Laser-Run Weltmeisterschaft 2022: Lissabon

Prolog

Wie fängt man eine Geschichte an, die alles, was man bisher erlebt habt nochmal toppt? Ich weiß es nicht wirklich und ich weiß auch nicht, ob ich das so in einem Text transportiert bekomme, wie es sich angefühlt hat. Ich glaube nicht. Aber ich starte einfach mal wie immer: gang ganz ganz am Anfang. Diesmal liegt dieser Anfang mehrere Monate zurück. Eigentlich wollten wir ja gar nicht zur Weltmeisterschaft im Laser-Run fahren. Unsere ursprüngliche Idee bestand darin in den Sommerferien nach Athen zu fliegen und an der Europameisterschaft im Laser-Run, Biathle und Triathle teilzunehmen. Die Unterkunft war bereits gebucht, aber zufällig haben wir beim Laser-Run in Schwabach mitbekommen, dass der Termin in den Oktober verschoben wurde. Ja geil. Zum Glück kann man kostenlos stornieren, zum Glück war der Flug noch nicht gebucht – also erstmal kein internationaler Wettkampf 2022. Die WM in Lissabon schwebte als „Ersatz“ erst lose im Kopf, wurde aber schnell immer konkreter, vor Allem, als auch Freunde im Verein mitfahren wollten. Also wurde nicht lange gefackelt – der Startwunsch wurde hinterlegt, Unterkünfte gebucht und als sich der Gedanke noch weiter verfestigte sollten die Flüge dran kommen. 

Aber Moment! Einen kleinen, nicht ganz unwesentlichen Haken gab es noch zu klären: die Geschichte mit der Schulpflicht! Ende September sind auch in Bayern keine Ferien mehr, dann drei Schulkinder und eine Lehrerin in der Familie müssen erst mal schauen, wie sie das geregelt bekommen. Bei den Großen war das relativ einfach: da sich beide selbst zur Teilnahme qualifiziert hatten war das kein Problem: als Teilnehmer:In einer Weltmeisterschaft wirst du problemlos vom Unterricht freigestellt. Bei Chrissy war es halb problematisch: Durch den im August gemachten Trainerschein im Modernen Fünfkampf war sie einfach Teil des Staff – das konnte ich so festlegen, gleich mehr dazu 😉 – und somit hatte sie gute Argumente auf ihrer Seite. Blieb noch die Jüngste der Familie. Als dann Erstklasskind und nicht aktiv am Wettkampfgeschehen teilnehmend war das der „kritischste“ Fall von allen, aber da man sich ja mittlerweile an der Schule kennt und miteinander reden kann gab es auch hier am Ende keine Probleme. Also Tickets gebucht, das Training kann beginnen!

Als sich die Teilnahme an sich immer mehr abzeichnete und relativ sicher war kam – auss welchem Grund auch immer – der DVMF auf mich zu mit der Bitte die Rolle des „Delegationsleiters“ / „Head of Delegation“ oder, was mir ja am allerbesten gefällt: „Chef de Mission“ für das Deutsche Team zu übernehmen. Mir war nicht wirklich klar was das genau bedeutete, aber nach etwas Überlegen sagte ich zu und nahm den „Job“ an. Man kann rückblickend wirklich von Job sprechen, denn es gab einiges zu organisieren und planen. Im Prinzip waren es alles Dinge, die ich für mich selbst eh hätte machen und in Erfahrung bringen müssen – erweitert wurde es in der Vorbereitung dann aber um die Kommunikation mit den anderen Athlet:Innen der wachsenden Gruppe, sowie vor Allem der Dokumentenübermittlung zwischen den Aktiven und dem Deutschem Verband. Vielleicht kann man das zukünftig irgendwie eleganter lösen (Ein „Athlet:Innenportal“ in das alle selbst ihre Daten Einpflegen können würde die Massen an E-Mails zum Beispiel schon deutlich reduzieren!), aber einiges an Arbeit habe ich mir (gerne!) auch selbst gemacht. Ich hatte ja oben erwähnt, dass ich Unterkünfte gebucht hatte – die habe ich zum Beispiel weitergegeben, da wir nicht alle brauchten und sich andere so die Suche ersparen konnten. Die erfragten Informationen habe ich weiter verteilt, das war auch kein Stress, aber ein Punkt war noch blöd: die Frage zu klären wer denn eigentlich starten darf und wer nicht? Laut Reglement des DVMF (also hausgemacht) sind es alle, die in der nationalen Laser-Run Rangliste unter den Top 6 der Altersklasse zu finden sind und zusätzlich mindestens zwei Ranglistenwettkämpfe absolviert haben. Letzteres war aufgrund der doch recht geringen Anzahl an Wettkämpfen ein Problem. Doppelt doof war das für mich in meiner Rolle zwischen den Stühlen: Einerseits muss ich die Regeln beachten, andererseits will ich natürlich möglichst viele Leute mitnehmen. Mehr Team = mehr Medaillenchancen 😉

Im Großen und Ganzen machte die Orga aber schon auch Spaß. Wirklich stressig wurde es eigentlich nur, weil sich unser Sommerurlaub mit dem Meldeschluss überschnitten hat. Das hieß ein bisschen Mails schreiben aus den österreichischen Bergen. Denn am Ende war es einfach viel Kommunikation mit dem Verband und den jeweiligen Sportler:Innen. Wir fanden letztendlich für alle eine Lösung und wir meldeten 24 Athlet:Innen, 7 davon aus Katzwang. Hatte ich schon erzählt, dass man als Chef de Mission für die Bezahlung der Meldegelder verantwortlich ist? Nein? Dann passt mal auf! 😉 Also grundsätzlich meldet ja der Verband die eigenen Sportler:Innen an und bekommt dann eine Rechnung. Da wir hier im totalen Breitensport mit absolut 0 – in Worten: Null! – Förderung für die Teilnehmenden sind (da komme ich auch gleich nochmal drauf zurück) müssen alle ihr Startgeld selbst bezahlen. Bisher wurde das wohl tatsächlich immer durch den Delegationsleiter vor Ort in bar gemacht. Krass oder? Das war mir allerdings deutlich zu blöd und ich konnte immerhin überweisen. Es hieß aber trotzdem: Kohle einsammeln. 24 Leute à 35€, bzw 60€, wenn sie auch in der Staffel am Start waren… da kommt ein Sümmchen zusammen, dass man nicht unbedingt vorher auslegen will. Aber ein großes Lob auch hier an alle (falls sich jemand hierher verirrt :)): Ich hatte nur noch eine knappe handvoll Meldegelder offen zu dem Zeitpunkt als ich die Rechnung begleichen musste. Das lief echt alles top, da macht es einem auch Spaß die Dinge zu organisieren!

Jetzt aber nochmal zurück zur Förderung, denn es passt auch hier recht gut: es ist schön, dass der Verband Vorgaben zur einheitlichen Teamkleidung macht. Es schaut nach außen einfach gut aus, wenn alle einheitlich auftreten. Nicht umsonst treten alle Mannschaften im Sport einheitlich auf! Problematisch finde ich es aber, dass alle die kompletten Kosten für die Kleidung, sowie das Startgeld selbst tragen müssen. Auch wenn es die „Breitensportabteilung“ des DVMF ist: ich kann mir ehrlich nicht vorstellen, dass man in irgend einem anderen Sport die Wettkampf-/ Präsentationskleidung und die Startgebühr für eine Weltmeisterschaft(!) komplett selbst tragen muss. Nur um es mal transparent zu machen: Wettkampfshirt: 25€, Präsentationsshirt: 40€, Präsentationsjacke*: 60€, Startgeld: 65€. In meinem Fall: für drei Personen, Präsentationskleidung für vier. Dazu kommen ja noch x weitere „Nebenkosten“ die man eh trägt, einfach weil es dazu gehört.

*Die Jacke habe ich nicht „verpflichtend“ weiter kommuniziert. In Portugal ist es warm, da reicht ein Shirt 😉

Ich will damit einfach sagen: so eine Weltmeisterschaft ist ein teurer Spaß. Wir sind in der absolut luxuriösen Situation, das „einfach mal so“ machen zu können. Aber es kann eigentlich nicht sein, dass der Geldbeutel entscheidet, wer teilnehmen kann und wer nicht. Gerade so „Kleinigkeiten“ wie das Team-Outfit und die Startgelder sind in Summe natürlich auch € die der Verband erstmal ausgeben muss, aber es ist andererseits auch eine Wertschätzung gegenüber den Teilnehmer:Innen, die den Verband gegenüber der Welt repräsentieren!

Noch dazu, dass bei „falschem“ Wettkampfoutfit Zeitstrafen drohten. Dass der Shop über den die Sachen bezogen werden mussten noch ewige Lieferzeiten hatte und bei einigen nicht rechtzeitig liefern konnte ist nochmal eine andere Geschichte…

Eine letzte Aufgabe als Delegationsleiter will ich nicht unerwähnt lassen, bevor es langsam etwas konkreter wird 😉 Eine nicht ganz unwesentliche Aufgabe ist wie oben schon erwähnt das Melden der Teilnehmer:Innen. Das hört sich im ersten Moment relativ „simpel“ an, kann aber wichtig werden, wenn es um das Thema „Teamwertung“ und „Staffel“ geht. Die Teamwertung im Laser-Run sieht so aus: die jeweils drei Schnellsten einer Nation einer Altersklasse bilden eine Gesamtzeit. Daraus ergibt sich eine Reihenfolge und die ersten drei bekommen eine Medaille. Je Land kann nur ein Team eine Medaille holen, auch wenn mehrere rein rechnerisch auf’s Treppchen kommen könnten. Beim Thema Staffeln sieht es so aus, dass das Reglement mittlerweile zwar gleichgeschlechtliche Staffeln vorsieht, diese waren aber bei der WM nicht ausgeschrieben. Es gab „nur“ wie üblich „Mixed-Staffeln“. In der Praxis startet die Athletin, absolviert die halbe Staffeldistanz, dann wird gewechselt. Anzumerken ist hier noch, dass man bis einschließlich Junioren maximal eine Altersklasse nach oben darf, bzw. bei den Masters eine nach unten. Also jeweils in die „nächst schwerere“ wechseln. Bitte merken Sie sich auch diesen Sachverhalt, wir kommen später darauf zurück. Dieses Thema ist Prüfungsrelevant! 😉 Das war jetzt sehr sehr viel Theorie. In der Praxis sah es so aus, dass ich eine Athletin von der U19 zu den Juniorinnen hoch gemeldet habe um dort ein Team zu bekommen. Ich wollte außerdem einen der U15 Jungs mit ihr Staffel starten lassen, was verboten wurde, weil „Altersklasse übersprungen“. Ich habe es dann drauf ankommen lassen und sie – eigentlich U19 Athletin – mit einem Senior in der Staffel gemeldet, da wir weder U17/U19 noch Junioren am Start hatten. Das ging komischerweise – ich denke, es fiel niemandem auf, da sie im Einzel als Juniorin startete. Oder es ist so dann doch von den Regeln gedeckt… Alles andere ging soweit auf. Das einzige was ich bei der Staffeleinteilung berücksichtigt habe: Es wurde nach Leistung zugeteilt. Das war die Verbandsvorgabe und passte mit den an mich herangetragenen Wünschen überein. Ich weiß jetzt ehrlich gesagt nicht wie ich entschieden hätte, hätte es nicht gepasst. Natürlich will ich auch als „Chef de Mission“ ein möglichst gutes Resultat haben. Andererseits ist das hier das Privatvergnügen der Sportler:Innen, die komplett alles auf eigene Kosten absolvieren. Dann sollten sie auch entscheiden dürfen wie / mit wem sie starten wollen. Aber naja. Zum Glück musste ich in der Beziehung nichts entscheiden 🙂 

