Mammutmarsch München 2018

„Drei mal Abbiegen bis Italien“ – Unsere Geschichte vom Mammutmarsch!

Prolog

Wie startet man mit einer Geschichte, bei der man selbst noch nicht so ganz verstanden hat, was genau da eigentlich passiert ist und was man vollbracht hat? Am besten mit Musik:

Der Himmel ist blau und der Rest deines Lebens liegt vor dir
Vielleicht wär es schlau, dich ein letztes Mal umzusehn
Du weißt nicht genau, warum – aber irgendwie packt dich die Neugier
Der Himmel ist blau, und der Rest deines Lebens wird schön, yeah

Ein gutes Gefühl – und du weißt, es wird gut für dich ausgehn, yeah

Die Ärzte – Himmelblau (Youtube)

 

Dieses Lied ist für mich persönlich mit positiven Erinnerungen verknüpft wie kaum ein zweites und es sollte mein erster Begleiter für diese Geschichte werden… aber von vorne. Als Chrissy mich 2017 auf diese eine Veranstaltung bei München aufmerksam machte war die Zeit zum damaligen Start zu knapp und auch als Helfer konnten wir uns nicht mehr freiwillig melden (wer hilft bekommt im Folgejahr einen Gratisstartplatz). Das wäre aber auch gar nicht so einfach geworden, schließlich wurde das Baby zu der Zeit noch gestillt. Im Nachhinein betrachtet war es auch gut die ganze Geschichte nicht ganz so überstürzt anzugehen und zumindest ein bisschen Vorbereitung zu haben. Nichtsdestotrotz setzte sich die Idee der Teilnahme 2018 bei uns im Kopf fest und wir meldeten uns ziemlich fix nach der Öffnung des Meldeportals an. Somit stand es also fest. An 28. und 29. Juli 2018 würde unser persönlich größtes (sportliche) Ereignis stattfinden. Der Mammutmarsch. Wandern. 100km. 24h.

Die Zeit verging und der Mammutmarsch war noch (sehr) weit weg. Irgendwann im Frühjahr begannen wir mit der ersten groben Planung. Irgendwie sollten wir für dieses Projekt durchaus mal üben gehen (gefordert war unter anderem mindestens eine Probewanderung über 35km – upsi ^^). Wie man im Blog nachlesen kann hatten wir vier Wanderungen um alles an Equipment zu testen. Die längste davon war 33,3km – also ein Drittel der Strecke. Das musste reichen denn mehr war mit den drei Kindern einfach nicht mit vertretbarem Aufwand zu machen. Meine Ausrüstung blieb ziemlich exakt so bestehen wie ich sie im letzten Post beschrieben hatte. Ergänzt wurde Liste noch um kleine Salzbeutelchen (wir hatten die kleinen, die es nach der Ikea-Bistro-Kasse gibt eingepackt – eine wie sich später herausstellen sollte geniale Entscheidung!) und die Verpflegung, die wir an die VPs bringen ließen. Wir hatten nämlich das „große Paket“ gebucht – neben einem Teilnehmer-T-Shirt gab es da noch den Transport von drei Verpflegungsbeuteln zu VP2, VP3, bzw. VP4. An VP1 und VP5 konnte man nichts liefern lassen. Was ich im Einzelnen eingepackt hatte kann ich gar nicht mehr genau sagen. Meine Planung sah am Ende so aus:

Nachdem an diesem Tag auch endlich meine Teilnehmerkarte in der Post war (mit der man sich vor Ort „ausweist“) packten wir am Abend soweit alles zusammen. Die Großeltern waren für die Kids organisiert, ich bastelte mein eigenes „Roadbook“, das ich im Endeffekt nur spazieren trug ;)) fertig:

und wir wollten natürlich noch irgendwas futtern. Chrissy kochte Nudeln – unser Plan war, die zu den Verpflegungsstationen bringen zu lassen und dort mit Pesto gemischt zu futtern. Irgendwie hatte ich aber enorme Lust auf Pizza und so gar keine große Lust auf Nudeln. Also orderte ich mir mit Kind 2 eine große und eine Familienpizza mit dem Hintergedanken das was übrig bleibt am nächsten Tag mitzunehmen.

Kapitel 0

Am nächsten Morgen meinte es das Baby auch ganz gut mit uns und weckte uns erst um kurz nach 7:00Uhr. Ausschlafen, sozusagen. Das ist vielleicht auch nicht das Schlechteste 🙂

Wir bereiteten nach dem Frühstück die letzten Dinge soweit vor, die Großeltern waren auf 9:30 bestellt. Eigentlich wollten wir um 10 Uhr los. Erstes Ferienwochenende in Bayern – da weiß man nie wie man durch München kommt …und auf Zeitstress hatte ich absolut keine Lust. Das hat dann auch alles bestens funktioniert. Sie kamen pünktlich um 9:30 Uhr, wir waren im Großen und Ganzen startklar und konnten kurz vor 10 zu unserem großen Abenteuer aufbrechen! Ab zum Starnberger See!

Die Fahrt verlief bis auf eine kleine Verzögerung vor einer Baustelle komplett easy. Im Auto lief die Playlist vor sich hin – hier prägte sich für später eine weitere Textzeile in meinen Kopf ein:

Ich bin ein positiver Mensch, das Leben ist okay
Ich kann die guten Dingen seh’n in all der Negativität

Kraftklub – Für Immer (Youtube)

Unterwegs tankte ich die erste(n) Ladung(en) Koffein. 2 kleine Cola, eine große Mate. Läuft, der Grundstein war gelegt. Nach einem kurzen Stop an der Autobahnraststätte erreichten wir ziemlich um 12:00 Uhr mittags das Veranstaltungsgelände:

Der „CheckIn“ hatte auch schon offen (eigentlich für 14 Uhr angegeben) – also meldeten wir uns an, erhielten unsere Verpflegungsbeutel, ein „Läuferbändchen“ und das offizielle Streckenheft in dem bis ins kleinste Detail alles dokumentiert war:

Es war ja noch genug Zeit, also gingen wir zum Auto und wollten unsere Beutel packen – blöderweise parkten wir auf einem Privatparkplatz einer Jugendeinrichtung und wurden gebeten unser Auto die Straße runter zu stellen. Also, zuerst umparken, dann Beutel packen. Nachdem wir diese kurz darauf abgegeben hatten (Nummer 10 und 11 – nur um zu verdeutlichen WIE früh wir da waren :)) gingen wir zu den nahegelegenen Supermärkten und holten noch etwas Obst und ein Käsebrötchen, ich aß zusätzlich eine mitgebrachte Nussschnecke. Grundlagen schaffen – wie mit dem Koffein! Zurück zum Auto ging es wieder am Gelände vorbei und wir ließen von anderen Teilnehmern noch ein „Vor-Start-Foto“ von uns an dem „Selfi-Plakat“ machen:

Danach zogen wir uns am Auto um, gingen wieder zum Gelände, suchten erst die Toiletten, dann ein schattiges Plätzchen und warteten bis es los ging.

Die allgemeine Stimmung war extrem entspannt. Während des Wartens beobachteten wir das Treiben der anderen, lauschten mehr oder weniger freiwillig deren Gesprächen und halfen noch einem Starter neben uns die Streckenkarte in die Komoot App zu bekommen. Komoot war zusammen mit der gelieferten Strecke, um es gleich vorneweg zu nehmen, fantastisch. Ein Problem hatte ich zwar, aber dazu später mehr.

Den Rest der Zeit verbrachten wir mit sitzen/liegen, den Trommlern lauschen und witzigen Bildern machen 😉

Chrissy zog es dann nochmal zur Toilette. Somit verpassten wir das „Gesamtteilnehmerfoto“ (alleine wollte ich auch nicht). Naja, gut, wir hätten es vielleicht noch geschafft … aber eigentlich blieben wir einfach lieber im Schatten. Kurz darauf erfolgte dann die Aufforderung an die Teilnehmer der ersten Startgruppe zum „Startpavillon“ zu kommen. Kontrolliert wurde – wie auch später auf der Strecke – nichts. Jeder ist für sich selbst verantwortlich und wer bescheißt, der bescheißt sich nur selbst. Wir stellten uns unter das kleine Zelt (Schatten!) und warteten die letzten 10 Minuten darauf, dass es los ging.

 

Kapitel 1

Einen kurzen Countdown später war es soweit! Unter dem Applaus der „Offiziellen“, der späteren Starter und den Klängen der Trommler, die uns zum Ausgang des Geländes begleiteten gingen wir unsere ersten Schritte ins Abenteuer 100km Wanderung!

Der erste Teil der Strecke führte vom Sportplatz auf kürzestem Wege Richtung Starnberger See. Kurz nachdem wir an unserem geparkten Auto vorbei kamen war der See das erste Mal zu sehen.

