Eskalation du Zwift

Ja, es war wieder sehr lange sehr still hier. Das lag hauptsächlich daran, dass ich ziemlich gefrustet war… Die Probleme an meinem Fuß vom Altmühltrail sind immernoch nicht besser. Ich habe im kompletten November und Dezember ZUSAMMEN keine 100 Laufkilometer absolvieren können, war währenddessen zwei mal beim Doc und bin stand heute wieder mal in einer Laufpause mit ungewissem Ende. Ich werde es die Tage wieder mal versuchen, weil ich keine „Alltagsprobleme“ mehr habe, aber das war beim letzten Mal auch schon so. Also bin ich allerhöchstens vorsichtig optimistisch. 2022 wirft schon seine Fänge aus, es zeichnen sich fantastische Events ab, bei denen ich auf jeden Fall dabei sein will, aber momentan heißt es erstmal: Füße still halten und wieder auf die (Lauf-) Beine kommen.

Aber naja. Was will man machen. Der November und anfangs auch der Dezember waren echt zäh, dann habe ich aber mehr und mehr wieder auf’s Rad gefunden. Manchmal dauert es, bis man mentale Hürden überwinden kann – da geht es nicht nur mir so: witzigerweise hatten wir das Thema neulich:

Und es ist tatsächlich so: die #allebekloppt’en Ideen kommen. Immer. Früher oder später, aber sie kommen. Ich saß erstmal viel auf dem Rad und machte mir Gedanken. Bis #ZwiftDurchgezockt fehlten mir noch der Masochist und Everesting Badge (und ein paar Level, aber gut). Der erste Motivationskick der vorbei kam war die Festive500 Challenge. Zwischen 24.12. und 31.12. (8 Tage) 500km Rad fahren. Zwift machte einem das wirklich leicht – durch Coco Cadence, die Pacebotin (? :)) auf flacher Strecke, immer in extrem großen Gruppen und damit tip top Drafting war es ohne größere Anstrengung möglich einen fast exakten 40km/h Schnitt in den virtuellen Asphalt zu brennen. Somit war die sportliche Challenge eigentlich recht schnell einer zeitlich/organisatorischen gewichen. Aber gut, auch das lies sich managen: Morgens um 5 aufstehen bin ich ja gewohnt, da niemand in die Schule musste und alle ausschlafen konnten waren da locker 60, eher 80 oder 100km drin. Nachdem parallel Makuri Islands in der Guest World Rotation war ergab sich auch am Nachmittag die Möglichkeit noch die ein oder andere Stunde drauf zu satteln und somit war es kein wirkliches Problem die 12,5h unterzubringen:

Es wurden dann sogar knapp 600km. Warum? Weil ich meinen inneren Monk zufriedenstellen musste und alle Sportarten abrunden wollte 😉

So kann man ein Jahr defintiv beenden! Während der Zeit des Festive500 reifte immer mehr der Gedanke des vEveresting in mir. vEveresting bedeutet: In einer Aktivität die Höhenmeter des Mt. Everest (8848m) absolvieren. „v“ davor, weil das ganze „virtuell“ stattfindet und nicht draußen. Den Gedanken dazu hatte ich schon länger lose. Ursprünglich dachte ich es wäre „praktisch“ das Ganze als Teil der Festive500 zu absolvieren, das ging sich aber nicht wirklich aus. Pandemie hin oder her, die Feiertage sind Familientage. Irgendwann fiel der Entschluss dann relativ kurzfristig auf Neujahr. „Relativ kurzfristig“ bedeutet in diesem Fall: Das Thema um kurz nach 15:00Uhr angesprochen und vor 16 Uhr saß ich auf dem Rad 😉 Das war sogar für mich sehr spontan! Aber ohne groß nachzudenken solche Geschichten anzugehen muss ja nicht das Schlechteste sein! Sollte sich jemand hier her verirren, der/die sich die Dimensionen des Vorhabens nicht so ganz vorstellen kann, der Plan sah so aus:

  • Strecke: Alpe du Zwift (pro Auffahrt 1036HM)
  • Dauer pro Auffahrt: Unklar. Geschätzt 1h 15min (+ dauer Downhill: gute 10 Minuten)
  • Gesamtdauer: 8,5 mal hoch, 9 mal runter (das 9. Mal ist die Fahrt zum Berg): rund 12 Stunden ohne „echte“ Pausen
  • „Horizontal“ sind das dann gut 210km

Soweit zu den Hard Facts. Meine ursprüngliche Idee war später am Abend zu starten und die Nacht durch zu fahren. Am Nachmittag wollte Oli aber auch auf’s Rad und so wurde aus dem „am Abend starten“ um ca. 15:30Uhr spontan beschlossen: hopp hopp, rauf auf’s Rad und los geht’s! Ich fand das direkt eine super Entscheidung, denn:

  • ich hätte lange Begleitung am Anfang
  • ich hätte keinen „Zeitdruck“ in der Nacht
  • ich hätte potentiell kein ganz so großes Schlafdefizit (die vorherige Nacht war ja eh nicht die längste. Silvester, you know! :))

Was natürlich nicht ganz so gut an einem so super spontanen Start ist ist die unmittelbare Vorbereitung. Die sah dann so aus:

  • 0,5l Glas mit ISO befüllen (ich hatte noch nen Beutel tailwind rum stehen von meinem ersten Marathon … ja wirklich! Von vor ein paar Jahren, ich nehme das Zeug so selten!)
  • Karton mit Clifbars bereitstellen
  • Umziehen
  • Strom ans Notebook
  • Zwift an, checken, dass der Trainer auf 100% steht
  • Ventilator an

Das war erstmal alles. Meine Kleidung bestand übrigens aus einer Radhose und den Radschuhen, sonst nix. Nein, gar nix. Keep it simple 😉

Und schwuppdiwupp ging es los. Während der Fahrt zum Fuß des Berges notierte ich mir noch die Zwischenstufen für jede Auffahrt (also wie viele HM ich dann haben würde) und rechnete das auf meine eigentlich angekündigte „TripleZugspitzing“-Challenge um. Everesting kann ja jeder 🙂 (Drei Zugspitzen sind insgesamt 38m höher als ein Everest, also 8886m statt 8848m. Also im Preinzip identisch, aber verratet es niemandem, ok?)

So dann, los geht’s! Zum Pacing hatte ich mir grob Gedanken gemacht: Etwas unter 200W oder umgerechnet so 2,7-2,8W/kg Leistung sollte zu schaffen sein. Ich schnallte mir zusätzlich den Polar OH1 zum messen der Herzfrequenz um den Arm, um eine „Körperkontrolle“ zu haben und strampelte los. Anfangs war es nicht ganz so leicht den richtigen Tritt zu finden, aber ich war auch noch zu abgelenkt. Ich musste neben den oben erwähnten Zwischenzeiten noch mein „virtuelles Event“ klicken. Im Kopf war ich vom ersten Tritt an klar, dass es klappt und hey – da will ich auch eine „Erinnerung“ dran haben 😉

Irgendwann war dann alles fertig eingerichtet, ich im leichtesten Gang bei rund 60rpm im Rhythmus. Ich strampelte vor mich hin, die Herzfrequenz bei 120. Neben mir traten Chrissy und Oli ebenfalls in die Pedale. Im ersten Anstieg hielt ich mal an um vom Tron Bike auf mein Berg-Setup zu wechseln (man nimmt ja jeden Vorteil mit den man bekommen kann) und weiter ging’s. Insgesamt waren noch so 2-3 andere Everester und Basecamper (4424HM) unterwegs, die aber alle irgendwo anders am Berg verstreut fuhren. Der Aufstieg lief sehr fluffig durch, ich aß unterwegs ne Clifbar und nach 74 Minuten war ich am Gipfel. Durch den Zielbogen durch, umdrehen, rein in den Downhill und runter vom Rad.

Getränk auffüllen, in der Pause nochmal etwas trinken. Ich habe mir noch das ISO in den Keller geholt um dort nachfüllen zu können. Außerdem zwei Flaschen Mate. Nach etwas über 10 Minuten war mein Avatar unten, ich wieder im Sattel und los ging’s zu Anstieg Nummer 2!