Jetzt aber endlich mal zum Sportlichen! Zumindest so halbwegs – denn los geht’s mit der Vorbereitung. Parallel zur Organisation des ganzen Trips sollte natürlich am Ende auch persönlich eine halbwegs zufriedenstellende Leistung stehen! Mein Plan war relativ simpel: Viel Zeit war eigentlich nicht mehr (10 Wochen ca., davon 2 im Sommerurlaub), also wird wettkampfnah trainiert! Heißt: 2-3 mal / Woche: Intervalle, 3-5 KM Tempoblöcke, „Laser-Run“-Intervalle. Herumgebummelt – also Grundlagenzeug – wird am Rad gemacht. Die Einheiten waren läuferisch allesamt ziemlich top. Bei den Laser-Run Intervallen hatte ich so meine Probleme mit dem Schießen, aber auch das war im großen und ganzen ok! 

Das klappte also alles ziemlich gut! Nach dem Sommerurlaub und vor Beginn der Schule trafen wir uns noch ein paar mal mit den anderen, die mit nach Lissabon fahren würden um am Sportplatz zusammen zu trainieren. Nichts simuliert besser den Wettkampf, als wenn jemand neben dir schießt! Zwar auch nicht perfekt, da ja kein Druck da ist, aber wenn die Jungs & Mädels aus U11 und U13 neben dir stehen und alles von der Scheibe ballern stehst du auch hier da und bist letzter am Schießstand. Das will man nicht! 😉

Auch Teil der Vorbereitung sollte der Laser-Run in Bensheim sein. Zum einen um weitere Teammitglieder zu treffen, zum anderen um nochmal unter Wettkampfbedingungen zu „üben“. Der Konjunktiv im vorherigen Satz verrät es schon: wir waren nicht in Bensheim. Wir wären alle komplett alleine in unserer Altersklasse am Start gestanden, die beiden Mädels gegeneinander in einem Lauf. Da sparten wir uns die rund 250km nach Hessen. Noch dazu war das Wetter ziemlich beschissen an dem Wochenende. Also kein Vorbereitungs-Laser-Run mehr, dafür ein Vorbereitungslauf. Der Bericht ist ja schon zu lesen: Der Tiergartenlauf Nürnberg war eine völlig Laser-Run unspezifische Vorbereitung eine Woche vor Lissabon. Es war kalt, es schüttete kurz vor Start, es hatte Höhenmeter, die Strecke war doppelt so lange. Aber es war halt der Tiergartenlauf, ich hatte Bock, es war sau anstrengen (das einzige, was wettkampfnah war ;)) und ich wurde Dritter. Ein voller Erfolg also! 😀

Tier-Mensch-Kommunikation….? 😉

In der folgenden Woche hieß es dann: Koffer packen! Warum auch immer hatte ich drei Koffer zu unseren Flügen gebucht. Das war am Ende nicht nötig, aber doch gut, da Mitreisende irgendwie gar keinen Koffer gebucht hatten. Läuft 😉 Wir hatten einen „Kleidungskoffer“, einen „Pistolenkoffer“ und fünf Rucksäcke mit Wettkampfkleidung, Laufschuhen und „Gedöns“ dabei. Es war angerichtet und es hieß nur noch: Schule, Arbeit und dann Abfahrt Richtung München zum Flughafen! Unser Flug ging erst um 20 Uhr, wir fuhren aber um 15 Uhr zu Hause weg. Man weiß ja nie was auf der Autobahn oder so los ist und naja. Das erste mal Laser-Pistolen ins Flugzeug…wer weiß was da so passiert! Philipp hatte am Vormittag schon Stress beim Check-In.

Oh Boy und wie recht wir hatten! Auf der Autobahn war alles ok, wir steuerten unseren Parkplatz an und fuhren mit dem Shuttlebus zum Terminal. Dort gingen wir gleich zum Gepäckschalter um unsere Koffer aufzugeben und tadaaaaa- der Trouble begann. „Hallo, wir sind Teilnehmer der Laser-Run WM und haben Laser-Pistolen im Koffer. Das ist keine Waffe, wir wollten aber Bescheid geben, damit sich niemand erschreckt!“ – Fragezeichen im Gesicht gegenüber. „ähm. Eine Pistole?“ – „Naja, eigentlich ein Laserpointer. Kinderspielzeug. Aber halt in der Form von einer Pistole“ – „Ist dann da ein Akku oder sowas drin?“ – „ja“ … …. ….. *Telefon* <Pause> *Telefon* … „jaaaa, das können wir nicht mitnehmen.“ <Pause> Fragezeichen in unseren Gesichtern. „Häh?“ – „Die Gepäckannahme sagt ‚auf keinen Fall und wenn die nein sagen geht’s nicht ins Flugzeug!“ – „Moment, wie kommen denn dann die anderen aus der ganzen Welt nach Lissabon? Aus Australien, Südafrika und Griechenland fahren die sicher nicht mit dem Auto!“ – „keine Ahnung, aber ich kann es nicht aufnehmen“ – „und jetzt?“ – „naja, im Frachtraum geht’s auf keinen Fall mit den Akkus“ – „Ist uns ja egal, wir nehmen sie auch als Handgepäck mit!“ – „Haha, nein. Das sieht ja aus wie ne Pistole, das geht auf gar keinen Fall!“

So ging’s noch ein wenig hin und her und schlussendlich wollte sie uns nicht rein lassen. „Könnte ihr Chef mal kommen?“. Chef kam. Dem haben wir die selbe Story nochmal erzählt. Er hat nochmal telefoniert. Wir haben gesagt, dass heute schon jemand aus unserem Team von hier nach Lissabon mit der Lufthansa geflogen ist. Nachdem ich die Flugnummer hatte mussten wir feststellen, dass im Boarding nix hinterlegt war… Ich wusste zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr, was genau das Problem war: Der verbaute Akku oder die Pistolenform. Oder beides. Das schon jemand geflogen war brachte den Check-In Chef auf unsere Seite und man muss eh sagen: sie wollten uns schon helfen, ihnen waren nur auch irgendwie noch die Hände gebunden. Dass ich dann den Auszug der Internationalen Flugsicherung noch vorzeigen konnte, die sagt, dass der verbaute Akku unterhalb der Leistungsgrenze für den Transport liegt gab schlussendlich den letzten Ruck und er hat nochmal beim Gepäck angerufen, denen Bescheid gegeben und im Boarding notiert: alles safe! Nach rund einer Stunde war unser Gepäck eingecheckt. Halleluja, das ging ja gut los! Zum Glück waren wir so früh da. Witzigerweise war der Rest unserere Reisegruppe bei einem anderen Schalter und der Kollege dort meinte wohl: „Ist mir egal, passt scho“ und der koffer war aufgegeben. Verrückt!

Da geht’s raus!

Wir hatten noch Zeit was zu futtern und waren trotzdem noch weit rechtzeitig unterwegs zum Boarding. Alles weitere war unspektakulär. Der Flug hatte zwar Verspätung, aber was soll’s. Wir landeten ca. 23Uhr Ortszeit problemlos in Lissabon, das Gepäck war da – komplett! – also nur noch auf zur Wohnung! Die war nur drei Stationen mit der Metro entfernt. Glücklicherweise haben sie in Lissabon jemanden an den Fahrkartenautomaten platziert, der einen in die Technik einweist. Intuitive Fahrkartenautomaten gehen anders, aber wenn man es mal geschnallt hat ist es kein Problem mehr. Die Preisstruktur mit 1,50€ je Richtung für eine Stunde, egal wie weit ist halt auch super! Die Fahrt mit der Metro war 1A und wir kamen am Bahnhof „Oriente“ an, keine 500m von unserer Wohnung entfernt. Eine namentlich nicht näher genannte Teamkollegin ( 😉 ) war bereits am Tag angereist und hat den Check-In übernommen. Also nur noch die Schlüssel von ihr holen und ab ins Bett! Einziges Problem: Wir erreichten sie nicht… Also suchten wir nach der Wohnung, aber Portugal und Hausnummerierungen sind auch eine Geschichte für sich. Mittlerweile hatten wir ungefähr 1 Uhr nachts und wir standen auf der Straße. Da immer noch ab und zu Leute unterwegs waren fragten wir diese nach der Adresse, kamen aber auch nicht wirklich weiter. Nach einer weiteren Weile war die letzte Chance: versuchen die Vermieter zu kontaktieren. Der Versuch glückte! Und wie! Ich erwischte sowohl die Vermieter und das zweite Glück in dem Moment war, dass Haus UND Wohnung mit einem Zahlencode zu öffnen waren. Die zweite Wohnung hatte dann nen Schlüssel, aber der lag in der ersten. Oh! Man! Die Laune war leicht angespannt zu der Zeit … Einfacher wäre natürlich gewesen die Codes einfach in unseren Gruppenchat zu schicken, aber dann hätte ich jetzt ja auch nichts zu bloggen 😉

Wir kamen fast ohne Umwege in unsere Wohnung (der Aufzug hatte sich noch versteckt, aber nicht lange! :)) und fielen komplett platt ins Bett!