Wir konnten allerdings nicht wie ursprünglich geplant direkt zum Seeweg gehen. Die Veranstalter wurde kurzfristig informiert, dass da heute das „Seefest“ stattfindet. Somit wurde die Strecke kurzerhand geändert und wir wurden alle auf einen mehr oder weniger parallelen Weg etwas oberhalb geleitet. Alles kein Problem. Da wir uns vor dem Start unter den Pavillon waren wir natürlich sehr weit vorne im Starterfeld und witzelten kurzzeitig, dass das Gesamttreppchen im Blick und die Position als Erste Frau unbedingt gehalten werden müsse! Wir entfernten uns wieder etwas vom See und mussten die nächsten Meter entlang der Tutzinger Hauptstraße laufen. So schön die Gegend da unten ja ist: die (Haupt)Straßen durch die Orte am See sind eine Katastrophe. Und das ist noch freundlich formuliert. Das negative Highlight folgte prompt: eine Radlerin schmiss es ein paar Meter hinter uns von ihrem Fahrrad. Passiert ist zum Glück nichts, sie ist anscheinend an einem parkenden Auto hängen geblieben. Da ihre Begleiter auch direkt bei ihr waren sind wir alle gleich weiter und hatten die Situation schnell abgehakt. Zum Glück ging es danach wieder zum See runter und an einem schönen Uferweg entlang. Überall waren Menschen aus der Umgebung die der Hitze entfliehen, bzw. das Bestmögliche aus ihr machen wollten und sich die Zeit am See vertrieben. Die Gedanken der Badegäste hätten mich ja schon interessiert. Zwischendurch wurde man auch immer wieder angesprochen was wir denn hier machen würden. Die Reaktion war in der Regel ein beeindrucktes: „Woah. Krass!“. Teilweise anerkennend um ein „Viel Erfolg!“ ergänzt, teilweise etwas verwirrt und teilweise vielleicht auch – nachvollziehbarerweise – einfach nur absolut ungläubig. Oder die Leute haben gar nicht ganz kapiert was sie jetzt da als Antwort bekommen haben. Wir marschierten also so vor uns hin und ließen die Umgebung auf uns wirken…

Es waren, auch wenn man es auf den Bildern nicht sieht, wirklich viele Menschen hier am See – wahrscheinlich war das bei dem Wetter jetzt aber auch eher normal – auf mich wirkte es viel. Was ich bis heute absolut nicht kapiert habe war der Golfplatz, der direkt an eine Liegewiese angrenzte. Das geht immer noch nicht ganz in meinen Kopf rein. Nach nicht ganz der Hälfte des ersten Abschnitts bis zum VP1 lag dann eine Getränkeflasche am Weg die offensichtlich einem der Läufer gehört. Wir hatten schon eine Vermutung wer es war (der „Herr in Rot“ auf dem ersten Foto nach dem Start). Nachdem wir erst weiter gelaufen waren drehte ich nochmal kurz um und hob sie auf … bei dem Wetter kann man sein Getränk echt gut gebrauchen dachte ich. Wir wussten zwar nicht, ob wir ihn nochmal sehen würden, da er ne gute Ecke schneller war als wir, aber liegen lassen wollten wir die Flasche dann auch nicht und zur Not hätten wir sie halt am VP abgegeben. Ich nahm also eine meiner Flaschen aus dem Seitenfach des Rucksacks in die Hand und transportierte dafür die andere Flasche im Rucksack. Das ich meine tragen musste war kein großes Ding. Naja, jetzt hatte ich halt unnötiges Gewicht dabei … aber das sollte nicht das letzte Extragewicht sein, dass ich spazieren trug 🙂

Nach ungefähr 2/3 der Strecke zum ersten VP – oder rund 12km oder 2 Stunden – ging es dann vom See weg durch ein kleines Waldstück und in Richtung Starnberg. Hier waren wir dann wieder in einer völlig anderen Welt. Was hier in einer Dichte an Geld in Form von Autos, Häusern und sonstigen Wertgegenständen herumsteht ist schon krass. Der Elefant in der Garage war da schon noch irgendwie normal 🙂

Weiter ging es etwas später an der Uferpromenade in Starnberg entlang und der Eindruck verfestigte sich weiter. Als wir an einem Hafen..Club(?) vorbei kamen prallten durch die Gäste dort und die Schaar an Mammutmärschlern zwei Welten aufeinander. Ich schätze 95% der einen Welt versteht nicht, warum die andere so ist wie sie ist, bzw. wie sie denn überhaupt ist. Und umgekehrt genauso. Auch hier witzelten wir wieder, ob wir nicht mit unseren Bändchen zum „Türsteher“ gehen und uns mal nen Cocktail machen lassen sollten.

Kurz vor dem Ortsausgang war es dann geschafft: wir liefen auf VP 1 zu und wurden von HelferInnen/Orgas(?) bereits an der Abzweigung zum VP begrüßt und zu den Ständen gelotst. Als allererstes freute ich mich den „Man in Red“ zu sehen und gab ihm seine Flasche wieder. Er freute sich ebenfalls, auch wenn er sich zwischenzeitlich einen Ersatz organisiert hatte. Hier fiel mir erst auf, dass er definitiv einer der ältesten Starter im Feld gewesen sein dürfte. Entsprechend war das Tempo mit dem er das Ganze bis hier hin anging nochmals beeindruckender für uns. Im Gespräch erzählte er dann, dass er beim Rennsteig dieses Jahr ähnlich unterwegs war – er wusste also offensichtlich was er da tat. Wir ließen uns von den durchgängig netten HelferInnen an den VPs die Flaschen füllen. Allerdings bekam meine Verpflegungsstrategie hier einen Dämpfer: ich wollte eigentlich eine Flasche, die ich leer mitnahm auffüllen lassen um für den nächsten Abschnitt mehr Wasser dabei zu haben. Dummerweise lag die Flasche wohl im Auto und mir fehlte somit ein geplanter Liter Flüssigkeit. Tja. „Ist halt so“. Dieser Satz sollte uns im weiteren Verlauf oft und ausgiebig begleiten. Er ist so schlicht, aber es steckt so viel drin. Situationen die man nicht mehr beeinflussen oder ändern kann einfach so zu akzeptieren wie sie sind ist vielleicht das Wichtigste, was man im „Ultrabereich“ können muss. Das kann ich mittlerweile aus Erfahrung und Überzeugung so sagen. Und um auf das Kraftklubzitat vom Anfang zu kommen: Das Positive an der Sache war: Ein Kilo weniger zu tragen! Dann ging es noch auf die noch frischen Dixis (ein weiterer Vorteil der frühen Startzeit! :)), wir nahmen uns eine Banane, Salzstängchen und ich noch einen Kaffee. Außerdem lag da ein Schokomilchbrötchen. Ich hatte so unglaublich Bock auf das Ding, dass ich es glaube ich in zwei oder drei Bissen vernichtet habe. Fantastisch! in Selfie später…

…bauten wir unsere Stöcke zusammen und machten uns auf den Weg.

Kapitel 2

Diesen Teil hatte ich innerlich als den härtesten gespeichert. Es war zwar erst der Zweite Abschnitt, aber es würde der Längste sein. 24km von VP1 zu VP2, am Ende hätten wir 41km in den Beinen – so viel wie bisher überhaupt noch nie! – und die Nacht wäre auch schon angebrochen. Aber eins nach dem anderen. Kurz nach dem VP hatten wir Starnberg verlassen. Der Herr in Rot hatte ein paar Probleme mit der Navigation – er hatte kein Smartphone o.ä. dabei und mit den gesprühten Pfeilen und dem Navigationsheft kam er nicht so ganz klar – und gesellte sich zu uns. Ich fand die Streckenmarkierung übrigens beeindruckend gut – vor allem wenn man bedenkt, dass es sich um 100 Kilometer handelt die markiert werden müssen! An jeder (!) Kreuzung / Richtungsänderung waren Pfeile am Boden, in der Regel auch zwischendurch ein paar „Beruhigungspfeile“. Da kann sich so manche Veranstaltung eine Scheibe abscheiden! In Begleitung verließen wir also nach einem ersten Anstieg Starnberg. Auf dem Höhenprofil war das einer der drei „knackigen“, in der Realität war er ganz easy zu laufen. Über Felder ging es zum nächsten Dorf. An einem Apfelbaum dazwischen sahen wir erstmals ein „Motivationsschild“:

20km waren also geschafft! Ob es ein solches Schild bei 10km auch schon gab versuche ich noch herauszufinden, gesehen haben wir keins 🙂 Wir machten irgendwo eine kurze Pause (warum kann ich nicht genau sagen), jedenfalls ging unsere Begleitung weiter und unterhielt sich mit einem anderen Wanderer. das fanden wir auch ganz gut, denn irgendwie ist es dann doch komisch wenn man mit anderen zusammen läuft. Man hat zwar eigentlich ständig jemanden um sich auf den 100km, zumindest in Sichtweite, aber so wirklich ist man dann doch lieber allein. Etwas später ließ er sich dann aber wieder fallen und lief ein Stück mit uns bis nach Schäftlarn. Dort stoppte er an einer Bank um seinen Rucksack umzupacken und wir waren wieder unter uns. Gesehen haben wir ihn im weitern Verlauf nicht mehr… interessieren würde mich ja aber schon wie es für ihn weitergegangen ist.

Nun folgte ein komplett neuer Eindruck. Nach Schäftlarn ging es zum Einen erstmals länger und relativ steil bergab, zum Anderen führte der Weg an der Isar entlang. Es war zwar auch Wasser, ebenfalls zur rechten Seite, trotzdem landschaftlich natürlich ein ganz anderer Eindruck als der Starnberger See. Kilometer 25 hatten wir mittlerweile passiert und es setzte irgendwo auf diesem Weg den ersten Dämpfer… Zeitlich waren wir jetzt ungefähr bei 20:30Uhr und wir hatten mit der Family ausgemacht dass sie uns mal anrufen, bevor sie mit den Kids ins Bett gehen. Als ich hier auf’s Telefon sah waren drei verpasste Anrufe von vor knapp einer Stunde zu sehen. Mist. Der Rückruf von mir aus klappte nicht – eine Mischung aus „kein Netz“ und „gehen nicht ran“. Das war tatsächlich mies für die Laune, da half es auch nicht so sehr, dass wir das Schild für Kilometer 30 passierten:

   

Ich war mir zwar ziemlich sicher, dass die Kinder noch nicht schlafen würden und sie uns später noch anrufen, allerdings war ich mir auch nicht so sicher, ob die Kinder da nicht vielleicht schon schlafen würden. Der Weg zog sich weiter an der Isar entlang und mit dem zweiten im Gedächtnis als „relevant“ markierten Anstieg ging es von dem Weg hoch in Richtung Buchenhain. Hier wurden wir vor dem ersten Haus von Sanitätern im Rettungswagen begrüßt. An dieser Stelle möchte ich kurz erwähnen wie fantastisch die „Versorgung“ durch das Rote Kreuz war. Auch wenn wir sie nie in Anspruch nehmen mussten stand in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen ein Rettungswagen an der Strecke, die SanitäterInnen waren, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit immer freundlich und gut drauf. Und allein das Wissen um deren Anwesenheit (erzählen können die Orgas vorher ja viel ;)) beruhigt doch ungemein! Also: großes Lob an dieser Stelle! Das „erste Haus in Buchenhain“ stellte sich als Hotel/Gaststätte aus. Man hörte Musik aus dem Garten und irgendwie passte es zu dem ganzen Bild, dass bereits in meinem Kopf vom „nahen Münchner Umland“ war und sich bis hier hin weiter verfestigt hatte, dass es sich hierbei um Geigerinnen handelte, die direkt am Tisch spielten. In „meiner Welt“ sind die Geigerinnen kleine dicke Mexikaner mit Sombrero und einer Ukulele, gefolgt vom „Rosenmann“. Tja. Andere Welt eben!

