Laser-Run Europameisterschaft

Es gibt so viele Sprichworte die mir einfallen würden… ich lass es sein. Nur so viel: hätte mir irgendjemand irgendwann bis vor ein paar Wochen erzählt ich würde in meinem Leben nochmal an einer Deutschen Meisterschaft teilnehmen, dort eine Medaille gewinnen und kurz darauf zu einer Europameisterschaft fahren, hätte ich die versteckte Kamera gesucht. Tja. Morgen ist es soweit, die Europameisterschaft im Laser-Run steht vor der Tür und ein irgendwann mal da gewesener, lange für unmöglich gehaltener Traum geht doch noch in Erfüllung!

Unser Großer als Deutscher Meister (das muss man als stolzer Papa bei jeder Gelegenheit erwähnen!) ist natürlich ebenfalls dabei! Der erste Dank geht gleich vorneweg schon an Chrissy. Eigentlich wären wir seit gestern schon am Gardasee, aber wir konnten von Freitag-Freitag immerhin auf Samstag-Samstag umbuchen und verlieren so nur eine Nacht.

Auch sonst hat sich „ein bisschen was“ getan:

Nach der DM haben wir eigene Waffen bestellt und letzte Woche erhalten. Wir konnten zwar immer mit Tobis Waffen problemlos trainieren, aber allerspätestens durch die Meisterschaft wird der Laser-Run bei mir ein fester Bestandteil der „sportlichen Zukunft“ und da braucht man schon sein eigenes „Werkzeug“!

Eine Woche ist natürlich knapp um sich an eine neue Waffe zu gewöhnen, aber der Griff passt jetzt an meine Hand (der andere war ein bisschen klein) und sonst ist das Modell fast identisch – die Umgewöhnung fiel also nicht sonderlich schwer. Etwas „aufgemotzt“ haben wir die Teile natürlich auch gleich 🙂

Auch das Rennoutfit hat ein Update bekommen! Nachdem ich zur DM den Aufdruck in weiß hatte ist er diesmal passend zum vorhandenen Aufdruck in „Reflektor-Silber“. Geil, oder?

Nächster Dank an Chrissy! 🙂

Alles perfekt also? Nicht ganz. Beim „Generalprobentraining“ habe ich richtig mies geschossen. Es war echt übel und das schlimme war: ich wusste nicht warum… irgendwann kamen wir drauf: ich schoss daheim meistens später am Abend im Schatten. Das ist tatsächlich um Welten leichter als im strahlenden Sonnenschein! Den heutigen Tag konnte ich zumindest noch nutzen um noch ein paar Serien in der Sonne zu schießen. Das klappte schon deutlich besser und wenn ich mich morgen kontrollieren und konzentrieren kann bin ich ganz guter Dinge, dass es laufen wird.

Immer Training wär halt geil 🙂

Damit wären wir auch schon bei den Zielen: Da ich keinen Plan habe wie die Konkurrenz unterwegs ist – wir sind zu siebt im Rennen – konzentriere ich mich nur auf mich. Will es zumindest 😉 Ok, ich habe drei der sechs Gegner googeln können. Die können (niedrige) 12er Zeiten laufen … das ist bei mir nicht drin, also:

C) ich will alle 4 Schießen zu Ende bringen, d.h. 5 Treffer in 50 Sekunden schaffen. Bei der DM hat das bei einem nicht geklappt.

B) ich unterbiete meine DM Zeit. Mit einem besseren Schießen sollte das gut möglich sein, auch wenn diesmal die Strecke durch einen Park und nicht über eine Laufbahn geht!

A) ich schieße so gut wie im Training (d.h unter 25-30 Sekunden, ein paar unter 20 … meine aller aller beste war bisher 10.1!) und knacke die 13 Minuten. Das wäre der Hammer, aber da muss absolut alles passen!

So, jetzt wird noch entspannt, das Auto ist fast gepackt, weil direkt von der EM geht es ab an den Gardasee! Die EM kann kommen. Geil!!

 

Raceday! EM-Day!!