Tag 0 in Lissabon

Der erste Tag in Lissabon war für Vorbereitungen, Sightseeing und Training reserviert. Nach einem Frühstück als Wiedergutmachung schauten wir kurz zum Wettkampfgelände und fuhren dann mit der Metro in die Altstadt.

Ola, Wettkampfgelände!

Erstes Highlight: Der Time-Out-Market! Genial! Geile Donut, geile Burger und der „Erstkontakt“ mit den in Portugal berühmten Pudding-Törtchen, den „Pasteis de Nata“. Diese sollten fortan in den verschiedensten Varianten fester (und nahezu Haupt-)Bestandteil meiner Verpflegung hier sein! Danach wollten wir eine kleine Stadtrundfahrt machen, aber der Hop-On-Hop-Off Bus war uns entschieden zu teuer. Als Alternative boten sich Elektro-Tuk-Tuks an, die wir dann auch spontan nahmen. Es war eine super Entscheidung! Es ging eine Runde durch die Altstadt, es wurde immer wieder für Fotos und Erklärungen gestoppt und war einfach eine witzige und kurzweilige Fahrt! 

Wieder zurück packten wir unsere Sachen und machten uns wieder auf zum Wettkampfgelände um die Bedingungen vor Ort kennenzulernen und unsere Pistolen testen zu lassen – das war Pflicht für alle.

#TeamKatzwang

Den Welcome Drink für die Delegationen ließen wir sausen – Training geht vor! Aber was soll ich sagen: es lief (für mich) katastrophal. Ich traf absolut nichts. Keine Ahnung wieso, aber ich brachte nichtmal die ganze Scheibe auf grün.

Das erste Einschießen…

…lief so überhaupt nicht

Es wurde und wurde nicht besser und mir war absolut nicht klar wieso. Allerdings konnte ich weder lange üben, noch groß darüber nachdenken, denn nach knapp einer halben Stunde musste ich auch schon wieder los: zum einen musste ich die Akkreditierungsbändchen für alle Coaches & Starter:Innen abholen und dann stand ja auch noch das Technical Meeting an! Also: Wettkampfbesprechung. Diese fand gute 20min zu Fuß vom Wettkampfgelände entfernt statt.

Wir machten uns zu dritt auf und an der angegebenen Adresse angekommen fanden wir genau: nichts. Also … doch: Häuser schon, aber der Punkt den uns die Naviapp zu dieser Adresse anzeigte war vieles, aber nicht der Ort des Technical Meeting. Wir waren aber nicht die einzigen, die nicht wussten wohin. Die Delegation Estlands stand ebenfalls an der Stelle und wusste nicht weiter. Nach einigem herum suchen fragte Chrissy im Fitnessstudio – die schickten uns die Straße ein gutes Stück weiter hoch und tatsächlich: da waren wir richtig. Warum Karten-Apps das nicht auf die Reihe bekommen ist mir ein Rätsel!

Trotz der Sucherei waren wir noch so früh vor Ort, dass wir doch noch den ein oder anderen Welcome Drink (Wasser & O-Saft für mich, nicht was ihr denkt!) nehmen konnten. Da traf ich auch erstmals auf die Britische Teamleitung. Bill und Phil machen das ganze schon eine Weile! Mit ihnen stand ich vorher auch schon in Mailkontakt, da ich sie gerne überredet hätte eine ihrer U19 Athletinnen zu den Junioren zu melden. Wer hat aufgepasst wieso? Richtig! Die Teamwertung! Aus den Meldeunterlagen ging hervor, dass es incl. uns nur zwei Länder mit drei Juniorinnen gibt. Das wäre schade, da es erst ab drei Teams Medaillen gibt und wenn sie ummelden würden wäre das eine „geschenkte“ Medaille – wär doch geil oder? 

Bill und Phil sind super typen, die schon ewig im Fünfkampf sind. Beide machen das wenn ich es richtig mitbekommen habe hauptamtlich. Überhaupt sind die Briten wahrscheinlich eine der führenden Nation in diesem Bereich. Bill fand die Idee auch mega gut seine „schwächste“ U19 hochzumelden, da sie individuell keine Chance gehabt hätte und auch als vierte nicht im U19 Team gewesen wäre. Aber da sie eine Absage hatten ging der Plan nicht auf und alle blieben in der U19. Schade!

Beim Technical Meeting erfuhren wir dann auch endlich die genaue Wettkampfstrecke und noch die ein oder anderen Details zum weiteren Prozedere. Das Interessanteste war wohl die vorgestellte UIPM App, sowie ein Link zu einem Google-Spreadsheet, in denen der exakte Zeitplan, sowie die Startlisten zu sehen waren. Ich nahm das erstmal zur Kenntnis ohne genauer rein zu sehen. Ein Knaller wurde außerdem verkündet: In der Ausschreibung waren 40 Schießstände angekündigt. Daraus wurden wenige Wochen vor Wettkampf schon nur noch 30. Im Technical Meeting wurden diese 30 für das Finale noch auf 24 zusammen gestrichen – das hieß: wer anfangs dachte, dass es 40 Finalplätze gäbe sah sich mittlerweile mit nur noch knapp der Hälfte konfrontiert. Das ist schon richtig krass.

Ich versuchte noch zu klären wie das Reglement für die Teamwertung denn aussieht? Zählt Platzierung oder Zeit? Und was ist, wenn nicht alle das Finale erreichen? Im Endeffekt entscheidet die Gesamtzeit. Hat ein Land nur 2 im Finale, ein anderes 3, gewinnt immer das Land mit 3. Haben beide zwei im Finale gewinnen die beiden, die zusammen schneller waren – aber nur, wenn ursprünglich 3 am Start waren. Klingt kompliziert, ist am Ende aber logisch und richtig so. Zu den Staffeln wurde noch gesagt, dass man bis Samstag nach-/ummelden kann und wo die Wechselzonen sein werden. Dann war alles mehr oder weniger geklärt und es ging wieder zurück. Kurzer Stopp: Alle treffen, die schon da sind um ihnen ihre Bändchen zu geben und die Infos vom Meeting zu kommunizieren, danach ab in die Wohnung. Nochmal alles kurz schriftlich versenden, damit ich nichts vergesse und mal die App anschauen.

OI, die App! Das „Problem“ der Juniorinnen habt sich von selbst gelöst! Es kam von irgendwoher noch eine Nation mit drei Starterinnen – zum Glück konnten die Briten nicht tauschen! Somit war eine Medaille Safe – yeah! Und auch ich war nahe dran für mich einen Freudenschrei raus zu hauen. Die Ägypter, die ursprünglich zu viert gemeldet waren hatten nur noch zwei Starter auf der Liste. Geil! Nach genauerem Studium der Liste waren da aber auf einmal drei Litauer zu sehen, die mir vorher noch nie aufgefallen sind. Nochmal genauer nachgesehen waren das Athleten der U19 und Junioren. Jetzt rangen das innere Engelchen und Täfelchen mit mir: Was macht ein U19er bei den Senioren? Also ernsthaft, der Kerl ist nichtmal halb so alt wie ich! Ist das regelkonform? Bei den Staffeln definitiv nicht! Ehrlicherweise gefallen mir diese Gedanken bei mir überhaupt nicht, aber andererseits: Unter dem Strich geht es hier um eine Medaille bei einer Weltmeisterschaft. Wenn das gegen die Regeln ist werde ich das auch sagen!

Das Problem ist: Im Reglement steht nix. Bei den Staffeln heißt es klar: nächststärkere Altersklasse ist erlaubt, eine überspringen aber nicht. Meiner Meinung nach ist das auch sinnvoll so, aber nach vielem hin und her gab es nix im Reglement, dass das so für die Einzelwettbewerbe bestätigt hätte. Ich habe sogar am nächsten Tag noch vor Ort nachgefragt – die offizielle Aussage ist: das liegt in der Verantwortung des jeweiligen Verbandes. Kann man nix machen. An der Stelle war der kurzfristig aufflammende Medaillentraum geplatzt. Aber ok, ich war eigentlich nicht hier um selbst eine Medaille zu gewinnen, dazu kann ich mich und den Rest schon realistisch genug einschätzen! Mitgenommen hätte ich aber trotzdem sehr gerne eine 😉

Tag 1 – Women!

Der tägliche Weg zum Wettkampfgelände

Am nächsten Morgen war es dann endlich soweit: Wettkampftag!! Los ging es mit den Sportlerinnen, denen der erste Wettkampftag gehörte. Wir hatten acht Meldungen in den Altersklassen U11, 2 mal U13, 3 mal Juniorinnen, 50+ und 60+. Da es in der U13 Halbfinale gab waren diese als allererste dran und eröffneten die Wettkampfstrecke! Ich ging mit ihnen zum „Call-Room“ (ein Pavillon in dem sich alle 15min vor Start sammeln sollen um rechtzeitig am Start zu sein), zum extrem kurzen Einschießen, begleitete sie in Richtung Start und ging dann in die Coaching Zone. Da traf ich wieder auf Bill, mit dem ich hier im Laufe der Tage noch viel Spaß haben würde und wartete gespannt auf den ersten Lauf. 

<- Bill!

Diesen machte Marlena. Sie machte ihre Sache richtig, richtig, gut, aber man sah direkt, dass hier eine Weltmeisterschaft läuft. Was die anderen teilweise ablieferten war unfassbar. Trotzdem erkämpfte sie sich einen starken Mittelfeldplatz, der am Ende wegen einer läppischen Sekunde nicht für das Finale reichte… Zweiter Lauf, zweite Beteiligung von uns. Letzte Woche waren wir noch mit Elena zusammen beim Tiergartenlauf, heute in Lissabon. Mega gut 🙂 Bei ihr lief es nochmal besser, Platz 7 im Halbfinale war der sichere Einzug ins Finale!

Danach war für uns erstmal Pause, denn es standen weitere Halbfinals an, bei denen aber niemand von uns am Start war. Weiter ging es dann in den direkten Finalläufen von Klein nach Groß. Das hieß zuerst U9 – die, sind wir ehrlich, coolste Altersklasse überhaupt! Direkt danach wurde es für Hanni ernst. Finale der U11! Ich ging nicht mit in die Coaching Zone um nicht abzulenken, sondern rief vom Streckenrand meine Anfeuerungen rein. Im Feld war sie als eine der wenigen der jüngere Jahrgang und mindestens einen Kopf kleiner als der komplette Rest! Entsprechend hart war es für sie, aber sie machte ihre Sache grandios! Mitten im Getümmel irgendwo im Mittelfeld kam sie nach ihren zwei Runden mit etwas nervösem Schießen nach einem famosen Sprint ins Ziel!