Ein paar Schritte weiter kam uns eine ganze Gruppe entgegen, die offensichtlich falsch gelotst wurde – der Track hatte hier sein einziges Problem und in deren App in eine Sackgasse geführt – ärgerlich! Für uns praktisch, dass sie gerade jetzt wieder kamen, wir konnten uns einfach dranhängen. Später stellte sich heraus, dass wir schon vor/bei den Sanis hätten scharf abbiegen sollen, aber in das Heft hat wohl keiner geschaut, alle haben sich auf den digitalen Track verlassen, auf den bis auf diese Stelle auch zu 100% Verlass war! Wir liefen unter der S-Bahn hindurch und als wir drüben waren wurden wir lautstark von der anderen Seite gefragt wo es denn da rüber geht. Wir haben die anderen kurz gelotst und gingen weiter.

Nachdem wir Buchenhain direkt wieder verlassen hatten und in einem ersten Waldstück waren klingelte mein Telefon – JUHU! – zu Hause war alles gut, die Mädels schliefen schon, der Große noch nicht. Es war echt schön mit ihm zu telefonieren, auch wenn ich nicht mehr sagen kann was wir gequasselt haben. Vorher hat er uns mit der Ansage los geschickt „MINDESTENS 70km“ zu laufen. Ich habe kurz überschlagen, dass wir das bis zum nächsten Morgen – da wollte er nach dem Aufstehen wieder anrufen – geschafft haben müssten, wenn es so weiter läuft wie bisher und wir gingen frisch motiviert weiter.

Wir sind jetzt ungefähr zehn Kilometer vor VP2. Es wurde merklich dämmrig und es folgte ein langes Stück durch den Forstenrieder Park – ein Waldgebiet, in dem wir ein Wildgehege durchquerten. Grundsätzlich vielleicht nicht die beste Idee das Nachts zu machen, aber „ist halt so!“ Am Anfang war es noch ok mit der Sicht – trotz Wald war es durch Dämmerung und Vollmond hell genug um ohne Lampe zu laufen. Wir kamen zum Eingang vom Wildgehege an dem wieder HelferInnen waren, die das Tor für einen öffneten und schlossen. Das war bestimmt eine gute Entscheidung, denn irgendjemandem wäre das Tor sonst bestimmt offen geblieben. Die beiden hatten es sich da mit Kerzen in Gläsern und einem leichten Unterstand echt gemütlich gemacht – die Einladung, wir dürften gerne da bleiben – sie wären noch bis 4 Uhr früh hier, schlugen wir aber direkt aus 🙂 Irgendwo hier sagte ich glaube ich zum ersten mal zu Chrissy: „Weißt du was? Wir machen das fei ziemlich gut!“. Schließlich hatten wir gerade unsere größte Distanz der Probewanderungen überschritten und betraten somit ab sofort komplettes Neuland.

Im Wald war es dann einerseits witzig die Lichter der Anderen leuchten zu sehen, andererseits war es auch ziemlich öde. Wald, dunkel… alles eintönig, keine Abwechslung für den Kopf… Also: Unterhaltungsprogramm raus! Ich hatte vorher viel technischen Adapter-Krimskrams gekauft, damit wir über ein Telefon gleichzeitig hören können. Warum ich nicht einfach die Musik (bzw. in diesem Fall das Hörbuch „Thees Uhlmann – Sophia der Tod und Ich“) auf beide Geräte gemacht habe und jeder hätte seinen eigenen Kopfhörer bekommen weiß ich nicht, aber auch hier kommt mir ein Zitat daraus in den Sinn:

Der Tod: „Sag mal bist du so bescheuert oder tust du nur so?“

Ich: „Keine Ahnung, aber diese Frage habe ich mir auch schon oft gestellt!“

Thees Uhlmann – Sophia der Tod und Ich

 

Das kleinste Problem an dieser Lösung war, dass ich mir ab und zu durch die Laufbewegung mit den Stöcken die Kopfhörer aus dem Ohr riss. Nervig war, das der Ton bei Abzweigungen immer leise wurde und ich das Telefon raus nehmen musste um das Display anzumachen. Dann wurde der Ton bis zur nächsten Navigationsanweisung wieder „normal laut“. Das allerblödeste war aber: Deezer (Hörbuch) und Komoot (Navigation) vertrugen sich nicht. Ab dem Moment, in dem ich das Hörbuch anmachte kamen keine Sprachansagen von Komoot mehr. Es war so enorm angenehm das Telefon einfach laut in der Hosentasche zu haben und sich die Abzweigungen entgegenrufen zu lassen. Tja, damit war es jetzt vorbei, die restlichen rund 65km mussten wir ohne Sprachansagen auskommen. Ein Neustart von Komoot oder dem Telefon hätte sicher geholfen, aber das war nun wirklich keine Option! Wir schlängelten uns also so durch den Wald und mir wurde langsam wirklich klar, dass wir mittlerweile so weit gelaufen waren wie bisher noch überhaupt nie. Krass!

Als etwas später das Wildgatter im Boden in Sicht war um das Gehege zu verlassen hörte ich durch das Hörbuch ein Geräusch, dass ich erstmal nicht zuordnen konnte. Stöpsel raus. Hatte was von einem Meerschweinchen. Nur laut. Und Trampeln. Ouha!! Neben uns im Wald war ein Trupp Wildschweine wohl etwas angenervt von unserer Wandergruppe! Wir hatten es nicht mehr weit und außer dem Geräusch hatte ich auch nichts von den Wildschweinen mitbekommen – als wir über dem Gatter waren war ich dennoch ziemlich froh!

Kurz darauf hatten wir dann auch das Ende des Waldes und somit Fürstenried erreicht. Wir wurden auch hier wieder von einem Rettungswagen begrüßt und machten uns dann auf in die Ortschaft. Hier kamen wir an einem Italiener vorbei, der bereits geschlossen hatte und mir wurde das erste mal bewusst wie spät es eigentlich schon ist. Wir hatten jetzt ca. 23 Uhr, bzw. knapp 8 Stunden in den Beinen! Hier hatte Chrissy dann echt zu kämpfen. Die Beine wollten in diesem Moment nicht mehr so wirklich (muskulär) und mir kam die Geschichte von Flo (Schnaufcast) in den Sinn, der vor wenigen Wochen mit einem Kumpel ebenfalls die 100 KM wandern wollte, dieses vorhaben aber nach 50km abbrechen musste, da sein Kumpel eben muskuläre Probleme hatte. Gleichzeitig kam mir aber auch der andere Flo (vom laufendentdecken Podcast – vielleicht schreibe ich ab jetzt „Labestation“ statt VP? :)) in den Sinn, bei dem ich aufgeschnappt habe, dass in solchen Situationen Salz ein ziemlich guter Rat ist! Also sagte ich nur „nimm doch mal ein Salz!“ und es war wohl genau richtig nur genau das zu sagen! Das Salz schlug an, wir konnten weiter gehen. Wir überquerten die A95 und ein weiteres kleines Zwischenziel war erreicht, da hier früher Verwandschaft wohnte und wir das doch mal sehen wollten! „Wir machen das fei ziemlich gut!“ streute ich eher so beiläufig ein und kurz darauf kam das Schild für Kilometer 40:

… und der Verpflegungspunkt an der Grund- und Mittelschule Fürstenried war so gut wie erreicht! Im Prinzip mussten wir noch zwei mal abbiegen, auch wenn das etwas fies ist. Ich sagte auch zu unserem Sohn schon mal: „Wenn wir auf der Autobahn sind müssen wir noch drei mal abbiegen, dann sind wir in Italien!“ Aber in diesem Fall sind zwei mal abbiegen bei knapp zwei Kilometern rund 20 Minuten und in anbetracht der Gesamtstrecke durchaus mit „gleich“ ganz gut beschrieben. Das Gefühl, wenn man nach diesem gefühlt ewig dauernden Abschnitt in die Straße des VPs einbiegt, man die Leute und ihre Begleiter (einige Fahrzeuge in de Straße waren eindeutig Begleiter – gut zu erkennen an den Luftmatratzen im Kofferraum und/oder den Campingstühlen davor), sowie den obligatorischen Rettungswagen sieht und einfach weiß, man hat einen großen Brocken geschafft, ist schwer zu beschreiben. Das letzte mal hatte ich es so ähnlich wohl bei meinem ersten Halbmarathon als ich auf der Zielgerade war und auf der Uhr gesehen habe, dass ich mein Zeitziel erreichen würde. Eine Mischung aus Glück und Erleichterung, einfach eine Befreiung überkommt einen. 41km waren im Sack, die nimmt uns keiner mehr.

