Stadtlauf Schwabach 2021

The Day After. Normalerweise macht man ja nach einem Wettkampf einen Ruhetag. Oder zwei, oder drei. Oder auch nicht. Für Oli und mich ging es nach der Bayrischen Meisterschaft im Laser Run nach Schwabach zum Stadtlauf. Pandemiebedingt wurde etwas umstrukturiert: Es gab nur den größten Schülerlauf über 1600m (deswegen konnten die Mädels nicht starten), sowie die üblichen 5,3km, 10,2km und Halbmarathon.

Eigentlich hätte Oli altersbedingt nichtmal beim Schülerlauf starten dürfen, aber naja, ging dann doch. Aber nicht im Schülerlauf, sondern beim 5er! Ich stand also erstmals mit ihm zusammen am Start, aber er kannte ja die Strecke von den virtuellen Läufen während der Pandemie, also war der Plan: wir ballern beide einfach was geht und sehen uns im Ziel wieder.

Anders als am Vortag in Wangen war von früh Morgens kein Wölkchen am Himmel zu sehen. Dafür war es – um es freundlich auszudrücken – arsch kalt. Bei der Abfahrt um 10:30 Uhr hatten wir zwei Grad auf der Anzeige im Auto. Zwei! Ok, das Auto stand im Schatten und es stieg relativ schnell, aber… Puh. Brrrr!

Wieder eingepackt in eine dicke Winterjacke fanden wir eine Bank in der Sonne an der Stadtkirche. Das war herrlich – so ließ es sich absolut aushalten! In der Sonne wurde es so warm, dass ich sogar kurz an meiner Kleiderwahl (lang/lang) zweifelte – das Einlaufen mit Oli überzeugte mich aber, dass das schon ok war. Im Schatten war es schon noch gut frisch!

Ich hatte schon den ganzen Tag das Gefühl, dass Oli hibbeliger war als am Vortag bei der Bayrischen Meisterschaft, also machten wir uns gut 10min vor Start auf zum Startbereich. Da trafen wir noch Elli und Sven, die beim 10er starteten (wie auch Roland, den ich vorher schon getroffen hatte) – schöne Grüße an alle an dieser Stelle!

Als wir dann im Startbereich ankamen waren es noch recht leer, also stellten wir uns erstmal ganz nach vorne. Klar 😉 Ich bereitete noch die raceday.me App von Stefan vor, die ich erstmals nach dem Release der neuen Version live testen wollte (Spoiler: hat perfekt geklappt was ich so mitbekommen habe!) und wartete mit Oli auf den Startschuss. Als alle kurz vor dem Start vor kamen blieb er etwas zurück, ich stellte mich vorne mit rein und als es los ging ließ ich die Beine fliegen!

Ein Start leicht bergab ist natürlich gleich mal geil, auch wenn es die Gefahr birgt, dass man überdreht. Ich orientierte mich erstmal an den Anderen hier vorne, da es mir sogar etwas leicht vor kam. Vielleicht lag es an den Carbonschuhen, die erstmals in einem Straßenrennen im Einsatz waren. Ich sortierte mich an dritter Position ein, als es die Bachgasse entlang ging. Der Untergrund hier ist echt anspruchsvoll: Kopfsteinpflaster, normales Pflaster, kaputte Straßen, parkende Autos, Gehwege, Fußgänger. Bis zur Münzgasse, die aufgrund einer Baustelle erstmals durchlaufen wurde war alles geboten und dann ging es gleich mal leicht bergauf. Wirklich leicht, aber dennoch spürbarer als auf der regulären Strecke, da zieht es sich etwas sanfter aufwärts. Nach der Gasse auf dem Weg zur alten Linde (wir sind bei gut 500m Strecke ;)) wurde ich dann überholt und nach vorne zu den ersten Beiden tat sich schon eine kleine Lücke auf. Ich war echt gut unterwegs, aber die Jungs da vorne waren nochmal nen ticken schneller.