 

Als sie raus kam wurde sie gefeiert aber es ging jetzt nahtlos weiter. Emily startete in der 60+, diesmal wieder mit mir in der Coaching Zone. Als einzig weiterer Trainer war Bill da und wir hatten wieder unseren Spaß. Die Sportlerinnen nicht so – die 600m Runden zogen sich bei den Temperaturen in der Sonne ganz schön. Bill konnte am Ende eine Medaille feiern, für Emily reichte es mit dem sechsten Platz leider nicht ganz.

Nach Emily war Gyöngyi in der 50+ am Start und was soll ich sagen? Es war sensationell. Eine unfassbar gute Laufleistung und ein stabiles Schießen führten zu einem ungefährdeten Weltmeistertitel! Damit hatte glaube ich niemand so wirklich gerechnet, aber es war absolut verdient! Draußen feierten die Fans, drinnen stand noch „Arbeit“ an – es ging zum Siegerinterview für UIPM.tv dem Livestream des Weltverbands. Da Gyöngyi das Interview ungern auf Englisch führen wollte ging ich als „Dolmetscher“ mit. Das hätte ich mir vorher auch nicht träumen lassen und ich sag mal so: Hut ab vor allen, die sowas ständig machen müssen. Der Moderator hat so viel erzählt bis er endlich zu seiner Frage kam, dass ich die Hälfte davon schon wieder vergessen hatte bevor ich mal zu übersetzen beginnen konnte. Ich improvisierte dann ein wenig, blieb aber natürlich sinngemäß korrekt 😉 Die drei Fragen an sich liefen wie man es von den Fußball On-Field Interviews kennt eh auf ein „Wie fühlen sie sich?“, „Was war der Schlüssel zum Sieg?“ und „Wie fühlen Sie sich als Weltmeisterin?“ hinaus – alles andere war nur bla bla drum herum 😉 Am Ende haben wir das aber glaube ich ganz gut hin bekommen und kurz darauf stand die erste Siegerehrung mit Deutscher Beteiligung bei dieser WM an. Und dann gleich ganz oben auf dem Treppchen! Mega gut!

Aber der Tag war noch nicht vorüber. Die U13 hatte noch ein Finale zu bestreiten und wir hatten ja eine Teilnehmerin drin. Elena legte los wie der Blitz und ging ganz vorne im Feld zum ersten Schießen! Das lief richtig gut und sie biss sich vorne fest. Im Verlauf des Rennens musste sie ein paar wenige Plätze an die starke Konkurrenz abgeben, dennoch reichte es (als jüngerer Jahrgang! Das muss immer wieder betont werden!) zu einem überragenden 7. Platz bei ihrer ersten Weltmeisterschaft!

Den Abschluss aus Deutscher Sicht bildeten dann die Juniorinnen. Mit – vom „Chef de Mission“ perfekt gemeldeten 😉 – drei Starterinnen war vorher bereits eine Teammedaille sicher, da nur, aber eben genau zwei weitere Nationen drei oder mehr Starterinnen in dieser Altersklasse hatten. Die Frage war nur: welche Farbe und geht im Einzel was? Es war richtig gut, wie die drei ihren Wettkampf bestritten. Sie hatten zwar leichte Probleme am Schießstand, waren läuferisch aber voll dabei. Witzigerweise lief es bei allen dreien mehr oder weniger gleich gut. Und das in jeder Runde! Sie kamen immer ungefähr zusammen aus dem Schießstand oder schlossen auf der Strecke schnell zueinander auf. Vorne ging aber enorm die Post ab. Die Australierinnen waren nicht zu schlagen und belegten drei der ersten fünf Plätze. Unsere Starterinnen zeigten aber ein super Ergebnis mit den Einzelrängen 6, 7 und 8 – alle drei grob innerhalb von 10 Sekunden, was zur sensationellen Silbermedaille im Team reichte!

Die „organisierte“ Medaille 🙂

Somit standen nach dem ersten Wettkampftag eine Gold- und eine Silbermedaille zu buche. Das kann sich doch mehr als sehen lassen!

Nach den Wettkämpfen nutzten wir Jungs nochmal die Möglichkeit am Schießstand zu üben. Ich konnte zum Glück mich und meine Pistole so einstellen, dass ich danach mit einem guten Gefühl weg gehen konnte. Viel passierte am Abend nicht mehr. Wir gingen noch rüber ins Einkaufszentrum Vasco da Gama – da sollten wir aufgrund des vielleicht coolsten Waffeleises der Welt noch mehrmals die Tage hin kommen 😉 und ließen auch diesen Abend gemütlich ausklingen!

Eis! 😍

Tag 2 – Men!

Folgender Tag – gleiches Prozedere! Es ging wieder los, von klein nach groß. Diesmal allerdings mit dem Unterschied, dass nahezu alle Altersklassen so viel Meldungen hatten, dass Vorlaufe nötig waren. Alle Deutschen Starter, abgesehen von der 60+ und 70+ mussten in die Qualifikation.

Es startete mit der U11 und wieder begann mein Tag vorne in der Coaching Zone. Diesmal für Nikolas. Das Rennen war ein Wechselbad der Gefühle… Ein mit vier Fehlschüssen verhältnismäßig schwaches Schießen (dennoch eine Zeit von unter 14 Sekunden – ich sag ja die Kleinen sind verrückt!! ;)) wurde im zweiten deutlich getoppt. Dazu eine gute Laufzeit und die Finalteilnahme war gesichert!

In der U13 hatten wir wieder zwei Jungs am Start. Bei Tom reichte es leider nicht zum Finale – das Schießen war einfach nicht konstant genug, aber Oli machte seine Sache stark. Nur ein Schießfehler in drei Serien, dazu eine saubere Laufleistung: am Ende Stand Platz 9 im Vorlauf und die sichere Qualifikation für das Finale. Habe ich erwähnt, dass Nikolas und Oli als Finalisten der jüngere Jahrgang sind? Nein? Dann sei es hiermit nachgeholt! 🙂

In der U15 hatten wir zwei Jungs vom SV Wangen am Start und wie auch schon bei der U11 konnten wir uns über einen Finaleinzug von Dawson freuen, für Filip reichte es leider nicht. Da wir mit Ida auch eine Trainerin aus Wangen dabei hatten durfte sie hier natürlich das Coaching übernehmen. Überhaupt kann man sagen, dass das sehr entspannt war. Wer ein Bändchen hatte (ob Teilnehmer:In oder Coach – da hat keiner geschaut) konnte in die Coaching Zone gehen. Viel machen konnte man da vorne eh nicht, man hatte halt einen guten Platz zum Zuschauen, den wir untereinander gut aufteilten.

Es folgten noch die Altersklassen 60+ und 70+ in denen wir gleich 4 Starter dabei hatten. Leo war einer der drei 70+ Athleten, Hans-Jörg, Christoph und Enno starteten in der 60+. Da schon wieder leichter Verzug im Zeitplan war wurden beide Läufe zusammen gelegt. Das sorgte für mehrfaches Chaos. Die 70+ Starter hatten sich auf die Schießbahnen 1-3 eingestellt und wurden jetzt ganz ans Ende gelegt. Aber nicht nur das: es war ein ganz schönes hin und her wo hin genau. Erst hieß es: direkt anschließend auf 23-25, dann hieß es: ne, doch nicht. Für das TV wurden zwei Schießbahnen frei gelassen und deswegen müssen alle drei nochmal weiter rutschen auf 25-27. Ok, dann halt nochmal weiter. Stressig war nur, dass die vom Start schon wieder drängelten, dass sie vor kommen sollen – aber es hatten noch nicht mal alle ihre Nummern dran! Ich sag’s euch 😉 Als wir das erledigt hatten, alle am Start waren und ich in meiner Coaching Zone stand (ich wäre auch fast zum Start gerannt) konnte es los gehen. Es war ein super spannender Lauf – sowohl was die 60+ als auch die 70+ anging. Leo konnte sich in der übrigens erstmals ausgetragenen 70+ Kategorie hauchdünn die Silbermedaille sichern, während Hans-Jörg in der 60+ haarscharf das Podest als 4. verpasste. Dennoch wird er nicht allzu traurig sein, denn mit Christoph und Enno, die als 8. und 10. ins Ziel kamen holten sie sich die Goldmedaille im Team! Die alten Haudegen haben also richtig einen raus gehauen und dem Team zwei weitere Medaillen beschert! Stark!

In der 50+ war mit Gregor ein erfahrener Läufer für uns am Start, der aber Probleme am Schießstand hatte. Dennoch reichte es für den Finaleinzug. Ich zog mich ein wenig zurück nach draußen und machte mich so langsam aber sicher für meinen eigenen Start fertig. Da war ja noch was! 😉 Bertrams Lauf in der 40+ verpasste ich zwar dadurch, aber Törtchen essen, der Weg zum Einschießstand, Einschießen, das Warm-Up, Startnummern holen usw. frisst alles ganz schön Zeit. Außerdem soll man ja ein Stück vor Beginn des eigenen Laufs im Call-Room sein – also plante ich lieber etwas mehr Zeit ein. Gemacht habe ich aber eigentlich gar nicht so wahnsinnig viel: Ich habe paar mal auf die Scheiben im Einschießbereich geschossen (recht viel mehr wollte ich da nicht machen, da die Bedingungen komplett konträr zu denen am eigentlichen Schießstand waren: es war überdacht, der Wind konnte dort nur von der Seite rein pfeifen und ob die Tische so exakt auf 10m standen? Würde ich nicht drauf wetten ;)) … und mir so ein gutes Gefühl geholt. Gelaufen bin ich einmal um die Expo-Arena, aber eher mehr um zu prüfen ob die Schnüren passt. Das ist bei den Schuhen etwas Tricky und gerade bei dem Untergrund hier wichtig, dass alles sitzt wie es soll. Noch kurz was trinken, etwas quatschen und es war auch schon so weit: auf zum Halbfinale! 

