines Wissens nach) Zweitplatzierte vom Zielbereich Richtung Parkplatz! Hatte er doch gewonnen? Ich unterhielt mich kurz mit ihm – nein, hat er nicht. Er war zwar als erster im Ziel, allerdings lief er wie sich später herausstellte wohl an gleicher Stelle falsch wie ich. Krass. Naja, da beide nun da waren konnte ich ja auch ins Ziel 😉 Nach selbst getrackten einer Stunde und 6 Minuten und (nur) 12,35km lief ich über die Ziellinie, erklärte mein Problem und wurde aus der Wertung genommen.

Eine Medaille bekam ich trotzdem, wie sich später herausstellte waren wir zu 4., die nicht die volle Strecke liefen (und das auch meldeten). Bei der 7,5km Distanz ging es wohl einer Gruppe ebenfalls so, die liefen aber zu viel statt zu wenig. Das wäre mir auch deutlich lieber gewesen. Wir haben uns mit dem Zielgetränk in der Hand (gab es im Tausch gegen den Transponder 😉 ) den Plan im Ziel angesehen: verglichen mit meinem Track muss es ungefähr bei km 9,4 gewesen sein wo wir alle auf dem Weg blieben und nicht rechts weg sind. Für die Zukunft weiß ich: Ich muss den Track irgendwo mitnehmen und „prüfen“ können. Sei es auf dem Handy (das wäre aus anderen Gründen auch nicht dumm – Notfall / Fotos!) oder einem reinen Tracker. Aber beim ersten Trail kann sowas durchaus passieren, es kommt darauf an was man daraus lernt.

Mich ärgert im Nachhinein die Disqualifikation und der verpasste dritte Platz übrigens kein bisschen. Das einzige was mir „stinkt“ ist, dass mir 3km Trail fehlen, die ich wahnsinnig gerne noch gelaufen wäre! Der Virus hat mich gepackt.

Plech, ich komme im nächsten Jahr wieder – ich habe noch eine Strecke zu Laufen!

Ein bisschen Zahlen und Daten sollen nicht fehlen, auch wenn sie nüchtern sind und das erlebte in keiner Weise wiederspiegeln. Auf den selbst aufgezeichneten 12,35km habe ich im Polar Portal 370 positive Höhenmeter, Strava kommt auf 400 und Runalyze gibt sogar 434 an. Was auch immer stimmt? Keine Ahnung. Der offizielle Track spricht von 314m nach oben. Auf die volle Distanz. Und mir fehlt mir ein großer Anstieg (bei KM 12).

So hätte der Lauf sein sollen:

 

Und so war ich unterwegs:

Rot markiert ist die Stelle an der ich fälschlicherweise auf dem Weg blieb (KM 9,4) statt der gestrichelten Linie zu folgen. Es fehlen laut Track relativ genau 3,3km. Wenn man sich das offizielle Endergebnis anschaut und für die fehlenden 3,3km großzügig mit 20min addiert wäre die „erwarete“ Reihenfolge heraus gekommen, wenn nichts unvorhergesehenes passiert wäre. Hätte, hätte, egal. Wie geschrieben: es ist nur schade um die fehlenden 3,3km 🙂 (und natürlich den VP in Höfen den ich dadurch verpasst habe! :))

Schön zu sehen ist, dass ich, wenn es die Strecke zuließ, durchgehend gut Tempo machen und teilweise runter ballern konnte!

Ansonsten sieht man sehr schön, dass ich während des Trails „gelernt“ habe:

Anfangs war ich zu wild unterwegs, in der zweiten Hälfte konnte ich etwas drosseln. Am Ende sieht man noch die „Regeneration“ am Parkplatz 😉

 

Jetzt hoffe ich, dass ich noch ein paar Bilder von mir auf der Strecke ergänzen kann … Updates folgen, hoffentlich!

[Update]: Es sind Bilder gekommen – und wie! Neben den offiziellen Fotos auf der Homepage haben alle Teilnehmer noch einen link zu allen gemachten Fotos erhalten – wie geil ist das denn bitte?! Außerdem noch eine kleine Linksammlung zu Berichten im Internet – bittesehr 🙂

www.nordbayern.de/region/pegnitz/outdoor-tag-fur-die-ganze-familie-lockte-1.7634095

www.nordbayern.de/region/pegnitz/sporteln-unter-freiem-himmel-der-outdoor-tag-in-plech-1.7633477

www.frankenlandler.com/2018/05/27/impressionen-vom-outdoortag-plech-2018/

www.frankenlandler.com/2018/06/03/abenteuerliche-rundwanderung-von-plech-%C3%BCber-den-eibgrat/

www.stadtkapelle-velden.de/

 

 

 

 

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