Ich ließ mich nicht anstecken und lief einfach mein Tempo weiter. Die Straße entlang bis zum Rechtsknick tat sich nicht viel, der Abstand wuchs minimal aber stetig an und es ging bei Kilometer 1 den Krankenhausberg hinauf. Ich kenne die Strecke ja mittlerweile echt gut, aber dieser Anstieg haut echt jedes Mal wieder voll rein. Das wird sich wohl auch nie ändern 🙂
Im unteren Teil des Anstiegs tat sich nach vorne eigentlich nicht viel, der Abstand blieb gefühlt gleich. Nach der Hälfte des Anstiegs hat man den steileren Teil geschafft, es geht aber weiter hoch, auch wenn man es nicht mehr so stark merkt. Dafür wechselt der Untergrund von Straße auf Feldweg – uneben, leicht sandig (aber erstaunlich trittfest) und steinig. Es ließ sich gefühlt ganz gut laufen, aber nach vorne wurde hier die Lücke spürbar größer. Der Weg schlängelt sich etwas an Hecken entlang und ich sah für einige Zeit in den Kurven erstmals niemanden vor mir. Egal, einfach weiter.
Der Feldweg wird nach einiger Zeit zu einer Straße, die zu einem Wanderparkplatz und dann bei ziemlich exakt KM 2,5 zur Abzweigung und wieder bergab führt. Bis da hin geht es allerdings stetig bergauf und „Straße“ ist auch etwas schwierig formuliert – es ist eher eine Waldautobahn – also ein sehr fester Weg, aber halt keine Straße. Ich war ziemlich mit mir am kämpfen, spürte hinter mir den nächsten Läufer und verpasste so Alex, der am Wanderparkplatz zum anfeuern da war (und von mir und Oli Fotos knipste! :D). Ich war anscheinend extrem im Tunnel.

Trotzdem konnte ich es nicht verhindern, dass ich an der Abzweigung überholt wurde und auf den fünften Platz zurück fiel. Bergab ließ ich einfach rollen so gut es ging, dennoch riss nach vorne recht schnell eine kleine Lücke. Unten angekommen kamen wir auf den Rückweg und teilten uns die Strecke nun mit den Halbmarathonläuferinnen und -läufern, die die letzten zwei Kilometer ebenfalls hier liefen. Erstmals im ganzen Rennen hat man hier vielleicht 1,5 flache Kilometer. Das macht es aber nicht leichter, denn man hat schon enorm viele Körner gelassen.

Beim Weg zurück wollte ich einfach weiter das Tempo hoch halten um den Lauf gut ins Ziel zu bringen. Zwischen Km 3,5 und 4 kam ich langsam aber stetig wieder an den Läufer vor mir heran. Ich widerstand dem Impuls direkt einen Versuch zu unternehmen und anzuziehen, sondern wollte einfach mein Tempo weiter halten. Ich kam schließlich näher, also lief alles für mich. Er war wohl auch platt – wie gesagt, der Strecke schlaucht enorm, auch wenn es „nur“ ein 5er ist. Irgendwo kurz nach KM 4 hatte ich dann aufgeschlossen und setzte alles auf eine Karte: Das war der Moment in dem ich durchziehen musste. Do or Die! Now or Never! Nebenher laufen bringt mir nichts, ich muss hier zeigen, dass ich gute Beine habe (auch wenn ich sie gar nicht mehr hatte). It’s a mental game! Das gilt nicht nur beim Laser-Run beim Schießen, sondern auch auf der Laufstrecke.