Im Gelände selbst mussten wir uns erstmal kurz orientieren. Hier ist der Urkundenausdruck für die, die aussteigen wollen (das war an VP2, VP3 und VP4 mit Urkunde möglich), im nächsten Zelt waren Verpflegung (Banane, Müsliriegel, Milchbrötchen – leider ohne Schokolade :(, Salzstangen) und noch ein Zelt weiter die Getränke: Wasser und Eistee. Wo war die Beutelausgabe?! Chrissy zog mich mit einem „Hier!“ zum Urkundenausdruckzelt und ein Helfer leuchtete mit der Taschenlampe auf das entsprechende Schild für die Ausgabestelle… Da war mein Bogen um den Urkundenausdruck wohl zu groß geraten 🙂 Wir tauschten nach einem kurzen Verkaufsgespräch (der Helfer wollte uns Leberkässemmeln empfehlen, die ich dann final mit der Frage: „Hast du die auch in vegetarisch?“ ablehnte :)) unsere Abholzettel gegen unsere Tüten und suchten uns einen Platz. Wir sahen das Pärchen(?), dass man im Hintergrund des KM30 Schildes oben sieht und setzten uns auf die Bank daneben – es waren halt irgendwie bekannte Gesichter, mit denen man bereits zwei Worte gewechselt hatte. Das mitgebrachte Menü war fantastisch. Chrissy verhaftete die Nudeln mit Pesto, ich war glücklich wie Sau mit meiner Pizza! Dazu die mitgenommene Cola – es war perfekt!

Außerdem befanden sich im Beutel noch Nüsse, Clif-Bars (dazu gibt’s auch noch was – das wird jetzt ein Clif-Hanger! … ein schlechtes Wortspiel muss sein, sorry! :)), andere Nuss-Riegel und ein Iso-Pulver. Nachdem wir gegessen hatten füllten wir die Flaschen auf (ich einmal Wasser+Iso und einmal Eistee), gingen nochmal auf’s Klo und machten eine Körper-Zustandsaufnahme. Ich hatte seit ein paar Kilometern ein blödes Gefühl unter dem rechten Fußballen… keine Ahnung ob es ein Steinchen oder einfach Reibung war, es fühlte sich irgendwie an wie eine Blase. Das war aber auch schon alles an Problemen. Also Schuhe aus, schütteln – ja es waren kleine Steinchen drin. Socken runter, Fuß anschauen: hm, sieht alles (noch) ok aus – Glück gehabt! Wir rieben unser Geläuf mit Franzbranntwein ein – nachdem Sven mal seine ganzen Kompressionsstrümpfe darin eingetaucht hat musste das gut sein 🙂 – wir packten uns beide die Calf Sleeves aus dem Rucksack an die Waden und waren bereit zum weitergehen! Der nächste Abschnitt sollte „nur“ gute 10km lang sein – eine der beiden kurzen Abschnitte – das kam nach dem langen Brett genau richtig.

Kapitel 3

Auf dem Weg vom VP raus waren wir erstmal kurz orientierungslos. Laut App ging es durch einen Fußweg neben der Schule, da war aber eine geschlossene Tür. Während wir kurz überlegten kam aber schon die nächste Gruppe mit GPS-Gerät raus, laut denen ging es einfach außen rum um den Block, also hängten wir uns da dran. Es war grundsätzlich eh immer angenehm Andere mit etwas Abstand vor sich zu haben, da man sich so in der Regel keine Gedanken um die Orientierung machen musste. Die Pfeile waren zwar immer noch da, aber in der Dunkelheit übersieht man doch gerne einen und immer glotzt man auch nicht auf sein Telefon. Die erste Zeit nach dem VP war auch keine Zeit in die App zu schauen, denn wir mussten die Uhr im Blick behalten. Schließlich würden wir demnächst beide erstmals den Marathon zu Fuß bewältigen und ich muss zugeben, dass mich das schon enorm gepusht hat. Unter Anderem war das auch ein Grund, warum ein Ausstieg an VP2 einfach überhaupt nicht zur Debatte stand – so nahe am Marathon aufhören? Keinesfalls! Kurz nach Fürstenried in einem kleinen Waldweg war es dann soweit: 42,19(5)km standen in 7:43:28 seit Start auf der Uhr!

„Wir machen das gerade fei SENSATIONELL gut! MARATHON, YEAH!“ – das muss man ja auch mal so euphorisch sagen, oder? 🙂

Das Waldstück war danach recht flott wieder verlassen und die Strecke ging weiter durch den Münchner Süden. Es war angenehm durch die Stadt zu laufen – es war mal wieder etwas Abwechslung für die Augen und somit den Kopf geboten. Ein paar betrunkene jugendliche hier, (sehr) wenige Autos da. Erstaunlich viele Gartenpartys. Die Beine waren noch ganz ok für die lange Distanz. Der Fuß eher nicht so und ich merkte, dass die sich andeutende Blase jetzt da war. Da es aber so wie es war ok war („Ist halt so!“) wollte ich nichts daran machen und so passierten wir erst Martinsried, dann Gräfelfing und Locham. Es begann mal kurz zu nieseln – „Ist halt so!“ -, wir kamen am Schild für Kilometer 50 vorbei:

… und nach dem Marathon hatten wir direkt noch irgendwie nen Ultra eingetütet. Es lief zu diesem Zeitpunkt einfach gut. Die Beine freuten sich zwar auf den naheliegenden VP, aber das dürfte bei dieser Distanz und vor Allem der verstrichenen Zeit durchaus verständlich sein. Vielleicht ist das auch die Verblendung im Rückblick, aber bis hier hin war alles in bester Ordnung. Nach dem Schild für Kilometer 50 war es mit 2 verbleibenden Kilometern nicht mehr weit bis zum VP und wir liefen um ca. 3 Uhr Nachts in VP3 ein. Es begann das mittlerweile schon übliche Ritual: Beutel holen, hinsetzen, restliche Getränke trinken und essen, Getränke wieder auffüllen lassen, Banane und Salzstangen essen. Ich ließ zwischendrin ein „Weißte was? Wir machen das fei super!“ fallen. Ein Running Gag / Ritual will schließlich gepflegt werden! Wir trafen die beiden vom letzten VP wieder. Während wir mit unserer Verpflegung beschäftigt waren bekamen wir mit, dass er hier aussteigen und sie sich allein auf den weiteren Weg machen würde. Das war bestimmt für beide keine leichte Entscheidung. Da mir der letzte Abschnitt eigentlich keine Probleme bereitet hatte (und ich auch nicht den Eindruck hatte Chrissy hätte größere) stellte sich die Frage nach dem aufhören nicht (man soll ja auch keine Fragen stellen, bei denen man nicht mit allen Antworten klar kommt – alte Elternweisheit!) und so ging es für uns etwa später nach einer kurzen Toilettenpause dann auch wieder weiter auf den Weg zum ca. 17km entfernten VP4.

Kapitel 4

Das Einlaufen nach den VPs fällt einem immer schwieriger, aber man weiß, es wird wieder werden. „Ist halt so!“ – der Körper ist enorm beansprucht und braucht so seine Zeit um wieder halbwegs in Gang zu kommen. „Beruhigend“ ist, dass es allen anderen, die aus dem VP kommen und weiter wollen ganz genau so geht. Die Strecke ging durch Neuaubing und Freiham, über ein Feld nach Harthaus und Unterpfaffenhofen. Hier lief man auf gefühlt nicht enden wollenden Straßen. Man lief wortwörtlich auf der Straße, denn zu diesem Zeitpunkt konnte ich eine Sache überhaupt nicht haben: seitlich abkippende Gehwege. Wir waren in einer Gruppe mit 4-6 anderen (das variierte von Zeit zu Zeit). Die Gruppe war total harmonisch ohne miteinander zu kommunizieren. Da hatte morgens um halb 4 offensichtlich keiner wirklich Bock drauf und alle waren damit einverstanden, schätzten jedoch irgendwie auch die Gesellschaft der Anderen. Irgendwo hier auf dem Weg wollte Chrissys Uhr dann Strom haben – Powerbank angeklemmt, Uhr hinten verstaut und weiter. Wenn man auf einmal ein gewohntes Ritual (Zeit/Distanz auf der Uhr prüfen) nicht mehr hat ist das erstmal ziemlich doof, aber „Ist halt so“. Ungefähr 1 1/4 Stunden nach dem Verpflegungspunkt verließen wir Unterpfaffenhofen und betraten den Kreuzlinger Forst. Dieses Waldstück hätte uns fast den Zahn gezogen. Unsere Gruppe hatte sich mittlerweile aufgelöst – das letzte Stück innerorts liefen wir bereits wieder allein. Es begann stärker zu Regnen – aber noch nicht so, dass es nötig gewesen wäre die Regenjacken auszupacken – und der Weg wurde anspruchsvoll. War es erst noch die übliche „Waldautobahn“, bogen wir kurz darauf in wahre SingleTrails ein. Laufend und bei Tag hätte ich das sicher genial gefunden, aber nicht nach knapp 60km mitten in der Nacht. Da wir bisher immer wunderbar mit meiner Lampe (bzw. innerorts auch komplett ohne) auskamen haben wir den Zeitpunkt verpasst, dass Chrissy ihre auch raus holt. Wir hatten außerdem geplant irgendwo ab KM58 an einer Bank nochmal eine Pause einzulegen, aber es kam natürlich keine auf solchen Wegen. Zusätzlich hatten sich nun auch noch zwei andere Teilnehmer an uns dran gehängt, die selbst ohne Navi unterwegs waren, hier im Wald aber auch die Pfeile nicht mehr gesehen hatten (wir übrigens auch nicht). Und Chrissys Uhr hing immer noch am Strom. Das waren insgesamt zu viele Kleinigkeiten, die in dem Moment einfach nicht gut waren. Es waren insgesamt vielleicht zwei Kilometer, die uns aber mal so richtig zusetzten. Wir passierten zwischendurch das Schild von Kilometer 60…