 

Unser Reisemobil war ja schon so gut wie fertig gepackt. Am Morgen kamen noch unsere Sporttaschen samt Waffen und die „Futterkiste“ für die Fahrt nach Italien rein und wir waren startklar! Weiden ist fast „ums Eck“, trotzdem hatten wir etwas Puffer eingeplant um nicht in Hektik zu geraten. Wir kamen mehr als pünktlich los, rutschten entspannt über die leeren Autobahnen nach Osten und waren am Ende wie gewünscht eine gute Stunde vor dem ersten Lauf – bei dem K1 gleich ran musste – vor Ort. Auf unserer Fahrt durch Weiden sahen wir schon die ersten TeilnehmerInnen aus Großbritannien – internationaler Flair herrscht auch direkt bei einer hierzulande mehr als jungen „Randsportart“ – Europameisterschaft ist halt Europameisterschaft! Das Veranstaltungsgelände ist in einem Park in Weiden aufgebaut. Mich hat es anfangs noch gewundert, dass man nicht den direkt angrenzenden Sportplatz samt 400m Bahn nutzt, sondern die Laufrunde etwas verwinkelt durch den Park legt, aber im Nachhinein bin ich aufgrund der Hitze am Tag ganz schön froh darüber, dass die Laufstrecke komplett im Schatten war.

Wir mussten von unserem Parkplatz ein paar Meter quer durch die Altstadt laufen und schon waren wir am Park angekommen. Die Wettkampfstätte war richtig schön aufgebaut, mit Pflanzen, rotem Teppich als Zielgerate und sogar einer mobilen Tribüne, die aber niemand nutzte, weil sie komplett in der Sonne stand:

Zielbogen

Zielgerade, Tribüne (noch im Schatten), Zuschauerplätze (später mit Sonnenschirmen)

 

Bühne für die Siegerehrung, während der Wettkämpfe von den Zuschauern genutzt für einen guten Blick auf die Schießstände

 

Schießstand. 20 Bahnen + 2 Reserve

Als wir ankamen schnappten wir uns erstmal unsere Startunterlagen. Neben der Nummer gab es einen Transponder zur Zeitmessung. Dieser wurde um den Knöchel geschnallt, das zugehörige, wiederverwendbare „EM-Band“ durfte jeder mitnehmen. Außerdem waren noch zwei Getränkegutscheine, ein Essensgutschein und ein Gutschein für ein Eis im Ort dabei. Super übersichtlich, aber genau alles drin was man braucht – kein „Glump“ das eh nur im Müll landet – super! Eine Besonderheit der Startnummer war übrigens, dass neben dem Namen noch die Länderkennung und vor allem die Nummer des Schießstandes aufgedruckt ist. Das ist natürlich eine elementare Information, die man eventuell im Eifer des Gefechts vor dem Wettkampf vergessen könnte… Sobald die Waffe mal am Schießstand liegt ist es egal, dann findet man seinen Platz, aber vorher ist das sehr nützlich für den stressfreien Ablauf. Die Startaufstellung war später übrigens auch in der Reihenfolge des Schießstandes.

 

Nachdem wir also alles hatten was wir brauchten machten wir uns nicht direkt auf zur Eisdiele, sondern fertig für den Start von K1 🙂 Nummer ran an den jungen Mann, Schuhwerk und T-Shirt wechseln, das war’s auch schon! Das Design hat er sich übrigens selbst so gewünscht!

Danach ging es dann mehr oder weniger direkt für ihn zum Schießstand, damit er sich schon mal etwas vertraut machen konnte. Auf den Bildern ist es nicht ganz so gut zu erkennen, aber die Tische standen bei der 3m Schussdistanz an einem kleinen Hügel, also schräg, was ich durchaus gewöhnungsbedürftig fand, ihm aber nicht wirklich viel ausgemacht hat. Nach ein paar guten Serien war er soweit durch mit dem Einschießen und wir fieberten alle dem Start entgegen. Wir gingen alle zusammen nochmal die Laufstrecke ab – auch hier finde ich es immer gut, wenn man schon mal weiß womit man es so zu tun hat – auch wenn er nicht so Lust darauf hatte – und nahmen dann noch am „Technical Meeting“ teil – also einer kurzen Erklärung, wie alles abläuft… worauf er auch nicht allzu große Lust hatte ;). Dabei gingen wir zusammen nochmal die Laufstrecke ab und unterhielten uns kurz mit Pierre Jander, dem Organisator der ganzen Veranstaltung. Er wünschte uns viel Glück und meinte ich soll Gas geben um unter die besten drei Deutschen zu kommen um micht für die Staffel zu qualifizieren. Das habe ich in dem Moment nicht kapiert – aber später dazu mehr! Das Technical Meeting dauerte etwas länger als ursprünglich geplant, sodass wir erst damit fertig waren, als eigentlich schon das „offizielle Prozedere“ in vollem Gang gewesen wäre. 10-15min vor jedem Start mussten alle TeilnehmerInnen am Eingang zum Schießstand zusammen kommen – „Anwesenheitskontrolle“. Dann ging es zum gemeinsamen Einschießen vor dem Start und dann in die Startaufstellung. Bei den Kleinen – neben der U9 weiblich/männlich war im gleichen Lauf auch die U11 weiblich/männlich am Start war das nicht so wild und auch knapp 10 Minuten ausreichend Zeit zur Vorbereitung. Ich war draußen wahrscheinlich aufgeregter wie später vor meinem eigenen Start, der Große dagegen ganz cool. Oder innerlich aufgeregt wie Sau, hat es sich nach Außen aber nicht anmerken lassen 🙂 Er schoss also noch ein paar mal auf die Scheibe, alles klappte prima und wir schickten ihn dann in den Schatten, denn auch am Morgen war die Sonne schon zu spüren. Wir beobachteten noch die wahnsinnig stark schießenden britischen Jungs auf Bahn 1 und 2, die seine direkten Konkurrenten waren bis es dann schlussendlich zum Start ging.