„Call-Room“ vor dem Semifinale mit Thomas & Dominik

Das Stehen im Call-Room ist furchtbar. Man steht da, wartet drauf bis es los geht, kann sich nicht wirklich bewegen… aber allen anderen geht es genauso. Neben mir war noch Dominik am Start – unser einziger Kaderathlet und somit klar stärkster Deutscher Starter. Im zweiten Halbfinale waren dann noch Hermann und Philipp. Die Nationen werden so gut es geht aufgesplittet, wohl um Teamarbeit zu verhindern. Mein Schießstand war relativ weit weg von Dominik. Er hatte Bahn 1, ich 16. Was ich schon mitbekommen hatte war, dass das Feld top besetzt war, also mal schauen, was so geht! Mein einziges Ziel war das Finale zu erreichen und eine ordentliche Leistung abzuliefern. Dass ich für alles weitere chancenlos sein würde war mir von vornherein klar – dafür bin ich einfach zu alt. Das ist nur so halb witzig gemeint, die Auflösung folgt später. Aber den Finaleinzug könnte ich schaffen – also war das Finale das Ziel!

Im Call Room wird man dann der Startnummer nach aufgerufen und begibt sich zu seinem Schießstand um sich noch kurz einzurichten: Transponder für die Zeitmessung dran, ein paar mal Einschießen, vielleicht den Anlauf zum Schießstand proben. Das war’s. Mehr als 2-3 Minuten sind es leider nicht, dann wird man schon zum Start gescheucht. Meiner Meinung nach zu wenig, aber gut: auch das ist für alle gleich. Nach mir kam ein Portugiese mit dem ich mich beim rein laufen kurz unterhalten habe. Er hat erzählt, dass er vom Radfahren kommt und gar nicht so ganz genau wisse, wie das hier abläuft. Ok, das erklärt dann auch die enorm hohe Zahl and Starter:Innen für Portugal! Das ist auch eine Form des Heimvorteils den man nutzen kann. Mit dem Schießen hatte er es entsprechend auch nicht so, er fokussierte sich mehr auf den Lauf-Part 😉

Mein Einschießen klappte ziemlich gut! Das Verstellen der Pistole hat’s gebracht, trotz teils starkem Wind traf ich relativ sicher. Mal schauen, wie es dann unter Puls sein würde, aber so war das schon mal voll ok! Kurz darauf ging es wie angekündigt zum Start. Von hinten wurde noch irgendwas gequatscht, sodass ich fast den Start verpasst hätte!

Konzentration!

…Start verpennt 😉

Vorne ging so die Post ab, vielleicht war das gar nicht verkehrt, dass ich etwas hinten dran war. Ich sortierte mich ziemlich in der Mitte ein und versuchte mich irgendwie im Feld zu orientieren und einzusortieren. Die Senioren laufen zuerst eine komplette 600m Runde bevor geschossen wird: Nach dem Start geht es zwar wie für alle anderen auch zum Schießstand, allerdings laufen wir einfach durch und absolvieren dann die normale Runde. Auf dieser sortierte sich das Feld schon ganz schön. Vorne zogen die (teilweise extrem) starken Läufer weg, danach bildete sich eine Gruppe und irgendwo dahinter war ich und versuchte mein Tempo zu laufen. Als ich zum ersten Schießen kam waren einige schon fertig (die Elite eben ;)), andere standen aber noch da und es war zu sehen, dass das mehr die portugiesischen Läufer/Sportler aus anderen Disziplinen sind und nicht die Laser-Runner. Ich versuchte mich nicht davon irritieren zu lassen und wollte einfach mein Ding durchziehen. Mit 4 Fehlschüssen und rund 20s war das ein okayer Start und ich machte mich auf die zweite Runde. 

Von ein paar Portugiesen wurde ich wieder überholt – macht nix, dachte ich mir: am Schießstand hab ich euch wieder! 😉 – und so langsam aber sicher sortierte sich das Feld komplett. Das Tempo war hoch, aber fühlte sich ok an. Ich konzentrierte mich voll auf mich: und diesmal lief es grandios! 0 Fehler, rund 10s! Perfektestens!! Raus und Beine in die Hand! Auf der Runde standen ungefähr gegenüber vom Schießstand nahezu alle Deutschen – da hört man genau gar nix von außen, außer dass lautstark angefeuert wird. Chrissy stand etwas weiter die Strecke entlang und rief mir zu, dass ich sehr gut platziert und relativ Safe auf meinem Platz bin. Nach vorne ging nicht viel, von hinten drohte recht wenig Gefahr. Sehr gut.

Ich hielt mein Tempo und versuchte einfach so weiter zu machen wie bisher – genau das tat ich auch! Das nächste Schießen war wieder wie das Erste – wieder 4 Fehler, die Laufrunde danach aber wieder gut. An der Gesamtsituation hatte sich nichts geändert. Das letzte Schießen war dann wieder fehlerlos und nach allen Eindrücken von mir auf der Strecke war ich mir sicher, dass der Finaleinzug eingetütet war. Den extrem schnellen Portugiesen hinter mir konnte ich auf der Runde auf Distanz halten, nach vorne ging aber nichts mehr und so kam ich als 10. des Vorlaufs rein. Perfekt und der sichere Finaleinzug! Dominik war 6. und auch sicher drin.

Im zweiten Halbfinale waren dann Hermann und Philipp dran. Ich habe selbst nicht so viel mitbekommen da ich echt noch durch war vom eigenen Lauf, aber Hermann war gut im Rennen und haute auf den letzten Metern nochmal alles raus, was drin war. Philipp konnte das Tempo dagegen leider nicht mitgehen. Am Ende war es dann eine richtig knappe Kiste, aber Hermann schnappte sich den 20. Platz über beide Läufe – Finale! Somit waren wir zu dritt im Endlauf, wie geil!

Nun hieß es erstmal wieder runterkommen, versuchen zu regenerieren. Und wieder zu coachen, denn es ging nahtlos mit den Finalläufen der Altersklassen mit Halbfinale weiter – und da hatten wir ja so einige Starter dabei!

Warm-Up vor dem Finale mit den Jungs

Los ging es mit dem Finale der U11! Nikolas machte seine Sache wieder richtig gut und verkaufte sich genauso stark wie Oli im folgenden Finale der U13. Bei beiden reichte es am Ende zu Platz 19. Wäre die Meisterschaft nach Jahrgängen gewertet wurde, hätten beide nach Medaillen gegriffen. Krass, oder?

Ähnlich erging es dann Dawson in der U15: eine starke persönliche Leistung gebracht, aber chancenlos gegen die Konkurrenz. Am Ende stand ein Finaleinzug mit gutem 18. Platz – ebenfalls eine tolle WM Premiere!

Weiter ging es aus deutscher Sicht mit Gregor. Bei ihm lief es am Schießstand viel besser als im Halbfinale, läuferisch zeigte auch er wieder eine starke Leistung. Am Ende stand ein sehr, sehr, starker 8. Rang im Finale der Besten 24!

Nach Gregors Lauf fanden noch die Finals der 40+, sowie der „älteren Jugend“ statt – alle ohne Deutsche Beteiligung, sodass ich die Zeit wieder für die Vorbereitung nutzen konnte. Den Ablauf lies ich wie vorher auch: kurz Einschießen, eine Runde einlaufen, fertig. WM Finale incoming! Geil!! Mit Dominik und Hermann machten wir uns auf in den Call-Room und standen da zusammen mit der Weltelite des Sports. Mega gut!

„Call-Room“ vor dem Finale mit Dominik und Hermann

Wir hatten glaube ich alle nichts zu verlieren – zumindest Hermann und ich nicht. Ich freute mich einfach riesig, dass ich mein Ziel der Finalteilnahme eigentlich ziemlich souverän erreicht habe. Platz 10 in meinem Vorlauf bedeutete Platz 17 im Finale – der zweite Lauf war also eine Ecke langsamer als unserer gewesen. Ich hatte auch kurz einen Blick auf die Möglichkeiten der Teamwertung geworfen: im Normalfall hätten wir keine Chance. Die Litauer (die U19/Junioren!) waren alle drei extrem weit vorne, ebenso die Franzosen. Auf die Portugiesen hatten wir rund 20 Sekunden Rückstand, wenn man die Vorlaufzeiten zusammen rechnet. Schwierig, aber wer weiß? Vielleicht machbar. Allerdings hatten sie so viele Starter im Finale, dass eventuell auch noch jemand einen raus haut, wer weiß.

Das Einschießen lief wieder ganz ok und es blieb gar nicht so viel Zeit nachzudenken. Die Stimmung war top und ehe ich mich versah begann das Rennen auch schon! 

Gute Leute…

… Gute Laune …

… Guter Start! (nur nicht von mir ;))

Den genauen Ablauf bekomme ich nicht mehr wirklich zusammen, aber es lief leider nicht ganz so gut wie das Halbfinale. Zumindest am Schießstand. Das erste Schießen war noch halbwegs in Ordnung, aber Ich hatte am Ende insgesamt 19 statt 8 Fehler (8 hatte ich alleine im letzten Schießen), weil ich zu viel riskierte. Oder zu schnell lief. Ich weiß es nicht genau. Nicht rund lief es auch bei Dominik. Gegen Ende der ersten Laufrunde kam er auf einmal von hinten an mir vorbei. Hoppla, da lief bei ihm aber gehörig was schief. 

Trotzdem war ich am Ende insgesamt nur 9 Sekunden langsamer als im Halbfinale. So schnell bin ich anscheinend noch nie gerannt – vielleicht war das dann das Problem am Schießstand. Alles versucht für die Teammedaille, aber das war leider aussichtslos. Die Portugiesen waren nochmal deutlich(!) schneller als im Halbfinale, die Litauer und Franzosen wie erwartet extrem stark. 

All-Out auf der Strecke und später im Zielsprint:

Trotz des schwachen schießens war ich zufrieden mit meiner Leistung. Ich hab’s riskiert, wahrscheinlich bin ich auch einfach zu schnell gelaufen und habe deswegen schwächer geschossen. Am Ende war ich aber zwei mal unter 12 Minuten, leider im Finale etwas langsamer, aber Platz 18 ist top! Dominik kam mit 11 Fehlern im ersten Schießen (danach insgesamt nur noch 3) noch als 9. ins Ziel, Hermann schloss den Finallauf als 24. ab. Das Ergebnis kann sich bei der Konkurrenz doch absolut sehen lassen!