… und irgendwie beruhigte es mich, dass die OrganisatorInnen das wohl so kommen sahen. Ich begriff es dann als eine Art „Selektionsprozess“ und wollte mich nicht ausselektieren lassen! Auf der nächsten Lichtung machten wir dann auch ohne Bank unsere Pause, schickten die beiden anderen ohne es direkt zu sagen weiter und gingen – mittlerweile auch mit zwei Lampen – weiter in Richtung VP4. Als wir auch das nächste Waldstück verließen waren wir endlich erstmal durch mit den Wäldern und es begann leicht zu Dämmern. Zumindest fühlte es sich so an – jedenfalls Dämmerte die Stimmung und es wurde wieder heller. Es war zwar nun wieder ganz ok zu laufen, aber es zog sich auch weiterhin ungemein in die Länge. Wir kamen durch ein Industrie-/Businesspark-Gebiet und mussten einfach wieder ewig lang geradeaus an den Straßen laufen. Hier war es soweit, dass auch ich Musik brauchte. Ich machte einfach meine Playlist an, Lautstärke hoch und steckte das Telefon in die Hosentasche. Wir waren ja quasi unter uns, ich sang mit wenn ich Lust dazu hatte und so ging es für mich eigentlich ganz gut. Das Geschehene im Wald konnten wir mittlerweile mit einem „Ist halt so!“ hinter uns lassen und sehnten den VP herbei.

Der Kopf spielt einem aber auch hier streiche. Es waren ja „nur noch“ 5-6 Kilometer. Aber wie wir gelernt haben sind es auch nur „drei mal abbiegen bis Italien“ und so brauchten wir über eine Stunde (gefühlt waren es mindestens zwei 🙂 ) bis zum VP. Auf dem Weg dahin passierten wir noch das Deutsche Luft und Raumfahrtzentrum. An dessen Zaun befinden sich übrigens 77 Leuchten – von Chrissy laut gezählt, um sich irgendwie zu beschäftigen 🙂 Wir befürchteten schon schlimmes, als vor uns der Weg dann wieder in einen SingleTrail abbog, es handelte sich aber nur um einen kleinen Schleichweg zur nächsten Straße. Am Ende dieser Straße wartete ein Feldweg auf uns. Auf den Weiden schliefen noch die Kühe, aber sich dazulegen war keine Option. Der nächste VP war nun wirklich zum Greifen nahe. Wir betraten Oberpfaffenhofen und ich war erst mal total verwirrt. Enorm laute Musik schallte uns entgegen und ich konnte gar nicht glauben, dass am VP so eine riesen Party abging! Ging sie auch nicht… Es war der Inbegriff einer Dorfdisco. Mitten im Ort und noch immer im Eskalationsmodus unterwegs. Sie beschallte fast den kompletten Ort und ich war wieder mal komplett verwirrt von den äußeren Eindrücken. Am Ortsende war dann aber endlich der Oberpfaffenhofener Sportverein und somit der VP bei Kilometer 69 erreicht. Es war ein hartes Stück Arbeit!

Das Bild, dass sich einem hier bot war beeindruckend. An den VPs vorher ist es mir nicht aufgefallen – vielleicht weil es noch nicht so schlimm, vielleicht auch einfach weil es dunkel war – aber so viele, so fertige Menschen auf einmal habe ich lange nicht gesehen. (Das letzte mal in einem schlechten Actionfilm in der Szene im Kriegslazarett… Aber das war blutiger und der Vergleich hinkt auf einer ganz anderen Ebene… Naja, was der Kopf halt so denkt…) Außen schliefen viele auf den Bierbänken oder dem Boden, geredet wurde gefühlt gar nicht. Wir gingen, nachdem wir auch unseren dritten Verpflegungsbeutel abgeholt hatten, nach Innen ins geöffnete Sportheim. Hier schliefen einige auf den Eckbänken, andere auf den Stühlen, teilweise einfach den Kopf nach vorne auf die Tischplatte gelegt. Hier merkte ich wie gut wir eigentlich noch drauf waren. Es ist irgendwie doof, aber der beschissene (sorry!) Zustand so vieler Anderer war ein richtiger moralischer Turbo für mich! An Aufhören hatte ich tatsächlich nie gedacht, auch nicht in den dunklen Momenten um Kilometer 60, aber mir war spätestens hier klar: wenn wir von VP4 zusammen weiter gehen kommen wir auch wieder zu Fuß in Tutzing an!

Wir suchten uns ein freies Plätzchen und packten die Lampen weg und unser Essen aus. Pizza. Cola. Immer noch das gleiche. Immer noch verdammt lecker! Uns gegenüber saß eine Dreiergruppe, die gerade dabei war aufzubrechen. Ich sag mal so: Elan sieht anders aus, es ging ihnen offensichtlich nicht gut, aber sie machten sich auf die letzten 30km in Angriff zu nehmen. Als sie unterwegs waren packte Chrissy mit den Worten: „Ist zwar glaube ich nicht nötig, aber die Dinger trage ich schon seit VP2 mit mir herum“ zwei „Motivationskärtchen“ hervor. Schlaue Sprüche auf buntem Hintergrund finde ich ja eh super und so war das nochmal eine witzige Ablenkung:

Eigentlich wollte ich während dieser Pause mein Telefon nochmal mit Strom versorgen, war aber irgendwie nicht in der Lage die Powerbank ordentlich anzuschließen. Erst kurz bevor wir aufbrechen wollten kam das erlösende brummen. Ein kaputter Track hätte mich echt geärgert. (Im Nachhinein stellte sich heraus, dass ich irgendwie am Starnberger See nach 5km eh schon ein Loch drin hatte … Ist halt so 😉 ). Wir humpelten noch nacheinander auf die Toilette, packten unseren Rucksack wieder zusammen und wir gingen nach draußen, Getränke auffüllen. Hier hatten wir wieder Iso Pulver im Beutel, das wir mit Wasser in den Plastikflaschen auffüllen ließen und es gab wieder Eistee. Wir hatten noch eine Dose Cola übrig, die wir am Getränkestand abgaben. Chrissy wollte sie nicht, mir reichte mein halber Liter und wenn man sich so umsah konnten Andere die Dosis Koffein dringend gebrauchen! Es gab noch die übliche Banane und wir waren Startklar. Neben dem Wasserstand war der Urkundendruck für die, die aussteigen wollten. Das kam für uns nicht in Frage, schließlich hatten wir versprochen mindestens 70km zu laufen und wir hatten ja erst 69! Man findet ja sehr oft irgendwelche an den Haaren herbeigezogene Gründe um Dinge nicht zu tun. Hier lernte ich: das geht im Positiven genauso!

Kapitel 5

Der Start in den folgenden Abschnitt bis Kilometer 82 – also wieder ein „Kurzer“ mit rund 12km – war der schlimmste der ganzen Strecke. Wir kamen beide sowas von überhaupt nicht in die Gänge, aber es ging wohl allen Anderen um uns herum genauso. Ich humpelte und hinkte vor mich hin, ziemlich gequält von allem. Im Vergleich zu den Stationen vorher wurde es aber auch mit der Zeit nicht wirklich besser. „Kurz“ (1km, zeitlich keine Ahnung :)) nach dem VP hatten wir das 70er Schild erreicht – Mission für den Sohn erfüllt!

Aber jetzt waren wir ja auch schon unterwegs und es ging weiter. Ich genoss die optischen Eindrücke soweit es möglich war. Es war endlich wieder hell, sodass die Umgebung von den Problemen in den Beinen ablenken konnte und neben der schönen Landschaft sah ich einen der schönsten Sonnenaufgänge überhaupt:

Während dieses Abschnitts floh ich in Gedanken zur Musik. Das tat ich wahrscheinlich schon vorher, hier aber blieb es mir aber bewusst im Gedächtnis. Es war ein wilder Mix meiner Punkrock Playlist, die aber irgendwie perfekt zur gesamten Situation passte. Zum Sonnenaufgang und zur Laufgeschwindigkeit passend klangen folgen Zeilen im Ohr:

 

Sun comes up
Gives me a hug
Tellin me not to move too much
We’ve got all the time we need
And our plans to succeed

Soothe me – Beatsteaks (Youtube)

 

Und es war einfach richtig. Wir hatten tatsächlich alle Zeit der Welt die restliche Strecke ins Ziel zu bringen, die Sonne kam und vertrieb die dunklen Gedanken der Nacht. Außerdem schwirrte noch dieser Ausschnitt im Kopf:

 

Du Glaubst es nicht.
Siehst du das Licht dieses Tages?
Dein Gesicht vom Nebel gezeichnet, doch ändern willst Du es nicht!

Rücklauf – Marathonmann (Youtube)

 

In nicht ganz so hellen Momenten kamen auch wieder die Ärzte durch, diesmal so (Ironie kann ich! :)):

 

Das Leben ist zum Lachen da, drum nehm ich Psychopharmaka

Living Hell – Die Ärzte (Youtube)

 

Versunken in meinen musikalischen Gedanken ging der Weg also von Oberpfaffenhofen über Felder nach Seefeld. Immer hoch und runter. Irgendwann war ich es Leid so herumzueiern und ein Gedanke schwirrte durch den Kopf: „Jetzt stell‘ dich mal nicht so an! Du hast gute 70 Kilometer in den Beinen, was erwartest du? Herumzuspringen wie ein junges Reh? Natürlich tut es weh, aber der Blase da unten machten die letzten 30 Kilometer nichts aus, jetzt gehen die nächsten 30 auch noch – Ist halt so!!“ Und ab dem Moment lief ich wieder halbwegs rund.