Die Countdownmusik lief, das angekündigte „on your marks – set“ fiel aus und es machte direkt „tröööt“ – ab ging die wilde Fahrt! Der Start war 5 Meter vor Bahn 20, K1 musste aber einmal den kompletten Schießstand abrennen bis er bei seiner Bahn war. Egal, sein Schießen lief fantastisch, nach nur rund 14 Sekunden war er fertig:

…aber es war so abgefahren, was die anderen alle(!) schossen. Er war trotz dieser bombastischen Zeit einer der letzten, der den Schießstand verlassen hat. Klar, er hat auch später begonnen, weil er länger hin rennen musste, trotzdem war das wahnsinn. Er hatte also 10 Sekunden Rückstand auf Platz 1, ein paar Sekunden auf Platz 2 und verschwand im Park. Ich brüllte ihm noch Anfeuerungsrufe nach und für uns begann das große Warten. Nach der Laufrunde waren die drei wieder relativ gleich auf, aber es bot sich ein ähnliches Bild wie im ersten Durchgang „tak, tak, tak, tak, tak“ – wie eine Maschine haute der Kleine auf Bahn eins sein fünf Treffer in exakt 5 Sekunden ins Ziel. Unfassbar. Der Junge auf Bahn 2 verbesserte sich auch nochmal auf 9 Sekunden, K1 schoss auch wieder starke 15, hatte aber trotzdem erneut 10 Rückstand… also hieß es für uns nochmal alles raus hauen beim Anfeuern und für ihn beim Laufen.

Er war richtig gut unterwegs, kam als zweiter aus dem Park raus – nochmal vorbei am Schießstand und ab ins Ziel! Vizeeuropameister!! Dabei hat er seine Zeit im Vergleich zur Deutschen Meisterschaft sogar nochmal um 15 Sekunden verbessert. Nach ganz vorne fehlten ihm 10 Sekunden, aber diese Schießleistung war schon enorm gut und es war schon krass, dass er einem der beiden auf den 800m die 15 Sekunden abgenommen hat. Kurzzeitig enttäuscht war er dennoch, da er dachte, er hätte den ersten auch überholt, das war aber anscheinend ein Starter der U11. Egal, er war nicht lange und auch nicht wirklich gefrustet, weil auch er wusste, dass der andere einfach richtig gut war! VIZEEUROPAMEISTER!! 🙂

 

Zieleinlauf

 

Überall BritInnen 😉

 

 

Für uns wurde es dann erstmal etwas entspannter, aber das „Team TSV Katzwang“ hatte ja noch ein paar AthletInnen am Start!

Team TSV Katzwang

In der Folge waren nacheinander alle TSV’ler an der Reihe. Es lief zwar für alle persönlich eigentlich gut, aber auch hier schoss die Konkurrenz so unfassbar stark, dass sogar trotz eigener verhältnismäßig guter Schießleistungen leider einfach nichts zu holen war. Auch wenn es auf der Ergebnisliste vielleicht nicht so aussieht: die eigenen Leistungen waren von allen klasse, die Konkurrenz aber einfach richtig, richtig gut! Man merkte, dass in anderen Nationen der Laser-Run schon ein paar Jahre und nicht erst wie bei uns in Katzwang ein paar Wochen gemacht wird. Aber es ist bei jedem Individualwettkampf gleich: man darf eigentlich nur auf sich schauen und sehen, wie man sich selbst entwickelt – was die Konkurrenz macht kann man nicht beeinflussen. Alle drei (vier) haben sich seit der DM super entwickelt und richtig gut abgeliefert – Jahre Trainingsrückstand im Vergleich zu den anderen merkt man dann aber einfach.