Direkte Post-Race Analyse mit Bill und mit ohne Atem 🙂

Wie bei den Kids muss ich auch hier nochmal auf die „Altersklassen“ zu sprechen kommen um es nochmal in einem anderen Blickwinkel einzuordnen. Die Altersklasse „Senioren“ geht von 22-39 Jahren. Das ist krass. Wenn man sich die Finalliste anschaut waren lediglich 4 von 24 Startern Ü30. Zwei davon waren vorne platziert und mit 30/31 Jahren eigentlich noch fast U30. Hermann und ich waren mit 39 / 38 Jahren die mit Abstand ältesten Finalteilnehmer! Schade – und mir absolut unverständlich – warum es keine Ü30 gibt. Das absurdeste ist ja, dass im kompletten Modernen Fünfkampf die Masters sehr wohl mit einer AK 30+ starten. Verstehen muss ich es nicht – eine Bronzemedaille der Herzen hänge ich mir hiermit virtuell um den Hals, denn der dritte Platz wäre es dann gewesen. Zusammen mit der Silbermedaille der Juniorinnen durch meine grandiose(! ;)) Organisation habe ich fast einen kompletten Medailliensatz 😉 Mal sehen ob der Verband hier noch umdenkt und für die Zukunft irgendwann die 30+ einführt. Mir fällt absolut kein Grund ein, warum es sie nicht geben sollte.

Somit war der zweite – sehr lange – Wettkampftag beendet und ich war absolut zufrieden mit mir und meiner Leistung. Dazu nochmal zwei Medaillen im Team geholt – was will man mehr?

Aber ganz war der Tag noch nicht vorbei, es stand noch „Delegationsleiterarbeit“ an. Dominik ist wohl schon mit Problemen am Fuß angereist und hat am Abend seinen Staffelstart für den Folgetag abmelden müssen. Prinzipiell wäre das kein Problem, die Senior-Staffeln waren (neben der 60+) die einzige Altersklasse, in der wir einen männlichen Ausfall verkraften würden, da wir weitere Starter vor Ort hatten. Beim Technical Meeting hieß es ja bis Samstag kann man melden/tauschen, also schrieb ich eine Mail, informierte alle „Betroffenen“ und hoffte, alles würde passen.

Unser Blick aus dem Schlafzimmer: Bahnhof Oriente, Vasco da Gama

Tag 3 – Mixed-Staffeln!

Am nächsten Morgen waren keine Änderungen in der App zu sehen und mir kamen erste Zweifel. Da wir wie üblich zur Öffnung des Field of Play um 8:20Uhr vor Ort waren ging ich gleich zum „Wettkampfbüro“ und fragte nach. Antwort: Nö, zu spät, alle Listen schon veröffentlich. Geht nicht.

Kacke. Besonders kacke für Lara, mit der ich im Juli bei der Deutschen Meisterschaft den Titel geholt hatte. Sie sollte als unsere „1er“-Staffel mit Dominik starten und stand jetzt ohne Staffelpartner da. Was für ein Mist.

Für die anderen hieß es aber: Business as usual!  Bei den Staffeln war zwar auch ordentlich was los, aber zumindest nicht so viel, dass es Vorläufe gebraucht hätte. Das hieß: einmal alle Altersklassen von klein nach groß! Naja, fast. Es wurden noch zuerst die 5m, dann die 10m Läufe abgehalten und bei den 10m erst die mit 300m Laufstrecke, dann die 600m. So, jetzt haben wir alles gedanklich sortiert und los ging’s doch mit den Kleinsten: der U9. Natürlich ohne Beteiligung von uns. Einmal zuschauen wie es so abgeht und dann hieß es: ab dafür für Hannah und Nikolas in der U11. 

Es war ein toller Abschlusswettkampf unserer beiden Jüngsten (beide jüngere Altersklasse, wisst ihr noch, oder?!). Gegen die übermächtige Konkurrenz hatten sie – auch aufgrund einer etwas schwächeren Schießleistung – keine Chance und kamen auf dem 12. Rang ins Ziel. Eine absolut gelungene Weltmeisterschaftspremiere der beiden!

Die nächste Staffel mit deutscher Beteiligung war dann die 60+ Emily ging zusammen mit Hans-Jörg an den Start und hier gab es Drama bis zum Schluss. Emily zeigte ein starkes Schießen, musste aber auf der Strecke dem hohen Anfangstempo Tribut zollen. Dennoch übergab sie an Hans-Jörg in aussichtsreicher Position. Aus welchem Grund auch immer klappte beim ersten Schießen aber so gut wir gar nichts bei ihm. Auf der Laufrunde konnte er den Abstand aber nochmal verkürzen und das zweite Schießen lief problemlos. Die Lücke zur spanischen Staffel vor ihnen wurde kleiner – dazu kam noch eine Zeitstrafe von 10s für die spanische Staffel! Wir peitschten ihn von außen nochmal komplett an! Er verschwand hinter dem Haus und ich wartete in der Coachingzone bis ich wieder was sehen konnte. Zuerst kam der Spanier, aber Hans-Jörg war relativ nahe dran. Ich brüllte ihn nochmal vor und hatte die Stoppuhr schon gedrückt: 6,x Sekunden Rückstand. Bronze, oder?! Wir feierten schon, ich hüpfte über das Gitter und Richtung Zielbereich um den beiden zu gratulieren. Dafür wurde ich von einer Ordnerin zusammen geputzt, dass ich in der Coaching Zone bleiben muss. Jaja 😉 Leider, leider löste Hans-Jörg die Situation auf: keine Medaille, der Spanier hatte am hinteren Ende der Strecke seine 10s Strafe bereits abgesessen und war somit einfach knapp vorne. Schade!

Letzte Tips und gut Zureden vor dem Start

Nach einem Lauf Pause folgte dann die U13 in der wir gleich doppelt vertreten waren! Bei Marlena und Elena lief es sehr gut, beide waren mitten im Feld als sie an Oli und Tom übergäben. Oli durfte etwas eher los, zeigte auch nochmal zwei saubere Schießeinlagen und bruchte mit Platz 10 nochmal eine richtig gute Platzierung ins Ziel. Toms letztes Schießen war dagegen leider nix und so kam er als letzter im Feld ins Ziel.

Wie immer: Gute Laune in der Coaching-Zone

     

Nach einem weiteren Lauf Pause war die 50+ an der Reihe. Mit Weltmeisterin Gyöngyi und einem im Finale stark aufgelegten Gregor machte ich mir Hoffnungen, dass auch am letzten Tag eine Medaille drin sein könnte – und wurde bestätigt! Gyöngyi machte da weiter, wo sie am Vortag aufgehört hatte. Über die zwei Runden lieferte sie sich mit der Portugiesin einen harten Fight, konnte am Ende aber als Erste an Gregor übergeben. Das erste Schießen lief bei beiden nicht wirklich rund, dennoch gingen sie zusammen auf die Runde. Hier hatte der Portugiese leichte Vorteile. Das zweite Schießen lief ebenfalls nahezu parallel und somit war die Entscheidung gefallen: Gold ging an Portugal, aber ein sensationeller zweiter Platz ging an Gyöngyi und Gregor. Glückwunsch!

Nun war es aber wieder an der Zeit, dass ich mich um mich selbst kümmerte: Rennoutfit an, Einschießen, ne Runde laufen. Das Übliche Programm. Diesmal etwas zusammen gestaucht, da nur eine kurze Siegerehrung und zwei Staffeln vor unserem Lauf dran waren – die U17 und U19. Ich brachte dennoch alles unter und zum letzten Mal hieß es: Call-Room! Wir standen wieder da und warteten darauf, dass es los ging.

Vor dem „Call-Room“ mit Anna, Hanna und Hermann

Es waren 12 Senior Staffeln am Start und noch eine ganze Menge Junior Staffeln. Als es endlich rein ging schossen Hanna und ich abwechselnd ein paar Scheiben, dann ging es auch schon los. Aus Gewohnheit liefen Hermann und ich auch in Richtung Startlinie, was natürlich völliger Quatsch war – wir mussten auf die andere Seite des Schießstandes in einen Wartebereich neben der Wechselzone. Das ging ja gut los 😉

Gut los ging auch das Rennen Hanna und Anna starteten richtig gut und sortierten sich ziemlich weit vorne im gemischten Feld ein. Bis zum ersten Schießen waren sie irgendwo um den 8. Gesamtplatz positioniert und liefen wie schon im Einzel ein sehr homogenes Tempo.

Auf der zweiten Laufrunde erarbeitete sich Hanna einen kleinen Vorsprung, den Anna durch ein fehlerloses zweites Schießen wieder aufholte und so gingen sie wieder zusammen auf die dritte Runde. Wieder konnte Hanna einen Vorsprung heraus laufen und als erste Deutsche Staffel auf mich übergeben. Der Gesamtrang war immer noch ungefähr 8, was das bei den Senioren bedeutete: keine Ahnung 😉

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Ich gab einfach mal Gas. Gefühlt waren meine Beine recht schwer, aber das Tempo war dennoch enorm hoch. Überraschenderweise war mein erstes Schießen trotzdem richtig gut. Nur drei Fehler, damit bin ich sehr zufrieden! Raus aus dem Schießstand und wieder Beine in die Hand nehmen! Ein Portugiese überholte mich und ich dachte mir: schauen wir mal, wie lange das gut geht. Und hängte mich an ihn dran.

Überraschenderweise klappte auch das recht gut, bis es am hinteren Streckenende in die Wende ging. Da musste ich etwas abreißen lassen. Das fand ich aber auch nicht schlimm, schließlich stand das nächste Schießen an. Nochmal Konzentration! Wieder nur 3 Fehler. BÄM! Nochmal raus und beißen! Keine Ahnung, ob mich nochmal wer geschnappt hat, ich holte raus was ging. Nach der halben Laufrunde drohte von hinten zwar keine Gefahr mehr und auch nach vorne ging auch nicht viel, aber ich bin mir immer nicht 100% sicher. Nichts ist ärgerlicher als aus falscher Sicherheit Tempo raus zu nehmen und dann überholt zu werden. Aber ich konnte durchziehen und es bestand auch wirklich keine Gefahr von hinten. Der Zielsprint wurde aufgrund des in dem Moment heftigen Gegenwinds nur ein „Tempo halten“, aber ok 🙂 Völlig platt war ich im Ziel – die drei Runden waren genauso anstrengend wie die 5 am Vortag.