Kurz vor Seefeld schloss Einer zu uns auf, der anscheinend den Gedanken mit dem Reh gehört hat… zumindest kam er von hinten im Laufschritt. Ok, es war das vielleicht langsamste Laufen und das unästhetischste Reh, dass ich je gesehen hatte, aber es war ein Laufschritt :). Auf mein „das sieht aber motiviert aus“ sagte er nur, das wäre die einzige Art zu Laufen die bei ihm überhaupt noch möglich sei. Nach einem kurzen Gespräch über Laufsocken (was man halt so beredet nach über 70km ;)) zog er dann langsam nach vorne weiter.

In Seefeld angekommen war Distanzmäßig die Hälfte zum nächsten VP geschafft, in Tritt waren wir aber beide noch nicht wirklich. Wir machten Stop an einer Bushaltestelle – geplant hatten wir das so oder so auf ungefähr halber Strecke – und tankten nochmal nach: Getränke, Nussriegel, Bliss Ball, kurz die Beine lockern und weiter. Keine Ahnung warum, aber ab hier lief es bei mir wieder. Die Strecke bot im Folgenden noch ein paar optische Highlights:

…der Weg an dem Bach/Fluss war auch für die Füße enorm angenehm zu laufen. Am Ende des Weges klingelte das Telefon und Alex hat seinen versprochenen Motivationsanruf umgesetzt – danke dafür! Wir waren nun kurz vor Kilometer 80 und ich war enorm guter Dinge. Chrissy hatte sich an der Pause Musik auf die Ohren gemacht und es lief auch bei ihr besser. Leider kam dann kein Schild für KM80 – entweder haben wir es übersehen (glaube ich nicht) oder es fehlte einfach. Wir erreichten Herrsching am Ammersee. Ein schöner Uferweg war uns nicht vergönnt, wir sahen den See nur einmal kurz hinter Bäumen hervorspitzen. Bei der Gaststätte „zur Post“ hatten wir VP5 erreicht. 82km. Wahnsinn.

Hier platzierten wir uns wieder auf einer Bierbank, aßen, tranken – das Übliche, nur, dass es diesmal nur Wasser und das, was man dabei hatte gab. Wir hatten am Start zwar einen Verpflegungsgutschein für die Wirtschaft bekommen, aber beide keine Lust auf Kaffee und Eintopf(?), sodass wir diesen ebenfalls am Wasser platzierten für jemanden, der sich darüber freute. Nur weil etwas umsonst ist muss man es sich ja nicht rein pressen! Es hätte auch von der örtlichen Molkerei Milch-/Jughurtdrinks umsonst gegeben, aber auch danach war uns überhaupt nicht. Chrissy packte zu meiner Überraschung Schokokekse aus – ein Traum! Wir entspannten noch etwas, hörten einer Frau zu, die stolz in ihr Handy erzählte, dass sie „jetzt bei VP 5 – km80 ist und nun aber aufhört. Das reicht. Ok, ein bisschen bin ich zwischendrin Bahn gefahren, aber war wunderschön!“ 🙂

Kapitel 6

Nachdem wir beide wie üblich nochmal eine bestimmte Örtlichkeit aufsuchten (kann mir eigentlich jemand erklären warum man die Toilettenwände mit Bildern halb nackter Menschen des anderen Geschlechts voll hängt?) waren wir auch hier startklar und nahmen den letzten Abschnitt in Angriff. Wie mittlerweile üblich hatten wir mit dem Loslaufen so unsere Probleme, wie ebenfalls mittlerweile üblich hatten die, die ebenfalls gerade los liefen die gleichen Probleme. Das baute uns wieder merklich auf und diesmal waren wir auch schnell wieder in Tritt. Kurz nach dem VP waren wir erstmal froh nicht diese Treppen überwinden zu müssen…

…auch wenn uns der entsprechende Anstieg nicht erspart blieb. Rund 150 positive Höhenmeter sollten jetzt am Stück folgen, aber was soll ich sagen? Wir flogen sie quasi förmlich hoch. Ich ließ Chrissy vor laufen und sie legte einen Rhythmus hin der einfach perfekt war. Die steilen Kilometer von Herrsching zum Kloster Andechs vergingen in Nullkommanichts und wir wurden mit einer tollen Kulisse belohnt! Hier oben verließen wir den Wald und wir merkten wie die Sonne ihre Kraft entfaltete und von oben herunter brannte. Zwischen Klostermauer und Bäumen stoppten wir kurz im Schatten, damit ich Chrissy die Cap aus dem Rocksack rausholen konnte. Ich setzte meine Sonnenbrille, die ich seit KM 2 auf der Stirn statt den Augen spazieren trug auf und nun doch froh sie dabei zu haben. Es kam aber wie es kommen musste. Nach dem Hoch kommt das Tief und es kam gewaltig. Diese kurze Pause habe ich absolut nicht verkraftet und ich tat mich unglaublich schwer wieder in Gang zu kommen. Die 1,5km durch Erling waren schrecklich. Erst am Ortsausgang, als ich die Idee hatte wieder mal Musik an zu machen ging es wie auf Knopfdruck besser. Nach jedem Tief kommt auch wieder ein Hoch. Und Musik hilft (fast) immer! Diesmal war es Zeit für Marathonmann und dem Album „…Und Wir Vergessen Was Vor Uns Liegt„. Wir waren hier unter uns, ich konnte mitsingen wenn ich wollte (und ich wollte!) und in diesem Moment einfach alles genießen!

 

Diese Zeit gehört nur dir
Du stehst vor dem was dich zusammenhält
Was dir Kraft gibt
Was dich weitermachen lässt

Auf dem höchsten Punkt der Welt, der nur dir allein‘ gehört
Weißt du wer du bist, und was dich wirklich glücklich macht

Auf dem höchsten Punkt der Welt – Marathonmann (Youtube)

 

 

…und das vielleicht beste Lied überhaupt:

 

Du hast versucht es einzuordnen,
hast versucht es zu verstehen.
Wie die Züge hier vorbeifahrn,

funktioniern, sich nicht beschwern.
Ihre Hüllen, sie sind rostig.
Ihre Haut, sie ist porös.
Doch Sie schleppen Ihre Tonnen!Etwas zu verschnaufen,
mit ihrer letzten Energie..
Ohne Jammern, ohne Fragen.
Gefragt haben Sie nie!
Ganz allein in eine Richtung,
die Ihnen vorgegeben ist.
Diese Reise wird nie Enden,
bis das Ende Sie zerbricht!Und Du stehst
am Anfang zweier Gleise,
Entscheidungen zu treffen,
die die Weichen dir bereiten!
Wie ein Zug,
schwere Last auf deinem Rücken,
immer volle Kraft voraus!
Und das Landschaftsleben zieht an Dir vorbei!Ich weiß, es gibt
keinen Grund sich zu beschweren!
Ich weiß, es gibt
Keine Grund sich zu beschweren!!Und Du stehst
am Anfang zweier Gleise,
Entscheidungen zu treffen,
die die Weichen dir bereiten!
Wie ein Zug,
schwere Last auf deinem Rücken,
immer volle Kraft voraus!
Und das Landschaftsleben zieht an Dir vorbei!
Landschaftsleben – Marathonmann (Youtube)

 

Es war in diesem Moment perfekt.

Leider hält so ein perfekter Moment auch nicht ewig. Der Weg ging von Erling nach Aschering und irgendwie hatte ich gedanklich den Fehler gemacht das alles nach VP 5 und dem Anstieg als „abgehakt“ zu betrachten. Es waren aber halt noch rund 15km zu Gehen. Also mindestens 3 Stunden (in unserem Zustand eher etwas mehr) und die mittlerweile runterbrennende Sonne trug ihren Teil dazu bei, dass es eher zäher wurde. Wir hatten schon damit gerechnet, dass das 90er Schild ebenfalls fehlen würde und in Gedanken hochgerechnet, dass es jetzt noch so ungefähr 9-9,5 km ins Ziel sein dürften als das Schild auftauchte.

Nun hatte es den komplett gegenteiligen Effekt. Statt Jubelstürme auszulösen war es frustrierend, dass aus den 9 plötzlich wieder 10 Kilometer wurden. Das „Ist halt so“ lies diesmal auch etwas länger auf sich warten – es war einfach doch etwas schwerer zu verarbeiten. In Aschering trafen wir dann auf den einzigen Idioten der kompletten 100km. Wirklich jeder den wir bisher sahen und der uns Ansprach war beeindruckt/begeistert von der Veranstaltung, wünschte uns viel Glück auf dem weiteren Weg. Sogar den besoffenen Kids mitten in der Nacht war in Ihrem „Warum macht man sowas?“ ein gewisser Anteil an Respekt rauszuhören. Hier kam uns jetzt ein etwas älteres Pärchen auf ihren E-Bikes entgegen. Wir liefen links, bzw. rechts an der Straße und dieser Idiot hat nichts besseres zu tun als ein „Schau halt wosd laffsd!“ rauszublöken. In dem Moment war ich geistig einfach nicht schnell genug um ihn zu fragen ob er nicht besser ein Fahrrad ohne Motor fahren sollte, wenn er sich nicht in der Lage sah auf einer fast leeren Straße durch zwei Wanderer zu fahren. Zu einem „Geht’s noch?!“ hat es aber glaube ich gereicht. Etwas erregt liefen wir weiter.