 

Nun war es also langsam soweit. Ich war als nächstes dran. Wir waren 7 Starter in meinem Wettbewerb, dazu kamen noch die Junioren und die U19, die mit mir starteten, mich aber absolut nicht interessierten. Sorry 😉 Ich hatte mit Chrissy ausgemacht, dass sie sich am Ende des Schießstands hin stellt um mir meine Position nach einer Laufrunde zuzurufen. Vor dem „Check-In“ war schon etwas Zeit mit der Waffe an den Schießstand zu gehen, sich etwas einzurichten und die ersten Schüsse abzugeben. Irgendwie hatte ich hier von Anfang an schon einen Drang nach oben. Gut, dass die Ziele im Schatten lagen, so konnte ich erkennen wohin ich daneben geschossen habe – ob es was hilft? Ich denke schon, zumindest beim Einschießen.

„inoffizielles“ Einschießen

Danach ging es mit allen anderen zur Anmeldung und zum offiziellen Einschießen. Die Jungs auf den Bahnen neben mir, Richie Gottschalk rechts und Martin Weinfurter links, waren enorm locker und machten einige Späßchen. Auch ich war bei weitem nicht so aufgeregt wie beim Start vom Junior am Morgen, aber natürlich schon angespannt.

„offizielles“ Einschießen

Bei dem Warmup konnte ich noch ein paar mal den „Einlauf“ zum Schießstand ausprobieren. Das war nicht ganz so leicht, da es ein klein wenig auf der Wiese den Hang abwärts ging und der Boden ein paar Mulden hatte – also aufpassen, die Kurve eng nehmen, da gleich danach der Schießstand war. Ich war am Vorletzten, bzw. anders betrachtet am zweiten von der Laufstrecke und dem Start kommend. Kurz darauf war es dann auch soweit zu eben jenem zu gehen und sich in die Reihe einzusortieren. Ich musste etwas „komisch“ anlaufen, da die Tische jetzt natürlich weit weg von den Zielen standen, aber ok, der Platz ist halt begrenzt, irgendwo müssen alle hin und im Endeffekt ist es für uns Senioren, die alle auf den hinteren Schießständen stehen mehr oder weniger gleich. Vor Ort hatte ich bisher nur meine Nebenmänner wirklich beachtet. Im Vorfeld hatte ich ja versucht schon mal meine Gegner zu googeln und aufgrund der gefundenen Ergebnisse der Konkurrenz rechnete ich mir nicht viele Chancen aus. Vielleicht war auch das ein Grund für die kaum vorhandene Aufregung. Ich wollte mich auf mich fokussieren, der Rest ergibt sich dann – leichter gesagt als getan, aber das war der Plan.

Ich sammelte mich nochmal, richtete dann meinen Blick auf den Sprecher (der übrigens den ganzen Tag einen fantastischen Job machte und wunderbar auf deutsch und englisch durch den Tag führte!), da er das eigentliche Startkommando für die Tröte gab und los ging’s! Ich gab diesmal mehr Gas zum Schießstand als bei der DM und schoss nach wenigen Sekunden los. Es lief leider nicht so wirklich gut, ich stand weit über 30 Sekunden, aber noch schlechter erging es Richie neben mir. Seine Waffe war irgendwie aus gegangen und er stand mehr oder weniger die komplette Zeit, da sein Schüsse nicht auslösten. Leider bekam ich das neben dran ziemlich mit – ich war nicht 100% auf mein Schießen fokussiert. Martin auf den anderen Seite hatte auch seine Probleme, kam aber glaube ich kurz vor mir weg – jedenfalls war der Schießstand schon ziemlich leer als ich raus kam. Egal, die jüngeren interessieren mich ja eh nicht, auf geht’s auf die Laufstrecke!

Hier war ordentlich was los, ich konnte ein gutes Tempo anlegen und ein paar Plätze gut machen. Ob in meinem Wettkampf oder andere? Keine Ahnung 🙂 Nach der ersten Runde rief mir Chrissy Platz fünf zu. Ui. Innerlich hatte ich mit Platz 4 spekuliert, war wohl nix. Ich schloss zu weiteren Läufern auf, wieder ohne Idee, ob sie meine Altersklasse waren oder nicht und hielt mich hinter ihnen. Überholen war immer etwas heikel, gerade auf der zweiten Streckenhälfte, da sie doch ziemlich eng und verwinkelt war, außerdem fand ich es auf den letzten paar 100m zum Schießstand ganz ok minimal das Tempo raus zu nehmen.