Alle im Team waren absolut zufrieden mit der eigenen Leistung. Für welchen Platz es gereicht hatte erfuhren wir erst, als wir wieder draußen waren. Der Zweite war es jedenfalls nicht, obwohl ich mich mal gemeldet hatte, als die Frau, die die Staffeln zur Siegerehrung gesucht hatte eben diese suchte und nicht fand ;). Recht viel weiter hinten war es aber auch nicht: wir wurden sensationell Fünfte! Wie geil ist das denn bitte? Das war alles was an dem Tag drin war und das haben wir erreicht. Besser kann man eine Weltmeisterschaft eigentlich nicht beenden und genau so zufrieden war ich auch mit mir und dem ganzen Wettkampfwochenende.

#TeamDeutschland

#TeamBayern

#TeamKatzwang

#TeamKatzwang

Es war eine Meisterschaft, bei der nahezu alles geklappt hat, die Ergebnisse (von den meisten!) mindestens so gut war wie erwartet, eher besser und man eine absolute Menge mitgenommen hat! Sowohl sportlich – wie in aller Ausführlichkeit geschildert – aber das war bei Weitem nicht das Einzige. Es gab so viel mehr tolle Dinge die passiert sind und Menschen die man hier kennen gelernt hat. Alle sind super nett und freundlich, egal woher sie auch kamen. Ich habe niemanden kennen gelernt wo ich sagen würde. Määääh, geh weg. Und das soll was heißen.

Es fängt damit an, dass Lukasz, der im Einzel den WM Titel geholt hat mir auf dem Weg zum Einschießen entgegen läuft und super freundlich grüßt. Das französische Team ist durch die Bank klasse drauf, mit Eric habe ich kurz beim Einschießen gequatscht, ein anderer ist in meinem Semifinallauf kurz vor mir gestürzt, war aber dann schon wieder auf den Beinen bis ich da war und hat sich im Ziel total gefreut als ich mich erkundigt habe ob alles ok ist. Das sind nur Kleinigkeiten, sollen aber beschreiben, wie fantastisch die Allgemeine Stimmung war. 

Und dann waren da natürlich noch Phil und Bill, die beiden Trainer der Briten. Beide könnte man wohl genauso als rüstige Rentner in einem englischen Pub antreffen, aber was die beiden mit ihrem kompletten Team machen ist echt aller Ehren Wert. Ich stand mit Nikolas im Call Room zum Finale, als Phil seine Jungs zu sich holte und ihnen gesagt hat: „Hört mal zu. Ich will, dass ihr eins wisst: ihr seid hier im Finale einer Weltmeisterschaft. Ihr seid unter den 24 besten Kindern der Welt. Es ist vollkommen egal, was jetzt da draußen passiert: ihr gehört zu den allerbesten. Ihr habt schon gewonnen! Habt Spaß!“ Mit so wenigen Worten hat er ihnen komplett den Druck genommen und alles absolut richtig eingeordnet. Leider sah man das auch ganz anders. Umso mehr hat mich diese Situation gefreut. Mit Bill hatte ich in der Coaching Zone eh immer meinen Spaß. Besonders schön war dann auch wie Bill mir zu meinem Lauf / meinen Läufen gratuliert hat und sich ehrlich für mich gefreut hat, dass es so gut lief.

Ich könnte jetzt echt noch viel schreiben, aber der Eindruck, wie besonders es hier war kam hoffentlich rüber. Ich habe noch nie eine so freundschaftliche Atmosphäre in der eigentlich maximal möglichen Wettkampfsituation erlebt. Ich freue mich jetzt schon auf die WM nächstes Jahr in Großbritannien sofern das alles klapp!

Eine weitere Geschichte muss ich an dieser Stelle aber trotzdem noch einstreuen, denn sie ist so besonders, dass man sie eigentlich gar nicht glauben kann. Im Südafrikanischen Team ist ein Starter der Altersklasse 60+ mit dem gleichen Nachnamen wie meiner. Bei „Windt“ ist das schon mal kurios. Ich weiß von einem anderen Deutschen Starter, der ihn kennt, dass er schon mal versucht hat uns zu finden, als wir 2019 bei der WM in Budapest waren, das hatte aber nicht geklappt. Also habe ich ihn diesmal nach seiner Staffel gesucht und angesprochen. Als ich ihm die Situation geschildert habe und ihm erzählt habe wer ich bin, dass wir als ganze Familie hier sind und alle geholt habe hat er sich so gefreut alle zu sehen, dass kann man gar nicht in Worte fassen. Sein Ur-Ur-Großvater ist damals nach Südafrika ausgewandert und er denkt (und bei dem Namen ist die Chance wohl gar nicht sooooo gering), dass irgendwie ein entferntes Verwandtschaftsverhältnis bestehen müsste. Zu mir jetzt nicht, ich bin ja nur eingeheiratet, aber sollte das stimmen wäre das schon eine Wahnsinns Geschichte! In so einer Nieschensportart treffen sich zwei Familien aus Deutschland und Südafrika in Portugal, die seit 5+ Generationen auf verschiedenen Kontinenten leben. Ich habe lange nicht mehr einen Menschen allein aufgrund dieser geringen Möglichkeit so glücklich gesehen!

Johan Windt, Quelle: UIPM World Pentathlon / Nuno Gonçalves: https://flic.kr/p/2nP85PQ

Natürlich haben wir gleich unsere Trikots getauscht – der Name passt ja 😉 – und damit unbewusst einen Trend gestartet. Im Laufe des Tages wurden sehr sehr viele Trikots getauscht. v.a. die Portugiesen haben sich Souvenirs geholt – auch wir haben einige Erinnerungen mitgenommen. Oli hat seines mit einem Jungen aus Großbritannien getauscht, der schon 2019 bei der EM bei ihm im Rennen war. Ich sag ja – diese WM hat so viele so schöne Geschichten gebracht, das war einfach nur fantastisch.

Bleibt noch eine Frage zu klären: Würde ich nochmal Delegationsleiter machen? Ja, schon. Es ist zwar viel Arbeit, aber man bekommt auch einiges „Hinter den Kulissen“ mit! Das Technical Meeting zum Beispiel, oder die Kontakte zu den anderen Coaches/Delegationsleitern. Das kriegt man sonst so gar nicht mit. Auch wenn man dafür auch „nur“ als Trainer da sein könnte. Am Ende war es aber auch das Feedback aus dem Team. Ich dachte schon, ich hätte alle mit Informationen komplett überfrachtet, aber es waren alle froh über die „Informationsdichte“. Das freut mich wirklich, denn ich habe es zwar auch, aber ja nicht nur für mich gemacht. Sollte es ein nächstes Mal geben würde ich vielleicht nur auf das Ferienwohnungsbusiness verzichten 😉

Eine allerletzte Sache noch zum Thema Atmosphäre: Nach den Staffeln standen noch die Parawettbewerbe auf dem Programm. Leider war eine Siegerehrung dazwischen, viele Zuschauer waren dann auch schon weg, aber was die noch da gebliebenen für eine Stimmung gemacht haben war der Wahnsinn. So gut war sie wahrscheinlich bei den Wettbewerben vorher nicht. Die Franzosen haben beim Sieg ihres Rollstuhlathleten ein Fest vom Allerfeinsten abgefeiert! Aber genauso alle anderen ins Ziel gejubelt. Auch das muss man (natürlich unabhängig vom Parawettbewerb) sagen: Egal wie schnell oder langsam du bist – ich habe es nie mitbekommen, dass irgendjemand was blödes sagt oder so. Im Gegenteil. Alle werden beklatscht. Gerade auch die, die am Ende ins Ziel kommen. Von den Zuschauern, den Trainern und auch den anderen, die bereits im Ziel sind. So sollte Sport sein. Immer.

Eigentlich wäre das jetzt ein super Schluss für den Bericht, aber die Reise war ja noch (lange) nicht zu Ende. Und ihr sollt ja in den kompletten Genuss sämtlicher Absurditäten kommen!

Epilog

Nach den Parawettbewerben hieß es also Kofferpacken. Wir hatten das Glück, dass unsere Wohnung noch bis Montag gebucht war. Wir hatten uns die Wohnung geteilt. Unser Flug ging am Sonntag Abend, der der anderen Montag Mittag – also zumindest hier kein Stress. Nachdem das erledigt war hatten wir noch ein paar Kleinigkeiten auf der ToDo-Liste: wir wollten mit der Gondel direkt am Expogelände am Tejo entlang fahren, Oli wollte unbedingt einmal einen E-Roller ausprobieren und wir mussten nochmal ein Blumeneis essen. Und Törtchen! Ich brauchte unbedingt auch nochmal Törtchen 🙂

Los ging es mit der Gondelfahrt. Sie war ganz nett. Muss man nicht unbedingt machten, aber die Fahrt direkt am Wettkampfgelände vorbei und der Blick rüber auf Lissabon auf der anderen Seite des Tejo war schon sehr schön!

Blick aus der Gondel auf das Wettkampfgelände, bereits teilweise abgebaut…

Auf dem Weg zurück zum Eis wurden dann die Roller ausprobiert. Eiiiiiigentlich steht da ja dick und fett in der App „ab 18“, aber naja. Es war weit und breit keine Straße, die „Promenade“ war breit – das ging schon. Außerdem ticken in Portugal die Verkehrsuhren eh etwas anders. Was hier durchgängige Praxis ist ist die Regel: „Eine rote Fußgängerampel ist ein Hinweis darauf, dass man mal schauen sollte ob ein Auto kommt“. Mehr aber auch nicht. Und wenn man sich mal daran gewöhnt hat ist das eine ganz grandiose Regel! Hier lernst du am Ende sicher eine Straße zu überqueren. Bei uns lernst du: Wenn du grün hast läufst du los, im Normalfall schaut aber niemand mehr ob ein Auto kommt. Dann hattest du zwar Recht, aber das bringt dir auch nix mehr. Also: es wurde gerollert! Oli hatte Spaß, wir liefen gemütlich nebenher, alle waren zufrieden 🙂 Und nach Ende der Fahrt waren wir schon wieder fast am Eingang zum Eis. Win-Win-Win! 

Wir sind nochmal am Wettkampfgelände vorbei. Als wir sahen, dass einige Kinder diese Styorporprismen zum Abgrenzen der Strecke umher trugen dachten wir: Wenn wir noch eins bekommen nehmen wir auch eins mit! Jeremy von Ecoaims und Bill waren noch da – ich sagte zu beiden noch Tschüß und mit Bills Hilfe ergatterten wir noch eines der letzten, die noch nicht ganz eingepackt waren.