In Aschering gesellte sich eine Läuferin zu uns, die anscheinend wartete, dass wieder jemand vorbei kam. Diesmal war es eine willkommene Abwechslung wieder in Begleitung zu laufen. Der Depp war schnell vergessen und wir unterhielten uns über dies und das. Oder auch gar nicht. Der Weg zog sich so dahin, in der prallen Sonne war es wirklich übel. In dieser Phase beging ich den einzigen wirklichen Fehler: Ich hielt nicht nochmal an um eine Trinkflasche heraus zu holen. Das hätte ich definitiv tun sollen, denn es war enorm heiß, fast durchgängig ohne Schatten und einfach anstrengend. In der nächsten Ortschaft überholte uns ein Teilnehmer. Das wäre eigentlich nichts besonderes, aber: Er lief in einem Hoodie. Und zündete sich ne Kippe an. Ich dachte erst an ne Fatamorgana, aber da wir das alle sahen bin ich mir sehr sicher, dass er wirklich so da war!

Rund 4km vor dem Ziel hielten wir auf Befehl von Chrissy dann nochmal und es war absolut richtig. Der Kollege im Hoodie machte hier ebenfalls eine Pause und wollte gerade weiter. Er schimpfte noch darüber wie man denn die Läufer nach so einer Anstrengung 15km durch die pralle Sonne schicken kann und ging dann weiter. Gute Frage eigentlich, aber ich denke, die Alternativen werden nicht so reichlich vorhanden gewesen sein. Wir tranken nochmal ordentlich und aßen Bliss Balls und Nussriegel und gingen auf die finale Etappe.

Es dauerte nicht mehr allzulange bis wir Tutzing erreichten und es wurde nochmal richtig schön ekelhaft. Die letzten 3km ging es nur noch bergab. Und bergab laufen ist das schlimmste was man nach so einer Distanz machen kann. Am Anfang richtig steil, teils sogar mit Treppen. Ich kam mir vor als wäre ich 40 Jahre älter und die Laufstöcke wären Krücken an denen ich mich nach unten wuchte. Wahnsinn. Der letzte Kilometer war dann nicht mehr schlimm. Am Bahnhof angekommen kannten wir die Gegend fast schon wieder. Uns kamen schon die ersten Finisher (und Abbrecher) entgegen, die sich auf die Heimreise machten und uns schon mal beglückwünschten. Kurz danach waren wir beim Supermarkt vom Vortag und nun kannten wir uns endgültig wieder aus. Kurz darauf war die „Selfi-Wand“ zu sehen

und ein großes Schild lotste die ankommenden Finisher auf den Sportplatz. Hier luden gerade die Beiden von VP 3 ihr Auto ein – wir grüßten kurz, aber leider habe ich in dem Moment nicht darauf geachtet ob sie ins Ziel kam oder nicht – gedanklich war ich hier voll auf Ankunft gepolt. Die Anwesenden klatschten einem schon vor dem Gelände zu. Zum Glück ging es jetzt nicht nochmal außen rum um die Laufbahn, sondern direkt die Start-/Zielgerade entlang zum Ziel. Geschafft. GESCHAFFT! Unfassbar.

21 Stunden und 27 Minuten waren wir unterwegs. Seit Samstag um 15:30 Uhr bis Sonntag kurz vor 13:00 Uhr. 100km im großen Bogen nach München hoch und wieder zurück. Begriffen habe ich das alles glaube ich bis heute nicht.

Nach dem Zieleinlauf gab es als erstes die Finisher-Medaillen:

dann die Urkunden:

dann ein Finisher Armbändchen:

dann ein Foto:

und zu guter letzt das wohlverdiente Zielbier mit dem wir uns in den Schatten begaben. Wir setzten uns auf die Treppe zu anderen Finishern, klatschten denen zu, die noch ankamen und ließen erstmal alles Sacken. Un-FASS-BAR!

Im Sitzen begann ich zwar noch nicht zu realisieren, was wir da geschafft hatten, mein Körper begann aber eindeutige Signale zu senden: Das rechte Bein tat wie aus dem Nichts weh, die Füße fühlten sich an wie Steine und zumindest der Körper merkt einfach so langsam was er da eigentlich gemacht hat.

Das wichtigste, was ich zu sagen hatte durfte gleich die ganze Welt wissen:

 


Danke, dass du die Idee hattest dieses Ding zu machen und dass du das so konsequent von vorne bis hinten durchgezogen hast. Ich weiß weder ob ich alleine überhaupt (irgendwann) so eine Nummer gemacht hätte und noch viel weniger weiß ich was passiert wäre, wenn irgendwann wirklich mal zur Diskussion gestanden hätte, dass wir aussteigen. Es war fantastisch!

 

Im Nachhinein bin ich auf ein paar Dinge sehr stolz:

Wir haben perfekt als Team funktioniert. Wenn einer eine schlechte Phase hatte war der jeweils andere da. Und zwar genau so, wie es nötig war.

Wir haben uns phantastisch ergänzt (vorher, währenddessen und auch danach)

…und persönlich:

Ich hatte niemals den Gedanken daran aufzuhören

Ich war die komplette Zeit über komplett klar und fokussiert

Ich hatte nie Probleme mit der Energie

 

Epilog

Wir blieben noch etwas sitzen und genossen einfach das Nichtstun. Als wir so da saßen kam der joggende Kollege auch noch mit einer Medaille um den Hals die Treppe hoch! Wir beglückwünschten uns kurz gegenseitig. Wenig später machten wir uns auf zum Auto. Dass das Loslaufen wieder beschwerlich war spare ich mir an dieser Stelle, die 200m waren vielleicht die langsamsten des Tages 🙂 Wir wussten auch noch nicht wirklich wie wir heim kommen würden. Auto fahren in diesem Zustand? Zug? Beides irgendwie keine verlockenden Lösungen. Wir beschlossen einfach die Kutsche erstmal in Richtung Tutzinger Bahnhof zu fahren, dann sehen wir ob es geht. Wenn es nicht geht fahren wir mit dem Zug heim und holen das Auto in den nächsten Tagen. Also los! Erster Eindruck: es geht erstaunlich gut. Wir entschieden uns also zu fahren und für die Strecke am See entlang nach Starnberg. Wir erkannten viele Stellen wieder, an denen wir gestern noch zu Fuß unterwegs waren, als unser Abenteuer begann. Das war super! Fahren an der Seestraße ist aber alles andere als super. Chrissy hatte neben mir bereits enorm mit der Müdigkeit zu kämpfen, die spontan, aber dafür gewaltig einsetzte und auch mir ging es langsam ähnlich. Chrissy hatte den spontanen Vorschlag wir könnten doch am Rand parken und noch eine Runde schlafen bevor es komplett heim geht – das taten wir dann auch. Wir fuhren noch zur Autobahn, nahmen den ersten Parkplatz – zum Glück mit Schatten – und schliefen da bis 15:30 Uhr. Der Rest der Heimfahrt war dann total entspannt und sicher möglich – somit war auch die letzte Entscheidung dieses Abenteuers eine Gute!

 

Die Zeit danach

Daheim angekommen fielen wir halb aus dem Auto und humpelten zur Family, die sich die Zeit bei der Hitze in Planschbecken im Garten vertrieb. Die Freude war groß, endlich wieder daheim zu sein. Geglaubt hatte es glaube ich niemand so recht, dass wir es schaffen würden. Vielleicht auch doch. Wahrscheinlich kann und konnte sich keiner so richtig vorstellen, was wir da gemacht haben. Konnten wir vorher ja auch nicht und es fällt immer noch nicht wirklich leicht alles zu begreifen. Es gab dann noch was zu essen und natürlich ließ ich alles so ausklingen wie es auch begann: mit Pizza!

 

Danke!

Am Ende folgt ausnahmsweise noch ein spezieller Abschnitt – es war ja auch ein spezielles Abenteuer.

Wie oben schon geschrieben gehört der erste und Größte Dank Chrissy, die diese Idee überhaupt erst hatte und die beste Begleitung für dieses Abenteuer war, die man sich wünschen kann!

Natürlich geht ebenfalls ein großer Dank an die Family – Groß und Klein – für’s Aufpassen auf die Kids und für den Anruf am Abend – sonst wäre das alles auch nicht möglich gewesen.

Alex möchte ich auch nochmal speziell danken für den Anruf am Morgen, den Support mit Lampe und Powerbank, sowie die aufmunternden Tweets, die ich an den VPs immer kurz überflogen habe, also ich den nächsten Status raus gezwitschert hatte. Selbiges gilt für alle Anderen der Twitterwelt, die ich jetzt nicht einzeln namentlich erwähne, da ich sonst garantiert wen vergessen würde. Danke euch allen, auch für die Glückwünsche danach!

Ein weiterer Dank der im Text hoffentlich schon durch kam geht an die OrganisatorInnen und die HelferInnen, die wirklich immer super freundlich und hilfsbereit waren. Dass ich die Strecke fast perfekt markiert fand und das bei 100km alles andere als selbstverständlich finde habe ich glaube ich bereits geschrieben – wenn nicht: doppelt hält besser! Das Roadbook ließ auch keine Wünsche offen, die Verpflegung war doch etwas umfangreicher als ich erwartet hatte (eigentlich hieß es ja „im Grunde Selbstverpflegung, es gibt am VP Wasser und Snacks“) und auch die Strecke an sich war super, auch wenn wir zwischenzeitlich (vor allem gegen Ende) nicht mehr so glücklich waren mit der Gesamtsituation!

Last but not least: Danke ans Rote Kreuz! Wie auch bereits geschrieben: Toll, in welcher Dichte die Rettungswagen über die komplette Zeit an der Strecke und wie freundlich die Sanis die komplette Zeit über waren – das war echt der Hammer und gab ein beruhigendes Gefühl!