Also war der Moment in dem ich aufschloss auch der Moment in dem ich nochmal einen Tick Tempo drauf legte. Das blöde ist: Man weiß nie ob es reicht. Mein Gefühl sagte ja, aber man weiß es ja definitiv nicht. Also: weiter durchziehen, bloß nicht nachgeben! Angekommen an der Stelle als es den Krankenhausberg hoch ging geht es beim Rückweg um einen Weiher. Hier wurde es kurz kritisch: Ich versuche natürlich immer die Kurven so eng wie möglich zu nehmen. Blöderweise kam mir hier eine Radfahrerin entgegen! Ich konnte gerade noch einen Schlankerer in die Kurve machen und ihr ausweichen – das hätte ich jetzt noch brauchen können! 😉 Kurz danach das nächste „Problem“: Aus welchem Grund auch immer stand der Weg auf vielleicht 5m länge komplett unter Wasser. Da vor mir ein(e) HM Läufer(in) (sorry, keine Ahnung mehr :)) genau an der Stelle war als ich überholen wollte/musste sabbte ich voll in die tiefe Stelle (in der Mitte war es seichter). Also auch noch nasse Füße! Ehrlicherweise war mir das egal, ich hatte nur den absurden Gedanken, dass ich jetzt mit den Carbonschuhen wie bei Mario Kart von der Strecke segeln könnte, wenn man in eine Bananenschale rauscht. Jaja, Wettkampfgedanken sind manchmal witzig 🙂 Spoiler: das passierte nicht, aber ich musste nochmal derbe kämpfen. Auf dem Weg zur Spitalkirche (wir sind am letzten halben Kilometer) geht es nochmal kurz runter und direkt danach hoch – jeweils vielleicht 1,5 oder 2m – also eigentlich nicht der Rede wert, aber es macht einen so spät im Rennen absolut fertig. Natürlich nicht so fertig wie der Spielberg direkt danach. Den nochmal hochgequält – ich hörte (außer Chrissy und die Mädels irgendwo außerhalb des Tunnels ;)) und spürte nichts hinter mir und war guter Dinge, dass es reicht. Trotzdem nochmal alles geben beim Zielsprint!

Der Sprint macht zum einen richtig Spaß weil er leicht bergab geht aber aufgrund des Kopfsteinpflasters auch anspruchsvoll ist. Und man will es ja – wie schon öfter geschrieben – nicht auf den letzten Metern noch versauen!

Spätestens als Bobby Scherbel – früherer Lehrer von mir und seit Jahren Sprecher des Laufs – nichts von einem Duell rief war ich sicher der vierte Platz ist eingetütet! Was für ein geiles Rennen!! Nach ich weiß nicht wie langer Zeit endlich wieder ein Lauf im großen Startfeld (beim Laser-Run ist das doch altersklassenbedingt immer sehr überschaubar, sodass selten wirkliches „Racing“ aufkommt) und dann gleich so ein Rennerlebnis! Geil, geil, geil!!!

Im Ziel war ich total im Arsch und musste erstmal ein paar Minuten Platz nehmen und durch schnaufen. Ich checkte irgendwann meine Uhr und hatte tatsächlich meine bisherige PB auf der Strecke um 30s verbessert. Ich wollte eine Sub20 schaffen (mit der Vorbelastung des Vortags hielt ich das für vielleicht machbar), meine PB war bei 19:23 – heute waren es am Ende 18:53! Sub19!! Das auf 5,3km und auf der Strecke… unfassbar. Und so unerwartet!

Aber es wurde noch viel besser. Ich war noch nicht lange wieder auf den Beinen, da kam auch schon Oli den Marktplatz herunter gesprintet. Der verrückte Kerl lief die Strecke in DEUTLICH unter 25 Minuten: 24:39, Platz 23 von 91 gesamt. Wie unfassbar gut!!

Wir plünderten noch das Zielbuffet, schmissen uns in unsere Jacken um der Kälte im Schatten etwas zu entgehen und suchten uns dann wieder einen Platz in der Sonne. Es war noch nicht klar, ob Oli in der U16 gewertet werden konnte (ich habe den Anmeldeprozess etwas verbockt) … er blieb aber sicherheitshalber noch zur Siegerehrung mit der Oma vor Ort. Ich bin mit Chrissy und den Mädels direkt zu deren Fußballspiel weiter gefahren – als 4. hatte ich da ja keine „Probleme“ mit einer Siegerehrung 😉 Andernfalls hätte Oli das auch abholen müssen 🙂 Am Ende wurde er in der U16 gewertet und hat da (als einziger Starter) den 1. Platz gemacht.

Was für ein Wettkampftag. Was für ein Wettkampfwochenende! Unfassbar anstrengend, aber auch unfassbar gut.

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