Same procedure again: knapp 200W, gut 120bpm Herzfrequenz und etwas über 60 Umdrehungen gekurbelt. Wieder ne Clifbar und einen Kraftprotz dazu (Nuss-Frucht-Riegel) rein gedrückt und schwuppdiwupp: wieder oben. 70min diesmal und diese 70min waren ab sofort gesetzt.

In der Pause brutzelte ich mir ne Packung vegan Sticks gemacht – wen man hunger hat soll man essen – und zwei Handtücher geholt… naja, beim letzten Aufstieg werde ich schon alles beisammen haben dacht ich mir 😉 Ich war genau pünktlich wieder am Rad als der Downhill vorüber war und los ging’s mit Anstieg Nummer 3.

Ich war im Flow! Der Kopf war absolut klar, die Laune top, die Werte waren stabil, die Verpflegung lief und das Unterhaltungsprogramm war 1a. Meine Radbegleitung war mittlerweile oben, bei mir lief dafür ‚Dopesick‘ – absolut Schauempfehlung an dieser Stelle – und die Zeit verfolg. Wieder oben, wieder 70min, fast auf die Sekunde genau gleich. Zugspitze Nr 1 war ebenfalls eingetütet 😉

Ich schaute wieder hoch ins Erdgeschoss, sagte den Kiddies gute Nacht, entleerte mich zuerst und füllte mich und mein Getränk wieder auf. Runde 4, ab dafür!

Badge 1: Check!

 

Basecamp nach fast exakt 6h: Check!

Im Prinzip passierte eigentlich gar nicht mehr viel. Langsam stieg die Herzfrequenz ein klein wenig in den 130er Bereich, wenn auch minimal und kontrolliert. Vielleicht hatte ich da ab und zu einfach auch ein paar Watt zu viel. Im Grunde war es aber immer die gleiche Routine: Ich spulte 60rpm, 200W, HR stabil. Runde für Runde. Wie ein Uhrwerk spulte ich Anstieg um Anstieg ab. Immer 70 Minuten (+/- ein paar Sekunden). Rechnet man den Radwechsel im ersten Anstieg raus wahrscheinlich auch da schon. Komplett mental und körperlich ohne den Hauch von Problemen.

Ich trank während der Auffahrt 0,5l Iso, alle 2 Auffahrten 0,5l Mate dazu. Zu Futtern gab es 1 Clifbar + 1 „extra“ (nochmal ne Clifbar oder nen anderen Riegel) und das war’s. In der Pause trank ich zusätzlich 0,5-1 Liter Wasser/Schorle. Ich zog mich nicht um, machte setzte mich nicht hin (außer auf’s Klo wenn ich musste ;)), sondern stand/lief herum. Das war für mich der perfekte Plan. Dazu meine Begleitung am Anfang und am Ende, das Unterhaltungsprogramm mit TV / Podcast / Musik sobald alle im Bett waren, waren denke ich die Schlüssel für den Erfolg. Die frühere Startzeit half mir natürlich auch enorm. Warum ich so gut wie keine körperlichen Probleme hatte verstehe ich immer noch nicht wirklich, anscheinend hat die Versorgung absolut gepasst.

EVERESTED!

 

TRIPLEZUGSPITZED! 🙂

Die einzigen körperlichen Nachwehen waren ein Tag lang „belastete Knie“, aber selbst das hat sich nach dem Tag und einer Nacht später erledigt. Das überrascht mich eigentlich noch mehr als die problemlose Fahrt an sich. Etwas mehr als 24h später hatte ich schon wieder bock die nächste Runde zu drehen und absolvierte den Bambino Fondo 🙂

Mega bescheuert, aber mega geil, dass das so perfekt geklappt hat! Danke an die beste Gang für das Mitmachen dieses Blödsinns, der mir auch noch einen Eintrag in einer (virtuellen, inoffiziellen) Hall of Fame eingebracht hat! 🙂

Zum Abschluss gibt’s noch die Fahrt als kleine Tweetgeschichte:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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