Allerdings möchte ich doch noch zwei einzeln rauspicken, die auf eine besondere Art geholfen haben.  Sebastian lief im letztes Jahr im September ebenfalls den Mammutmarsch (allerdings in NRW) und kam mit deutlich mehr Training un somit Erfahrung bis Kilometer 67(?), hatte das Projekt aber nicht als Hauptziel und stieg eher vorsichtshalber aus wenn ich es richtig im Kopf habe. Flo kam mit seinem Kumpel wie oben erwähnt bis Kilometer 50 bei geplanten 100. Zum Einen waren beide Marken somit einerseits Ziele, die irgendwo im Kopf waren und andererseits absolute Punkte der Motivation, als wir diese überschritten haben und ich merkte: es geht weiter! Viel wichtiger waren allerdings die Tips die ich direkt und indirekt durch das mitverfolgen und Lesen der Schilderungen von den beiden bekommen habe. Danke dafür!

 

Chrissys Geschichte!

Wer dachte es wäre jetzt schon vorbei sieht sich genauso getäuscht wie ich auch 🙂 Chrissy hat ihre Eindrücke auch noch aufgeschrieben und wir dürfen hiermit alle an ihren Gedanken teilhaben:

Rückblick Mammutmarsch

Um die Sache komplett zu machen, schildere auch ich kurz (hoffe ich zumindest) meine Eindrücke zum Marsch.

Des Öfteren stellte ich im Vorfeld die Frage „Schaffen wir das?“ und eigentlich kam immer ein „Na klar“, außer so 4 Wochen vorm Marsch, da war Fleggos Antwort auf einmal zögerlich und eher ein „Ich weiß nicht“. Das hatte mich einen Moment lange ganz schön verunsichert, aber es war gebucht, es war gezahlt, es war irgendwie ja zumindest auch ein bisschen Vorbereitung, also wird es zumindest versucht.

Zur Streckenführung & Co ist eigentlich schon alles gesagt. . Ich versuchte in 10er Etappen zu denken, einfach um meinen Kopf selbst bisschen zu überlisten. Ob es was gebracht hat, keine Ahnung, weil natürlich rechnet man doch immer hoch. Super entspannt ging es los und bis zu VP1 lief alles locker durch  Auch wenn ich Fleggo immer mal wieder ausbremsen musste, der wäre teilweise am liebsten nicht gewandert sondern gelaufen hatte ich das Gefühl. Aber er passte sich ja dann immer brav an. Mein Plan war ja eigentlich an den VPs gar nicht zu sitzen, sondern kurz durch zu schnaufen und dann weiter zu gehen. Klappte zu diesem Zeitpunkt auch noch gut. Zwischen Kilometer 35 und Kilometer 40 bin ich dann allerdings irgendwie in ein „Loch“ gefallen, es meldeten sich meine Beine und Füße, ich verfluchte erstmals geschotterte Wege und äußerte erstmals Zweifel daran, ob das mit den 100km was werden würde. Wer mich kennt weiß allerdings, dass ich leider eh eher pessimistisch an Dinge ran gehe, weil dann wird man schon nicht enttäuscht, und da mich meine bessere Hälfte mittlerweile ziemlich gut kennt und glaube ich genau wusste, dass ein „doch das wird schon…“ in mir wohl zu einem gewissen Zorn geführt hätte, nahm er meine Äußerung ohne weiteren Kommentar zur Kenntnis und hatte mich zum Glück an das eingepackte Salz erinnert. Ob das nun wirklich so viel gebracht hat, oder es andere Dinge waren, keine Ahnung, ist ja aber auch völlig egal, es ging weiter und ich war an dem Punkt die ganze Situation einfach anzunehmen. Der VP war erreicht, die Nudeln mit Pesto, der Franzbranntwein und die Kompressions-Wadendinger bauten mich auf und weiter ging es.

Zum Glück war der nächste Streckenabschnitt ein kurzer und wir kamen gut bei VP 3 an, auch wenn ich Fleggos Vorschlag uns doch einfach hier ins Gras an den Hügel zu setzen vehement verneinte. Eine Bank musste es schon sein, die rechte Ferse musste nochmal inspiziert werden, da sich hier wohl eine Blase breit machte. Aber so ging es nach der Stärkung, auch wenn der Hunger hier nicht so groß war, auf die nächsten 17km.

Einen zweiten Durchhänger brachte der nun folgende Wald mit sich. Die geplante Pause bei km 60 fiel aus, wir hatten Mitläufer, die ich eigentlich total sympathisch fand, aber die mich in dem Moment irgendwie hemmten mein eigenes Ding zu gehen. Ich hatte kein Licht raus, weil wir dachten es lohne sich nicht und stolperte deswegen mehrmals, meine Uhr war nicht mehr am Handgelenk und dann kam auch noch dieses „60km Schild“ gefühlt eine Ewigkeit einfach nicht…. Die kurze Pause, das Weiterschicken der anderen (sorry nochmal dafür), Licht, Musik und ein Bewusstmachen meines Zieles (das war ein Bild vor Augen vom Zieleinlauf) halfen mir aus dieser Situation und als wir an VP4 ankamen, stand für mich fest, das Ding wird zu Ende gebracht, wenn keine Verletzung dazwischen kommt. Als wir beim Aufbruch noch Wasser auffüllten kamen zwei Männer, vielleicht etwas jünger als wir, die echt total sportlich aussahen. Gingen zum Urkundenstand und teilten mit, dass sie aussteigen möchten. Das löste bei mir totales Unverständnis aus, wie kann man nach knapp 70km, wo doch nur (haha) noch 30km fehlen aufhören? Es ist doch noch so viel Zeit übrig, mal eine längere Pause einlegen…, naja aber das muss jeder selbst entscheiden und sicher ist es auch eine Stärke zu sagen, hier ist Schluss, bevor man umkippt… Was mir hier beim Loslaufen half, war die Tatsache zu wissen, dass die Strecke, die jetzt noch fehlt von uns schon einmal relativ gut bezwungen wurde. Laut meiner Uhr waren wir schon bei km72 als das 70km-Schild endlich auftauchte und somit musste ich im Kopf diese 2km immer berücksichtigen. Keine Ahnung was da los war, mein Track schaut gut aus, im Ziel habe ich aber auch von anderen noch von dieser Differenz gehört. Im Nachhinein kommt es darauf ja auch nicht mehr an, währenddessen war ich schon etwas angefressen.

Der letzte Verpflegungspunkt war Dank Musik, relativ abwechslungsreichem schönem Weg und kurzer Distanz dann gut zu erreichen. Ich überlegte hier die Socken zu wechseln, aber so wie sich meine Füße anfühlten wollte ich mir den Anblick ersparen. Sind ja nur noch 18km. Am VP sah ich einen Mann seine Füße bzw Blasen mit Tape  versorgen und als wir losliefen war er mit einem Kumpel vor uns und ist sowas von unrund gelaufen/gehumpelt, dass in mir der Gedanke aufkam „wenn er weiterläuft, kommst du auch locker ins Ziel“.  Aber locker sollte es nicht werden, denn 18km bedeuteten in unserem Tempo überschlagen um die 4 Stunden, eher mehr… Zwischendurch spürte ich, dass Fleggo nun zu kämpfen hatte. Bisher habe ich in den Momenten, als ich das Gefühl hatte bei ihm läuft es gerade nicht, mal kurz gefragt „Alles ok?“, das tat ich hier auch und dachte mir gleich im nächsten Moment „Was für eine scheiß Frage nach der Zeit und der Strecke, zum Glück hat er mir die nicht gestellt.“ Ich wusste, dass nochmals ein Anstieg kommt und normalerweise mag ich bergauf ja gar nicht, aber ich wurde wie nach oben gezogen, es lief sich so angenehm leicht, keine Ahnung, ob es einfach die andere Belastung der Füße war oder woran es sonst lag. Die letzten Abschnitte zwischen den Dörfern bis nach Tutzing in der Sonne waren anstrengend, aber mehr Sorgen als mein körperlicher Zustand machte mir, dass der Göttergatte nicht anhalten wollte um etwas zu trinken. Da kam dann irgendwann die Mutti durch und ich setzte eine dringend notwendige Pause durch. Danach ging es Richtung Tutzing und dann ins Ziel. Und es kam genau dieser Moment den ich so vor meinem inneren Auge hatte.

Wir haben es geschafft!!!

Ob es auch mit einem anderen Wegbegleiter geklappt hätte weiß ich nicht, bezweifle ich allerdings stark.  Und auch allein wäre es für mich nichts. Es passt halt einfach! Danke!

Mein Resümee:  Mit dem richtigen Partner und „Klarheit, Kraft, Vertrauen“ sind auch 100km möglich, und jetzt weiß ich woher unsere Kinder den Willen zum Durchbeißen haben (egal in welchem Bereich 😉 ), wer da von zwei Seiten so stark vorbelastet ist, der kann da ja gar nichts dafür.

 

Das Ganze nochmal? Im Moment sage ich klar nein, denn dieses Gefühl und Erlebnis ist nicht zu toppen, allerdings war die Stimmung und Atmosphäre schon geil, also vielleicht dann eher auf der Helferseite. Aber wer weiß was die Zeit so bringt und falls ja, dann aber am Anfang langsamer bzw in einer späteren Startgruppe, dann sind wir evtl auch mal auf den offiziellen Bildern 🙂   

Nachtrag

Einen kleinen letzten Nachtrag muss ich noch einfügen. Von den Veranstaltern kam heute noch eine Mail rein:

1.730 Verrückte sind an den Start gegangen. 288 haben es über die komplette Distanz geschafft. Das ergibt eine Finisher-Quote von knapp 17 %. Das ist zwar recht niedrig, aber wir hatten ja auch Temperaturen von 30 Grad und es war erst der zweite Münchner Mammutmarsch.

An dieser Stelle nochmal ein riesiges Lob an alle Finisher, die sich in der Hitze ins Ziel gekämpft haben. Euch kann nichts und niemand mehr aufhalten im Leben! Darauf geben wir euch unser Mammutmarsch-Siegel!

 

 

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