Ich habe im Rückblick keine Ahnung mehr ob ich direkt mit anderen am Schießstand war oder dazu kam/andere dazu kamen. Das zweite Schießen lief deutlich besser als das Erste und ich war nach unter 30 Sekunden fertig. Ich hoffe es gibt später noch irgendwo „offizielle“ Zeiten mit Auflistung der Schussergebnisse um meine Erinnerung mit der Realität abgleichen zu können :). Ich machte mich auf die zweite Laufrunde und es lief weiterhin sehr gut. Ich konnte mit meinem direkten Umfeld gut mithalten und nach vorne immer aufschließen. Bei diesem Durchgang war ich auf Platz vier, hatte vor mir Benni Hierl von den Junioren im Blick und als Orientierung. Außerdem wurde ich erstmals auf einen Läufer im weißen Shirt aufmerksam, dem an der Strecke viel französisch zugerufen wurde. Ob es Geoffrey Delusier war wusste ich nicht, dafür war die Schrift auf seinem Shirt zu klein und ich zu weit weg, aber es baute mich auf jeden Fall auf, dass ich eventuell Platz 3 in direkter „Schlagdistanz“ hatte.

Das Dritte Schießen war nochmal besser als das zweite. Ich ging am Ende mit einer niedrigen 20er Zeit raus (22,x?) und war sehr optimistisch nochmal einen Platz gut gemacht zu haben. Allerdings lief ein Stück vor mir immer noch ein weißes Shirt. Das gleiche? Ein anderes? Keine Ahnung. Chrissy rief mir wieder Platz 4 zu, ich kam dem Kollegem aus Monaco aber immer näher und schloss auf der Runde zu ihm auf. Ich konnte nun lesen, dass es Geoffrey Delusier war. Gegen Ende zog ich dann an ihm vorbei, da ich das Gefühl hatte, dass er schon kämpfen musste und ich etwas Druck aufbauen wollte. Allerdings hatte ich auch keine Ahnung ob ihm klar war, dass ich in seinem Lauf bin – schließlich war ich ja als deutscher Athlet in neongelber Tarnkleidung unterwegs 😉

Am Schießstand angekommen waren die ersten beiden schon da, der erstplazierte Ungar Gabor Brazda aber schon fast fertig. Der Zweitplazierte Christian Götz – während des Rennens wusste ich das nicht – hatte einen oder zwei Treffer als ich ankam. Also ging ich am Anfang Risiko. Einmal um eventuell noch die Möglichkeit zu haben Boden nach vorne gut zu machen, andererseits um Druck nach hinten aufzubauen. Leider ging das (natürlich!) schief. So gut/stabil bin ich einfach noch nicht um bewusst schneller zu Schießen. Was allerdins zum Glück geklappt hat war die Selbstkontrolle. Ich konnte mich kurz zusammenreißen, neu fokussieren und das Schießen zwar in über 30 Sekunden, aber dennoch halbwegs ordentlich abschließen ohne mir das komplette Rennen zu zerschießen.

Ich ging also mit Rückstand zu Platz zwei raus, aber zeitgleich mit Geoffrey Delusier auf Platz 3/4. Das war mir sofort nach dem Schießen klar und mir war auch sofort klar, dass ich nicht groß herum taktieren werde, sondern direkt angreife. Das tat ich auch, nach dem Schießstand ging ich direkt an ihm vorbei und zog das Tempo so gut es noch ging an. Ich blickte mich nicht um, zog mein Ding durch. Nach der ersten Runde bekam ich die Bestätigung von Chrissy, dass ich Dritter bin. Weiter geht’s, nicht nachgeben. Ich war mir auf den letzten 400m meiner Sache ziemlich sicher, da ich bisher immer die französisch sprechenden Begleitungen (es waren glaube ich drei an verschiedenen Stellen auf der Strecke) gehört habe, nur jetzt nicht mehr. Auch nicht leise, als ich schon etwas weg war! Ich blickte mich das erste mal am hinteren Wendepunkt kurz um und sah: niemanden. Weit und breit niemand! Darauf verlassen wollte ich mich natürlich nicht, also hielt ich das Tempo weiter oben, bog um die letzten Kurven im Park und nochmal die Rampe runter zum Schießstand. Dran vorbei, rauf auf den roten Teppich, nochmal alles raus hauen und rein ins Ziel. Drin! Dritter!! Bronze bei der EM!!! Ich war total platt, musste mich erstmal hin legen und mir die Mütze ins Gesicht ziehen. Wie geil!