Also ein letztes Blumeneis, ich bin nochmal Törtchen und Getränke holen gegangen und so langsam ging die Zeit in Lissabon zu Ende. Wir holten unser Gepäck, nahmen den „Gastkoffer“ wieder mit und machten uns auf zur Metro und zum Flughafen. Wir wollten wieder rechtzeitig einchecken, denn wir wussten ja, dass das ein wenig dauern kann 😉 Allerdings hatten wir diesmal einen neuen Plan: Wir sagen diesmal nix bei der Gepäckaufgabe, geben die Koffer auf und schauen, was passiert. Soweit der Plan.

Hürde Nummer 1 war der Weg zum Flughafen. Erstmals waren die Automaten etwas überfüllt und wir mussten warten. Kein wunder, es wollten so einige Sportler:Innen samt Begleitung von hier zum Flughafen. Die Franzosen und Briten waren in z.B. größerer Gruppe unterwegs. Dann haben wir einen Automaten erwischt, der ein bisschen gezickt und die Kartenzahlung verweigert hat. Blöd, da dort nur Kartenzahlung ging 😉 Naja, irgendwann war es geschafft, drei Stationen später waren wir am Flughafen und wir suchten uns den Weg zum Check-In Bereich.

Dort angekommen war der Plan: Self-Checkin! Wir begannen mit dem Prozedere, als ein Mitarbeiter vom Flughafen kam und uns helfen wollte. Job, warum eigentlich nicht, also nahm er uns ein wenig Arbeit ab. Alles lief soweit problemlos, bis es zu den letzten beiden Fragen ging: „Hatten unbefugte Dritte Zugriff zum Gepäck?“ „Nö“ er machte nen Spaß und fragte: „Auch die Kinder hier nicht?“. „Neee auch die nicht“. Letzte Frage: „Führen Sie verbotene Gegenstände mit?“ „Nö“ (haben ja auch alles legal her gebracht ;)). Nächster Scherzversuch: „Auch die Kinder nicht? Keine Spielzeugpistole oder so?“ Na danke! Anlügen kannste ihn ja jetzt auch nicht… „Najaaaaaa, also. Sowas schon….“ And so it started again. Aber ich kann es schon mal vorweg nehmen: es wird nochmal absurder als es in München schon war…!

Nunja, also keine Chance am Self-Checkin, sondern ab zum normalen Schalter. Dort die Geschichte nochmal erzählt und als Antwort bekommen: „Ja, das ist kein Problem. Wir brauchen nur eine Bestätigung von der Polizei, dass das alles so ok ist, dann nehmen wir das Gepäck an. Da und da lang bitte.“ Ok. Polizei. Spannend. Aber eigentlich gar nicht dumm, vielleicht haben wir dann mal was wirklich Offizielles in den Händen, etwas, dass man Wiederverwenden kann. 

Nachdem wir die Polizeistation gefunden hatten sahen wir erstmal eine recht lange Schlange vor uns. Als ein wenig Zeit vergangen war sahen wir, dass die Schlange immer noch recht lange war. Genauso lange wie davor um genau zu sein, denn es tat sich nix. Innen war ein Polizist beschäftigt, aber das zog sich offensichtlich. Irgendwann mussten wir uns überlegen was wir tun, denn das Ende der Gepäckaufgabe lag zwar noch nicht unmittelbar vor uns aber auch nicht mehr stundenlang entfernt. Also entschlossen wir uns dazu uns aufzuteilen. Ich nahm mit den Kindern das Gepäck mit, wir wollten nochmal den Self-CheckIn machen und es wirklich drauf ankommen lassen. Sollte sich in der Polizeischlange noch was tun brechen wir das ab und kommen wieder zurück. Und natürlich war es genau so: Gerade an den Schaltern angekommen bimmelte das Telefon: „Es tut sich was, kommt nochmal!“ Also Kommando zurück und wieder zur Polizei. Mittlerweile war ein weiterer Polizist da, der die Schlange „durcharbeitete“ und abklärte was wie getan werden konnte. 

Wir warteten also nochmal ein wenig bis wir dran waren – und erzählten unsere Geschichte erneut. Man muss an der Stelle mal sagen: die Leute waren auch hier alle durchgängig echt freundlich und hilfsbereit. Der Polizist hier wusste aber nicht was er jetzt genau tun sollte. Er hat uns erklärt: für ihn ist das eigentlich kein Fall, denn es handelt sich ja offensichtlich nicht um eine Waffe. Da hat er nichts, was er uns ausstellen könnte! Na bravo. Und nun? Naja, das schob er gleich hinterher: er kommt mit uns mit zum Schalter und klärt das. Vorher schauen sie sich das in einem Polizeiraum nochmal an. Somit hätten wir zwar schriftlich nix, aber er regelt das am Schalter direkt. Na das ist doch auch schon was! Also zum dritten mal zur Gepäckaufgabe! Kurzer Stop zum Pistolencheck – den verdutzten Gesichtern nach fragten sich die Kollegen da drin gleich nochmal was sie hier machten – und weiter zum Schalter. Der junge Mann dort hat gleich mal präventiv gesagt, dass er das zum ersten mal macht und hofft, dass er gleich alles richtig findet, aber sein Kollege neben dran half mit. Wie gesagt: super freundlich und hilfsbereit alle! Während wir da so standen und warteten eskalierte ein Passagier 5 Schalter weiter, sodass unser Polizist erstmal dort die Situation klären und Kollegen rufen musste. Die Zeit war mittlerweile schon weiter fortgeschritten, aber seitdem wir unseren persönlichen Cop an der Seite hatten war mir das alles egal, die Sache lief. Ohne uns geht hier nix mehr! 😉 Entsprechend hatten wir schon Spaß in unserem Gruppenchat der WM. Als wir dann bei ihm fertig waren fuhr nur einer der drei Koffer direkt hier über das Band, die anderen beiden (die mit den Pistolen) mussten wir wieder mitnehmen und damit zum Sperrgepäck. Warum? Wissen wir nicht ganz genau. Ich glaube, weil dort die Gepäckcrew direkt scannt und den Daumen heben oder senken kann. Zum Glück begleitete uns der Polizist auch da hin. Die Schlange dort war so lange, dass er kurzerhand das Absperrband weg tat, uns durch winkte und wir den „Express-Check-In“ bekamen. Geil! 😀 Er hat noch zwei, drei Worte mit den Leuten gewechselt und schon waren auch die beiden letzten Koffer unterwegs. Fantastisch! Nun begleitete er uns noch zur Sicherheitskontrolle bevor er sich verabschiedete. Vielleicht war das auch eine ganz angenehme Beschäftigung, wer weiß, was er sonst so zu tun gehabt hätte 😉

Prisma -> Handgepäck. Na klar! 🙂

Jetzt war alles erledigt. Die Sicherheitskontrolle verlief problemlos, obwohl wir ja immer noch das riesen Prisma dabei hatten. Sicherheitshalber hat das die Kleinste in die Hand bekommen, den Kindern schlagen sie ja in der Regel auch am Flughafen keine Wünsche ab 😉

Eigentlich war alles klar für dein Heimflug. Wir machten es uns vor dem Gate gemütlich an dem wir wegfliegen sollten, kauften noch nen Happen zu Essen und einen Kaffee – der Abend wird ja noch lang, da schadet ein Schuss Koffein nix. Es hätte alles so einfach und problemlos sein können…

Epilog 2

… bis kurz vor Abflug die Durchsage kam: „Liebe Passagiere, unser Flug nach München ist leider Überbucht…“

Um mir selber nicht wieder schlechte Laune durch das Tippen zu machen spare ich mir die Details 😉

Lost at TAP-Service. Später ging noch das Licht aus …

Törtchen in the Morning um den Tag halbwegs gut zu starten!

Am ende ging dann doch alles gut. Ein Highlight bot der Rückflug sogar noch für mich: Beinfreiheit! Juhu!

Zur Abwechslung mussten wir ganz am Ende noch ein letztes Problem meistern – wir hatten ja lange keins mehr: Vom Gepäck fehlte nahezu jede Spur. Nahezu deshalb, weil eines der drei Gepäckstücke kam, der Rest aber nicht. Zum Glück die Pistolen! Warum gerade die da waren ist mir aber unerklärlich. Wäre nur das normal aufgegebene Gepäckstück gekommen oder nur die beiden Sperrgepäckstücke hätte ich es ja verstanden… aber so? Witzigerweise haben die beiden Portugiesen vom Vortag auch diese Verbindung genommen und warteten ebenfalls auf einen von zwei Koffern. Man oh man. Also mal wieder zum Schalter. „Jo, die stehen noch in Lissabon, wurden noch nie gescannt“. Ok! Daten aufgenommen, „Nachsendeauftrag“ erstellt. „Heute fliegen sie wahrscheinlich nicht mehr mit, aber morgen dann. Spätestens Donnerstag sollten sie da sein!“ Und ganz ohne Cliffhanger: waren sie dann auch. Direkt vor unserer Haustür!

Ganz unspektakulär ging die Reise dann auch wirklich zu Ende. Kurz noch das Parkticket nachgelöst (problemlos!), kein geplatzter Reifen oder technischer Defekt auf der Autobahn, keine Totalsperre. Ein unglaubliches Erlebnis ging zu Ende. Was für eine Reise!

 

Zum Abschluss Poste ich noch ein paar Links ohne groß was dazu zu schreiben. Ecoaims hat eine coole Auswertung der einzelnen Läufe online. Schießzeiten, Laufzeiten und sogar Trefferbild!

https://ecoaims.com/results

Direkt zu meinem Halbfinale: https://laser.ecoaims.com/view/resultboard/4ERCEK 

Mein Halbfinale:

Direkt zu meinem Finale: https://laser.ecoaims.com/view/resultboard/BF3BWG 

Mein Finale:

Direkt zur Staffel: https://laser.ecoaims.com/view/resultboard/NAXA5L 

Unsere Staffel:

Außerdem gibt es hier die offiziellen Fotos der UIPM zum durch klicken: 

Tag 1: https://www.flickr.com/photos/worldpentathlon/albums/72177720302346325

Tag 2: https://www.flickr.com/photos/worldpentathlon/albums/72177720302387283 

Tag 3: https://www.flickr.com/photos/worldpentathlon/albums/72177720302411619 

Und zu guter letzt das offizielle Ergebnis:

https://www.uipmworld.org/event/uipm-2022-laser-run-world-championships

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