 

Ich hatte wie oben erwähnt vorher absolut nicht damit gerechnet hier irgendwas mitnehmen zu können und meine Zeit war auch schlechter als bei der Deutschen Meisterschaft. Aber das alles ist egal, es zählt nur der Wettkampf und wenn die Konkurrenz auch einen schlechten Tag (oder Pech wie Richie) hat reicht einem auch ein nicht ganz optimales Ergebnis! Ganz einordnen kann ich meine eigene Leistung noch nicht. Läuferisch fand ich sie richtig, richtig gut, das Schießen war sehr wechselhaft, unterm Strich aber nicht wirklich schlechter als bei der Deutschen. Warum die Zeit am Ende ein gutes Eck schlechter ist: keine Ahnung, aber ist mir im Moment auch total egal 😉 [Die Aktivität bei runalyze]

 

Nun war für uns erstmal das große Warten angesagt. Wir gingen mit den Kids zum Spielplatz, schauten den restlichen Wettkämpfen zu – es kamen noch diversen Altersklassenläufe und am Ende noch die Offenen Wettkämpfe und warteten auf die Siegerehrungen. Ganz entspannt den anderen zuzusehen ist echt gut, Laser-Run ist auch für die Zuschauer ein sehr spannender und interessanter Sport, da immer Action ist und sich was tut, auch wenn man gerne mal den Überblick verliert, gerade wenn mehrere Altersklassen parallel unterwegs sind.

Nach einiger Zeit war es dann soweit: Siegerehrungen! Jede Altersklasse wurde einzeln auf’s Podium geführt, um die Zeit etwas zu verkürzen Frauen und Männer zusammen. K1 war dabei als Starter der jüngsten Altersklasse natürlich gleich als erster dran, ich musste noch etwas warten, durfte dann aber auch auf das Podest 🙂

 

Immer noch unfassbar.

Nachdem wir alle Siegerehrungen angesehen hatten machten wir uns auf den Weg zum Auto. Fast. Als wir schon fast vom Gelände weg waren hörten wir den Sprecher noch sagen: „Bitte noch nicht gehen, es folgen noch die Siegerehrungen für die Nationenwertung!“ Und da klickerte es in meinem Kopf. Die „Qualifikation für die Staffel“ die ich beim Technical Meeting nicht kapiert habe war das „Ticket“ zur Nationenwertung. Da in meinem Lauf bis auf einen Ungarn und einen Monegassen nur Deutsche am Start waren, war ein Platz unter den besten drei Deutschen gleichbedeutend mit der Goldmedaille in der Mannschaftswertung! Also musste die Abfahrt noch ein wenig warten und ich stellte mich nochmal zu den Siegerehrungen, wartete auf unseren Aufruf und freute mich völlig unverhofft noch über eine Goldmedaille! Der Familienmedaillensatz war also komplett und bestens gelaunt ging es mit etwas Verzögerung auf nach Italien!

Das Eis hatten wir in der Aufregung des Tages irgendwie komplett vergessen 🙂 Egal. Der Traum geht weiter. Nach der Europameisterschaft folgt die Weltmeisterschaft. Die besten 6 der deutschen Laser-Run Rangliste sind startberechtigt wenn sie wollen. Vor der Europameisterschaft war ich Sechster, jetzt stehe ich auf Platz drei. Die Weltmeisterschaft ist am 7.9.2019 in Budapest und wir sind dabei! Verrückt!!

 

Nachtrag:

Wir kamen mitten in der Nacht – also wörtlich zu verstehen: um Mitternacht – am Gardasee an und entdeckten am nächsten Morgen, dass unsere Freunde mit denen wir den Urlaub verbrachten eine kleine Grußbotschaft zur Begrüßeng an unserer Unterkunft hinterlassen hatten 😉

Nachtrag 2:

Bei „Oberpfalz TV“ ist ein kurzer Bericht zur Europameisterschaft, ungefähr bei Sekunde 20 bin ich sogar kurz im Bild 🙂

Nachtrag 3:

Der Bericht beim Deutschen Verband für Modernen Fünfkampf

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